Review

Pro Zeitsprung 10 IQ-Punkte weniger


„See You Yesterday“ ist ein frustrierender Film. Einerseits beabsichtigt, weil er sich immer weiter wiederholende Dinge wie Polizeigewalt gegenüber schwarzen als Thema nimmt, andererseits aber auch unbeabsichtigt, weil seine Figuren oft dermaßen stur, dumm, unüberlegt und impulsiv handeln, dass man schnell die Lust verliert und kaum noch Empathie empfindet. Letzteres kann nicht Absicht sein und schadet dem Film extrem. Selbst wenn man das teilweise sogar ebenfalls als Kommentar zur aktuellen Gesellschaftssituation in den Staaten sehen könnte... Es geht um zwei schwarze Teenager mit wissenschaftlichem Know How und Talent, die eine recht improvisierte Art erfunden haben, durch die Zeit zu reisen. Und als ein Mord eines Polizisten an einem schwarzen Jugendlichen geschieht, sehen die beiden eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit ihres Do-It-Yourself-Handgelenk-Deloreans...

Der Netflixtitel verbindet die Power von „The Hate U Give“ mit lockeren Zeitreisen ala „Back to the Future“ oder „Happy Deathday 2U“. Zumindest versucht er das, was ihm eigentlich hoch anzurechnen ist. Doch diese zwei Enden des Spektrums zu balancieren gelingt leider nicht immer. Alle Darsteller sind bemüht, der Soundtrack hat Style, der Chameo zu Beginn ist schlicht genial und immer wieder blinzeln emotionale Genialitäten, feine Details und sogar Kultqualitäten durch. Doch im Endeffekt wird all das durch Figuren vernichtet, die einen zur Weißglut bringen und denen man, so böse es auch klingen mag, ihre bitteren selbst geschaffenen Schicksale fast gönnt. Und das ist mit Sicherheit das Gegenteil von dem, was die Macher eigentlich erreichen wollten. Frust gehört zu dem Thema dazu und passt, man versetze sich nur mal in die Lage der schwarzen Bevölkerung oder gar einer Schwester, deren Bruder gerade von einem Polizisten unnötigerweise erschossen wurde. Aber hier kommt die Frustration meiner Meinung nach aus der falschen Ecke. Vor allem das Mädchen und unsere „Heldin“ ist dermaßen unfassbar blöd, lernresistent und man traut den Kids nie auch nur eine Sekunde zu, das erfunden zu haben, was hier benutzt wird. Natürlich sind es noch Teenager, natürlich reichen schon kleine Veränderungen in der Vergangenheit für große Katastrophen in der Gegenwart und natürlich müssen Filmfiguren nicht immer korrekt entscheiden, sonst gäbe es ja kaum Spannung oder Reibung. Aber hier wird einfach mehrfach derart falsch und zum Kopfschütteln agiert, dass man fast jedem gratulieren kann, der nicht schon vor dem Abspann ausschaltet. Und somit ein scharfes und passendes Ende verpasst, das durchaus wieder richtig seinen Sinn trifft, Frust korrekt installiert und nicht vollkommen fehl schlägt. Insgesamt fegt das Ding aber an fast allem vorbei, wofür es eigentlich einstehen will. Was sehr traurig ist. Setzen 6, könnte ein böser Lehrer sagen. Ich sehe aber immerhin Potenzial und guten Willen. Was fast noch ärgerlicher ist. 

Fazit: Look, Details, Aussagen und dieser eine bestimmte Gaststar sind stark. Die saudummen und nur wenig sympathischen Figuren machen jedoch fast alles zunichte. Wirklich schade! 

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