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Woody und Buzz können sicher ein Liedchen davon singen, was es bedeutet, zum alten Eisen zu gehören. Auch Chucky gehört zu den prominenten Opfern des Strukturwandels in amerikanischen Kinderzimmern; welches Kind mit zwei Daumen und einem Wipe-Finger spielt denn heute noch mit Puppen? Obwohl die 30 Jahre alte "Child's Play"-Reihe bis zum heutigen Tag immer wieder unregelmäßige Herzschläge auf dem EKG anzeigt, ist nicht zu übersehen, dass sie längst an lebenserhaltende Maßnahmen in Form verklärender Nostalgie angeschlossen ist. Ohne sie wäre der kleine Wüterich mit der Serienmörder-Seele längst in der Holzkiste auf dem Dachboden verstaut.

Jetzt wird manch einer beim Remake wegen des veränderten Designs und des technologischen Ansatzes Zeter und Mordio schreien, doch wenn jemand ein Upgrade dringend nötig hatte, dann Pumuckls böser Zwilling. Auf den ersten Blick wirkt es profan, wenn anstatt eines stinkwütenden Brad Dourif lediglich die Enttäuschung eines vietnamesischen Lagerarbeiters in die Schaltkreise gesogen wird. Doch in Wirklichkeit entledigt man sich hier des abgestandenen Voodoo-Miefs der 80er Jahre und legt den Grundstein für eine Abrechnung mit der Digitalisierung.

Denn der neue Chucky, so sehr man sich an sein seltsames neues Äußeres auch gewöhnen muss, verbindet traditionelle Spielkultur und Hi-Tech-Entertainment fließend miteinander. Konzipiert für kleinere Kinder, steckt hochmoderne Technologie auf dem Weg zum eigenen Bewusstsein in dem roten Wuschelkopf. Auch wenn das Drehbuch mit der alleinerziehenden Mutter (Aubrey Plaza) in armen Verhältnissen Stereotypen bestätigt, findet es in dem eigentlich schon zu alten Jungen (Gabriel Bateman) genau den richtigen Spielpartner für den Mörder in Latzhosen, der zu Beginn des Films eine harmlose, fast schon langweilige Ausstrahlung besitzt.

Fließend entlarvt das Drehbuch dann aber, was tatsächlich in Chucky steckt. Aus dem Prolog weiß man, dass es eigentlich nur eine absichtliche Fehlprogrammierung ist, die ihn Amok laufen lässt, doch im Zuge der "lernenden KI" findet vor den Augen des Zuschauers eine Evolution von der leblosen Puppe in eine intelligente Kreatur statt, die zunehmend strategisch vorgeht und schließlich sogar menschliches Verhalten wie Zynismus so überzeugend zu imitieren imstande ist, dass man kaum mehr sagen könnte, was hier gekünstelt ist und was real. Bisweilen kann das sogar ziemlich creepy werden (Stichwort "Miau").

Auch für die Konzeption des Horrors dienen die erweiterten Fähigkeiten Chuckys als Eintrittskarte zu völlig neuen Bereichen. Mit dem Original hätte man wohl kaum elektronische Geräte manipulieren und im Grunde die gesamte vernetzte Umgebung wie eine Marionette tanzen lassen können, als würden wir uns in einem Spielabschnitt von "Watch Dogs" befinden. Inwiefern die neue Mobilität gefällt, ist natürlich eine andere Sache, doch bei der Inszenierung der Puppe bleibt Lars Klevberg dem Original erstaunlich treu. In den Bewegungen ist weiterhin eine gewisse Unbeholfenheit zu spüren, fast so, als würde er immer gerade noch die Kurve kriegen, um nicht über die eigenen Füße zu stolpern. Auch klassisches Gemetzel wird erfreulicherweise nicht ausgespart, wie die herrlich sadistische Puppendoktor-Sequenz beweist.

Allenfalls im größeren Rahmen hätte "Child's Play" etwas mehr Grimmigkeit gut zu Gesicht gestanden. Aubrey Plaza macht ihre Sache gemessen an der eindimensionalen Rolle wirklich gut (was sie ihrer eigenen Schrägheit zu verdanken hat, die in einigen kitschigen Momenten sehr erfrischend wirkt), auch Bateman weiß mit seiner "zu alt für den Scheiß"-Vorgabe etwas anzufangen und einige der meist comicartig aufgezogenen Nebenfiguren (als Polizist mit ironischer Ader) lockern den Plot auf, aber im Aufbau der Dramaturgie bis hin zum großen Showdown in einer Lagerhalle ist doch alles sehr auf die Gewohnheiten des Mainstreams geeicht.

Trotzdem ist der Neustart "Child's Play" durchaus als Bereicherung zu bewerten. Selbst die späten Fortsetzungen der Originalreihe in den 10er-Jahren hatten ja noch ihre kleinen Momente, aber das hier sorgt einfach nochmal für den Frischekick, der eben nur auf einem weißen Blatt Papier möglich war.

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