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Die Hörspielreihe von Stefan Wolf war ein ähnliches Phänomen der Achtziger wie auf musikalischer Ebene „Modern Talking“: Offiziell hört das keiner, gekauft wird es wie bekloppt. Umso erstaunlicher, dass Regisseur Robert Thalheim den dritten Versuch eines Kinofilms wagt, welcher bislang am ehesten den Geist der Serie vermittelt.

Tim (Ilyes Moutaoukkil) darf Dank eines Stipendiums aufs Internat, wo er sich ein Zimmer mit Klößchen (Lorenzo Germeno) teilen muss. Eines Nachts werden die beiden Zeuge eines Flugzeugabsturzes, an dessen Bord sich eine wertvolle Statue befand, welche Klößchens Vater gehörte. Tim, Klößchen, Polizeitochter Gabi (Emma-Louise Schimpf) und Tüftler Karl (Manuel Santos Gelke) ermitteln auf eigene Faust…

Das Abenteuer setzt bei der Entstehung der jungen Ermittlerbande an. Gewöhnungsbedürftig ist zwar ein Tim, der während der Exposition als Sprayer vor der Polizei flieht, aber nachdem er auf dem Schulhof recht schnell die Fäuste fliegen lässt, fühlt man sich beinahe heimisch, denn auch in den ersten Ausgaben lautete das Motto: Erst schlagen, dann fragen.

Der Kriminalfall bietet indes eine kleine Sammlung klassischer Motive, die sich in den frühen Fällen finden lassen, wie etwa „Der blinde Hellseher“. Dabei wird mindestens eine Person entführt oder im Verlauf einkassiert, während TKKG einen Wettlauf gegen die Zeit und den Drahtzieher antreten, was nicht unspannend vonstatten geht und im Finale auf einem verwaisten Firmengelände in der Millionenstadt mündet.

Dabei geht Thalheim überwiegend altmodisch ans Werk, nicht nur geprägt vom 80er Synthi-Score, der klammheimlich einige Melodien der Hörspielreihe aufgreift.
Obgleich Karl mit einigen technischen Kniffen um die Ecke kommt, wird anderweitig althergebracht ermittelt: Sei es mit Verkleidungen oder dem unbefugten Eintreten in ein Gebäude, per Spurenabgleich mit einer Folie oder durch simple Verfolgung mit den Bikes.

Auch das Zusammenspiel der Hauptfiguren punktet, speziell im Fall von Tim und Klößchen, wobei Letztgenannter nahezu perfekt besetzt ist und sogar tonal an den jungen Manou Lubowski erinnert. Karl, den man sich eigentlich dünn und schlaksig vorstellt, fällt zwar ein wenig mickrig aus und ist zudem auf ein Asthmaspray angewiesen, doch auch er hat seine starken Momente. Gabi lässt zu Beginn ein wenig zu sehr die Polizistentochter heraushängen, mit einigen trickreichen Anwendungen fügt sie sich im Verlauf jedoch immer besser ins Team ein. Als kleinen Bonus erfährt man sogar, wie Gabi zum Cocker Spaniel Oskar kommt.

„TKKG“ kommt dem recht nah, was man sich als Hörspielfreund zur Entstehungsgeschichte vorstellt. Die Chemie stimmt, es gibt charmante und auch einige plumpe Einlagen und obgleich nicht immer treffsicher mit einigen Klischees gespielt wird und so manche Kampfsporteinlage deutlich übers Ziel hinausschießt, ist der Unterhaltungswert des relativ temporeichen Treibens nicht zu verachten. Der bereits in Planung befindliche zweite Teil darf gerne daran anknüpfen.
7 von 10

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