Review

What Shall We Do With The Drunken Sailor?!


Alptraumhafter Seemannsgarn,
mit diesen zwei Trunkenbolden will man ungern wegfahr'n.

Zwei Leuchtturmwärter auf Selbstfindungstrip,
sie benutzen Gin und Rum als Sühne und Kit.

Eine Zwei-Mann-Show zwischen Wahnsinn und See,
es ist nicht zu viel, lobt man Pattinson und Dafoe weit über den Klee. 

Die beiden schaukeln sich gegenseitig in windige Tiefen,
selbst schuld an diejenigen, die in meiner Vorstellung überfordert und verwirrt schliefen. 

Wie schon sein „The Witch“ ist auch Eggers Zweitwerk ein Wellenbrecher,
da lohnt sich auch in Zukunft sicher noch der ein oder andere Abstecher. 

Ein Alptraum aus Nebel, Filmkorn, Tentakeln und Schuld,
bewegt sich dieses bewegte Gemälde irgendwo zwischen sperrig und Kult.

In jedem Fall ein massives Vermächtnis,
bleiben diese Meerjungfrauen und tiefen Falten im Gedächtnis.

Selten wurde man derart zurückgeworfen in der Zeit,
selten wusste man derart verunsichert nicht, was sich da vor einem treibt.

Von einäugigen Möwen und Poseidons Rache,
hätte ich vor allem nicht gedacht, dass ich hier dermaßen viel lache.
 
Der brummende Score, der peitschende Sturm,
diese Gischt steht über fast allem dieses Jahr wie ein Turm.

Ein wenig mehr glitschige „Monsteraction“ hätte ich mir vielleicht gewünscht,
doch dafür hat es zum Teil wunderschön gelyncht.

„The Lighthouse“ ist ein Schwergewicht im Post-Horror-Teich,
an Schichten und Ebenen und Deutungen mehr als nur reich.

Mythologie trifft auf Religion, Glauben auf Isolation,
in der gesamten Filmgeschichte hat diese graue Collage keinen Klon.
 
Ein wenig von Trier, ein wenig vom alten Dreyer,
und trotz Setting und Machart ist das hier alles andere als die gewohnte Leier.

Das Licht der Versuchung war einfach zu stark,
wie ein Leuchtturm eben steht dieses Manifest hoch und autark.

Surreal und wild, eine Wendeltreppe ins Verderben,
von allen Arten, wollen so wohl die wenigsten sterben.

Sirenengesang, vertane Buße,
steckt in diesem krassen Trip einiges an Muße.

Salz auf der Zunge, Männlichkeit in der Hand,
treiben es hier die Giganten außer Rand und Band. 

„Shining“ im Hinterkopf, die dunkle See auf den Lippen,
zum Glück rankten sich bei diesem Dialekt Untertitel über die archaischen Klippen. 

Von Furzwitzen zu Prometheus in unter zwei Stunden,
ein extrem detailliert recherchiertes Werk, dass man noch wird Jahre analysieren und erkunden. 

Fazit: nach der Hexe kommt der Leuchtturm - und auch hier enttäuscht Regiewunderkind Robert Eggers nicht. Whisky trifft auf Nebel, Bärte küssen Einsamkeit, Männlichkeit meets Paranoia, Dreyer knipst Lovecraft, Fotos treffen Alpträume, Licht fließt in Schatten, Meisterwerk fordert Mainstream. „The Lighthouse“ frisst im Kinojahr 2019 eigentlich alles. Mit Haut und Haaren. Tief beeindruckend. 

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