Review
von Leimbacher-Mario
Die Poonies
Hyperaktiv, aufgesetzt, unecht, bunt, ideenlos. Das sind Worte, die mir zu „Rim of the World“ am ehesten einfallen. Nachdem McG mit dem pfiffigen „The Babysitter“ einen waschechten Publikumshit exklusiv für Netflix erschaffen hat, musste er mit dieser Mischung aus „The Goonies“ und „World Invasion: Battle Los Angeles“ wohl schnell nachliefern. Und das ging gehörig nach hinten los. Ein übler Möchtegern-„Stranger Things“ ist dabei rausgekommen, der eher wirkt wie Disney Channel als Kino. Ein gehetzter Schnellschuss. Anders kann man es kaum sagen. Es geht um vier jugendliche Außenseiter, die während ihres Aufenthalts im Sommercamp auf einmal die Welt vor aggressiven Außerirdische retten müssen...
Während „The Babysitter“ noch locker, leicht und selbstbewusst wirkte, hat „Rim of the World“ von all dem nichts mehr. Oder von manchem sogar künstlich aufgeblasen zu viel. Zu viele billige Farbfilter lieblos drübergeklatscht, zu wenig echten Style. Zu viele „spontane“ Zitate und Namedrops, zu wenig Herz. Zu viel cooles Getue, zu wenig instinktiv-richtige Entscheidungen. Zu viele Effekte, zu wenig Budget. Zu viel Adidas, zu wenig echte Trends. Zu viel Monster, zu wenig monströser Spaß. Zu viele Spielminuten für zu wenige fesselnde Szenen. Zu viele Pophits, zu wenig Musikgeschmack. Zu viele Vorbilder, zu wenig Ideenreichtum. Zu viel retro, zu wenig Zukunft. Zu viel Oberfläche, zu wenig Charakter. Zu viel Stress, zu wenig Zeit für wichtige Momente. Zu viel „kenn ich“, zu wenig „will ich“. Zu viel Geld im Kopf, zu wenig Talent im Körper. Im besten Fall langweilt dieses „Ende der Welt“ einen. Im schlechtesten Fall nervt das Ding richtig. Die vier Halbstarken an sich mochte ich einigermaßen und das ein oder andere Filmzitat lässt zumindest schmunzeln (z.B. Werner Herzogs „Grizzly Man“). Aber das war es dann auch schon. Und das ist einem nach maximal 30 Minuten ärgerlich klar. Da kommt nichts mehr.
Fazit: mehr Farbfilter als Charme, mehr Kopie als Original, mehr Fremdscham als Spaß, mehr Schnellschuss als Leidenschaft, mehr Langeweile als Unterhaltung - für die Kleineren ist „Rim of the World“ sicher noch ein schnelllebiger, zum Teil auch überraschend düsterer Zeitvertreib. Alle anderen greifen lieber zu den Originalen. Egal ob „Independence Day“ oder „Stand By Me“, „Jurassic Park“ oder „A Quiet Place“. Oder eben „Stranger Things“. Denn all diese Titel haben etwas, das „Rim of the World“ völlig abgeht - Seele.