Lichter von Hans-Christian Schmid ist ein kleines und stilles Meisterwerk.
Im Grunde ist es ein Episodenfilm der fünf Geschichten erzählt, die sich an der deutsch-polnischen Grenze abspielen und lose miteinander verbunden sind.
Der Film macht kurzen Prozess mit jeglichen Klischees und ist keinesfalls zur Unterhaltung da. Nicht umsonst hat er den Untertitel "Willkommen in der Wirklichkeit", denn dort gibt es selten ein wahres Happy End und es läuft nicht immer alles Glatt.
Zum Beispiel ist es im Film oft so, dass man kurz vor einer Handlung steht, die leicht dazu neigen könnte ins Klischee abzurutschen, aber dann eine völlig andere Wendung nimmt. Eben eine, die realistisch sein könnte. Dies geschieht aber immer mit Absicht um eben deutlich zu machen, dass man sich hier nicht in einem Unterhaltungsfilm befindet und es nicht immer wie im (Klischee)Film ablaufen kann...
Durch die oft benutzte Handkamera kommt ein dokumentarischer Style auf, welcher aber auch beabsichtig ist um das ganze realistischer wirken zu lassen. Das gleiche gilt für manche Schauspieler, insbesondere dem Matratzenverkäufer. Bei ihm könnte man meinen, er sei direkt von der Strasse aufgepickt wurden. Das soll aber nicht negativ gemeint sein, sondern eher als Kompliment aufgefasst werden. Er spielt die Rolle so schlicht und einfach, dass es einfach absolut real rüberkommt.
Auch die anderen Schauspieler sind sehr überzeugend und auch bekannte Gesichter wie August Diehl oder der polnische Schauspieler Zbigniew Zamachowski bieten eine realistische Darstellung. Zamachowski tritt hirt übrigens mit seiner richtigen Familie auf, Tochter und Frau.
Nicht eine der fünf Episoden endet sonderlich gut für die Protagonisten, sondern führen alle relativ gleichzeitig und ca. innerhalb von 48 Stunden zu ihren mehr oder weniger traurigen Ende. Denn manche können sich auch aus ihrer jeweiligen Lebenssituationen befreien und andere merken, dass Gutmütigkeit nicht immer belohnt wird und für wieder andere ist es eine Lehre des Lebens...
Fait:
Hans-Christian Schmids neuer Film ist meiner Meinung nach sein bisher bester Film und überzeugt durch die grandiosen Leistungen der Darsteller sowie der Thematik, der Schlichtheit des Films und nicht zuletzt durch das gute Drehbuch. Ein wirklich interessanter Film für ein reiferes Publikum, der keinesfalls zu Unterhaltung da ist, sondern sehr zum Nachdenken anregen soll.
10/10