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Update und Reboot, - eigentlich ein Kinderspiel vom norwegischen Regisseur Lars Klevberg („Polaroid“), der sich zwar grob an „Chucky - Die Mörderpuppe“ orientiert, dabei jedoch nicht versucht, das Franchise um Don Mancini oder ein Relikt der Achtziger krampfhaft zu imitieren oder reanimieren.

Nach dem Umzug findet der dreizehnjährige Andy (Gabriel Bateman) kaum Zugang zu Gleichaltrigen. Seine allein erziehende Mutter Karen (Aubrey Plaza) ergattert im Kaufhaus in welchem sie arbeitet, ein ausgeschleustes Modell von Buddi, einer mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Puppe. Andy und Chucky, wie sich die Puppe selbst nennt, werden zunächst scheinbar beste Freunde…

In eine moderne Welt, in der ohne Mobiltelefon kaum eine Heizung anspringt und Alexa eine heimliche Strichliste vom Bäuerchen auf dem stillen Örtchen anfertigt, würde keine Mörderpuppe mehr hineinpassen, die per Voodoo einen Serienkiller repräsentiert.
Chucky schaut zwar ein wenig nach Manga-Teufelchen aus, aber schließlich ist die Puppe ein Massenprodukt eines Großkonzerns, made in China. Und wenn sich hier ein Arbeiter ausgebeutet fühlt, kann der sich auch mal rächen und bestimmte Chips weglassen.

Klevberg wies in einigen Interviews auf die Einflüsse von „E.T. – Der Außerirdische“ hin und diese sind bisweilen unübersehbar. Andy ist einsam und genervt vom Macker der jungen Mutter und wünscht sich einfach nur einen Freund, egal wie dieser aussehen mag. Und siehe da: Chuckys Finger leuchtet im letzten Drittel mehrfach auf, wenn er, anstatt nach Hause zu telefonieren die Elektrik durcheinander bringt. Zu diesem Anlass kann sich Andy auch mal einen roten Kapuzenpullover überziehen, wie es einst Henry Thomas tat.

Und eigentlich ist Chucky ja ein Lieber, der so programmiert ist, keine Grenzen zu überschreiten, nicht zu fluchen und schon gar keine Gewalt anzuwenden. Doch wenn man sich mit den wenigen Freunden „Texas Chainsaw Massacre 2“ im Fernsehen ansieht, ein Bro auf „2Pac“ schwört und sich der klischeebeladene Hausmeister als nerdy und pervers entpuppt, kann es schon mal drunter und drüber gehen.

Für eine FSK16 wird zumindest relativ blutig und kreativ das Messer geschwungen, ein Vertikutierer kommt zum Einsatz, es gibt die Auswahl zwischen verbrannten Flossen und Kreissäge, eine abgezogene Gesichtshaut taugt recht gut als Running Gag und selbst Modellflugzeuge lassen sich mit entsprechenden Klingen zweckentfremden. Beim finalen Chaos im Kaufhaus hätte es allerdings ein wenig mitreißender zugehen können, zumal der Schlussakt weitgehend unpointiert ausfällt.

Die Sprüche des mörderischen Eigenlebens in Puppengestalt sind beileibe nicht so markig, wie es einst Brad Dourif übermitteln konnte und zuweilen häufen sich Klischees, während garstige Spitzfindigkeiten ein wenig auf sich warten lassen. Da jedoch die spielfreudigen Mimen durch die Bank überzeugen, die eine oder andere Situationskomik zündet und die kritische Haltung gegenüber außer Kontrolle geratener Kontrolltechnik unübersehbar ist, werden sogar Genrefreunde bedient, die es bevorzugt altmodisch mögen.
6,5 von 10

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