Review

Southern Dumbspitality


Bevor Herschell Gordon Lewis mit „Blood Feast“, „Two Thousand Maniacs!“ und Co. das Hillbilly-Modell um eine gehörige Portion Körperflüssigkeiten erweitert hat und damit eine echte, wegweisende und wichtige Nische/Richtung einläutete, machte er Filme wie „Moonshine Mountain“. Zum Teil auch noch während seinen blutigeren Phasen, da diese oft musik- und booze-geschwängerten Redneck-Klamotten vor allem natürlich im Süden, in Drive-Inns und als B- oder gar C-Movies die Kinos der Staaten unsicher machten und schnell (zumindest ein wenig) Profit abwarfen. „Moonshine Mountain“ ist genau ein solch blasser Countrysoung, ein echtes Zeitdokument, daher auch interessant. Aber im Grunde ein ziemlich miserabler Movie, den man locker vergessen und nie wieder entdeckt hätte, wäre er nicht in der monumentalen Blu-ray-Box von Arrow zum Godfather of Gore enthalten. Zu mehr als Beiwerk und Zusatzmaterial taugt das jedoch nie. 

Erzählt wird von einem scheinbar recht berühmten und erfolgreichen Volksmusiker, der „back to the roots“ will und daher, zum Erstaunen der nördlicheren Presse und seiner Freunde, alleine einen Abstecher in ein Kaff der Südstaaten macht. Dort wird ihm zwar zuerst direkt mal einer übergeknüppelt und seine Jacke geklaut, doch über Umwege und eine Menge anfänglicher Skepsis (die wir Zuschauer mit ihm teilen), lernt er die etwas einfältige (aber liebe?) Landbevölkerung, ihren „White Lightning“-Moonshine, die energetische, pure Countrymucke und eine attraktive Dame doch noch zu schätzen... Was wäre ein „Two Thousand Maniacs!“ ohne Gore und Gekröse? Richtig, sehr wenig. Und in etwa genau das, was „Moonshine Mountain“ bietet. Ein süßes Kleinod für Lewis-Komplettisten, aber kein Stück mehr. Ein paar Tunes gehen gut nach vorne, das Spiel mit den Ängsten und Vorurteilen ist auch hier vorhanden und wird zum Teil auf den Kopf gestellt, zudem gibt es noch eine sehenswerte Performance einer geistig etwas zurückgebliebenen Blondine. Ansonsten guckt man hier 80 Minuten lang wenig attraktiven Leuten beim Saufen, Tanzen, Singen zu. Der Krimiplot ist nicht der Rede wert, der Amateurcharme macht noch etwas gut und um die Wurzeln Lewis' zu beleuchten, taugt das. Man kann sich richtig vorstellen, wie der damals zu Matinees und in Autokinos lief. Nebenbei, versteht sich. Denn schon damals haben die Leute sicher gemerkt, dass jeder halbgare Flirt und jeder trockene Burger noch immer mehr hermacht, als dieser frühe Gehversuch eines Goregiganten. Komplett ohne Blut, Schock oder Gedärme. 

Fazit: Whiskey, Country und Südstaaten-Schwulitäten - „Moonshine Mountain“ ist ein purer, simpler Southern Schlager von H.G. Lewis, den man schneller vergessen hat als man einen billigen Selbstgebrannten trinken kann! 

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