*** SPOILERWARNUNG ***
Andy Barclay tut sich schwer. Gerade in eine neue Stadt gezogen, Muttis neuer Freund ist ein Arschloch und Freunde zu finden ist auch nicht leicht. Da ist er auch erst wenig begeistert, als seine Erziehungsberechtigte ihm die Hightech-Puppe „Buddi“ vorsetzt. Dennoch findet Andy bald gefallen an dem KI-gestützten Begleiter, noch nicht ahnend, dass sich dieser zu einer tödlichen Gefahr entwickelt.
In mehrerlei Hinsicht verfolgt dieser von Lars Klevberg inszenierte Neuanfang mit der besessenen Mörderpuppe einen neuen Ansatz. Dazu gehört auch, dass diese eben nicht mehr besessen ist, kein Serienkiller schlüpfte in dessen Hülle. Kein Voodoo, sondern ein schikanierter Lohnsklave aus einer vietnamesischen Fabrik ist verantwortlich, da er im Herstellungsprozess einfach mal alle Sicherheitsprotokolle des Spielzeugs deaktiviert. Damit die Konsumenten im Westen an dem für einen Hungerlohn zusammengebauten Produkt zum Objekt seiner Rache werden. So geht Kapitalismuskritik! Oder auch nicht. Und wem das noch nicht platt genug ist, der bekommt dazu noch den Buddi eben mit „i“.
Die Ausgangslage mag einem plakativ ins Gesicht gerieben werden, im Kern ist dieser neue Ansatz aber durchaus interessant. Immerhin modernisiert sich die Reihe, greift hier Themen wie künstliche Intelligenz und die allumfassende Vernetzung auf. So lässt das Skript Chucky (ein reines Missverständnis) lernen und interpretieren – leider aber eben ist die KI in Beobachtung und dem Herleiten einer Schlussfolgerung wenig feinfühlig und so dreht sich das Freund-Feind-Karussell und das Reboot verkommt im Kern zu einer weiteren Variation bekannter Versatzstücke des Genres.
Dazu gehören diverse Kills, die mal mehr, mal weniger graphisch daherkommen. Chucky handelt quasi auf Andys Äußerungen hin und nutzt seine audiovisuellen Aufnahmefähigkeiten zur Manipulation. Seine Besessenheit gegenüber Andy verkehrt sich ins Mörderische und so darf sich der Junge alldem erwehren. An seiner Seite (oder auch mal nicht) sind weitere Jugendliche aus der Gegend und wissen das Publikum und einige der Figuren von dem Eigenleben der Puppe, so ist sich Klevbergs Neuauflage nicht dafür zu schade, bis kurz vor Schluss mal wieder mit dem Unglauben der Älteren zu hantieren. Auch schreckt man nicht vor diversen Jumpscares zurück und ganz ehrlich, dieses „ein Schatten huscht mit lautem Geräusch vor der Kamera vorbei“ - ich kann es nicht mehr sehen. Warum gegen Ende auch noch weitere Püppis durchdrehen – man weiß es nicht. Noch mehr unzufriedene Fabrikarbeiter?
Nicht alles ergibt hier Sinn (was findet Andys Mutter an diesem Vollidioten Shane?) und das muss es im Genre auch nicht zwingend. Aber hier wird es dann geradezu lächerlich löchrig.
Das Ensemble schlägt sich überwiegend wacker, Aubrey Plaza und Gabriel Bateman als die Barclays sind okay, Sympathie gibt es da dennoch eher für Brian Tyree Henry als Detective Mike, der die einzige wirklich nahbare Figur bleibt. Statt Brad Dourif leiht nun der geschätzte Mark Hamill der Killerpuppe die Stimme, was trotz der Qualität nach sieben Mal Dourif dennoch gewöhnungsbedürftig ist. Ebenso wie das recht misslungene Design von Chucky.
Der neue Ansatz ist interessant, das Einbeziehen von KI und Vernetzung ist ein frischer Aspekt in der Reihe bzw. diesem Neustart. Ansonsten ist das zwar solide inszenierte, aber mit wenigen Überraschungen produzierte Genrekost. Immerhin nicht ausufernd lang geraten strapaziert „Child's Play“ gerade im letzten Drittel dann über Gebühr seine generischen Einzelteile. Dazu kommt das zu häufige Einstreuen von auflockernden Witzeleien, die jeglichen Spannungs- oder Horroraspekt schnell ersticken. Und sieht das hier auch wertiger aus als in diversen Vorgängern, so ist es schade um manch gelungene Idee bezüglich der eingebrachten Technik, aus denen das Skript erstaunlich wenig macht.