Review

-30 Grad, trotzdem trag ich meine Lederjacke


Nachdem sich Quentin Dupieux mit einem tötenden Reifen überhaupt erst einen Namen gemacht hat und Peter Sttickland letztens erst ein blutgieriges rotes Kleid in „In Fabric“ auf die Welt losgelassen hat, konnte es nicht allzu lange dauern, bis Dupieux wieder nachzieht und ein weiteres alltägliches Kleidungsstück mit Mordlust bestückt. In seinem neuesten (Genie?)Streich verknallt sich Jean Dujardin in eine eigentlich super hässliche Lederjacke. Mit Fransen, etwas zu klein, in kackbraun, völlig aus der Mode und dann musste dafür auch noch ein echtes Tier sterben - das volle Programm, aber irgendwie scheint das stinkende Stück seinen eigenen Willen zu haben und seinen Träger ein wenig durchdrehen zu lassen...

„Le Daim“ geht nichtmal knackige 80 Minuten und ist ein zurückgelehnter Kommentar auf toxische Männlichkeit und die Willkürlichkeit des Wahnsinns, die Sinnlosigkeit des Töten, den fragwürdigen Ursprung des Bösen (in uns allen). Das klingt heavy und ambitioniert, ist aber derart lässig vorgetragen, dass die Themen nicht nur verblassen, sondern sich der eine solide Joke auch gehörig und flott abnutzt. Dujardin spielt das grandios verblendet, er bräuchte eher eine „straight jacket“ und einen derartigen „Hass“ auf Jacken hat man wohl auch noch nie gesehen. Doch insgesamt ist das hier für mich Dupieuxs zweitschlechtester Erguss, knapp vor „Rubber“, mit dem ich persönlich auch nie wirklich viel anfangen konnte, den ich allerdings nochmal sehen müsste. An einen „Reality“ oder „Wrong“ kratzt dieser surreale Wildlederwahnsinn allerdings nie. Es ist eine nette Fingerübung und schneidet wie gesagt düstere Topics kreativ an - doch im Grunde kommt er nie über Second Hand-Feeling hinaus. Das kann der fleißige Franzose besser und er sollte definitiv darauf achten, nicht zu schnell zu viele Filme zu drehen und Qualität vor Quantität zu stellen. Der Song im Abspann (einer meiner absoluten Lieblinge), ein paar bizarre Splattereinlagen und Mister Dujardin holen für mich hier aber noch die Kastanien aus dem langsam auslodernden Feuer. Gar kein allzu guter Opener für das Cologne Filmfestival...

Fazit: Dupieux wie wir ihn kennen und lieben... Nur in belangloser. „Deerskin“ ist sein vielleicht bisher (un)coolster Mitternachtsklopfer. Crazy und noch immer hungrig. Nur leider im Grunde lediglich ein einziger lange Witz und super abrupt zu Ende. Fühlt sich unfertig an und eher wie eine Zwischenmahlzeit, wenn überhaupt. Enttäuschung mit leichtem Schmunzeln. 

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