Staffel 1
Diese Kurzserie (6-Folgen je ca. 50min) ist mal wieder eine dieser Serien, die auf der hiesigen Filmdatenbanken unverdient hohe Ratings erhielt. Nun ja, ist heutzutage normal, dass jede Serie exzellente Wertungen verdienen würde.
Grundsätzlich ist die Hauptstory durchaus interessant und fesselte mich ''Years and Years'' bis zum Ende zu schauen.
Von 2019 bis 2034 wird das Leben der Familie Lyons in Großbritannien gezeigt. Ein Land, das auf sich allein gestellt ist. Ohne die im Zusammenbruch befindende EU und (mit Sanktionen überzogenen) USA.
Deren Konflikte mit anderen Familienmitgliedern, mit sich selbst, der Gesellschaft, Politik und Technologie.
Die Gesellschaften weltweit sind im Umbruch und radikale Parteien und Politiker übernehmen nach und nach das Ruder. Die Zukunft entwickelt sich in eine herzlose neoliberale Dystopie.
Wie in Black Mirror werden hier und da die negativen Komponenten der technologischen Entwicklung gezeigt, aber eher nebensächlich, zum Teil lächerlich dargestellt und veraltet.
Es könnte so gut sein, aber die Charakterdarstellung ist einfach miserabel. In keine Person konnte ich mich wirklich hineinversetzen. Die Ausnahme war allerdings der homosexuelle Daniel Lyons.
Ansonsten überwiegen unsympathische bis völlig uninteressante & schwachsinnige Charaktere wie z.B. die Kinder der im Rollstuhl sitzenden unsympathischen Rosie Lyons, die nie ein Wort aus ihrem Mund kriegen und wie Zombies vor sich her sitzen. Ein Junge zieht sich plötzlich wie ein Mädchen an und niemanden interessiert das wirklich.
Es gibt keine Gespräche zwischen Rosie und ihren Kindern.
Oder auch Gespräche zwischen den anderen und den Kindern von Rosie.
Sind das überhaupt Menschen oder Maschinen?
Eigentlich redet man doch mal miteinander.
Oder Edith Lyons, die wie eine typische Karikatur von Umwelt-& SJW-Fanatikerin daherkommt und die -oh, Überraschung- selbstverständlich auch homosexuell ist.
Die politische Entwicklung ist da ganz klar.
Eine kulturell-individuelle Liberalisierung wird im Gegensatz zur politischen und gesamtgesellschaftlichen Liberalisierung hervorgehoben, aber nicht heroisiert. Denn eine politische und gesamtgesellschaftliche Liberalisierung gibt es in der Serie nicht wirklich und es geht Schritt für Schritt zurück in den Autoritarismus. Diese Entwicklung wird perfekt in Form von der neoliberalen Populistin Vivienne Rook (Emma Thompson) als britische Premierministerin dargestellt.
Die Dystopie ist erschreckend, aber leider auch realistisch.
Hätten die Macher die Charaktere menschlicher und nicht wie Karikaturen dargestellt, dann wäre es eine durchaus gute Serie geworden.
So ist ''Years and Years'' nicht schlecht, aber auch nicht perfekt.
Für die schlichten Gemüter aus der pseudopatriotischen Ecke ist die Serie nichts.
Vermutlich würden sie ''Years and Years'' als linksgrüne Propaganda abtun.