Review

iHaveCNit: Der Leuchtturm (2019)
30.11.2019

A24 bleibt für mich ein Garant für Topfilme, was nun auch „Der Leuchtturm“ belegen wird. Wenn ich so über meine Topfilme des Jahres nachdenke, kann ich glaube ich alle unter dem Schlagwort „Wahnsinn“ zusammenfassen. Egal ob es um Gesellschaftskritik Südkoreas, schwedische Feste, Bergsteigen, Motorsport, amerikanische Politik, Einsamkeit im All, die Machtkämpfe bei Hofe der britischen Königin oder auch den gesellschaftlichen Umgang mit Außenseitern geht. Jeder dieser Filme präsentierte uns in gewisser Art und Weise den „Wahnsinn“ - wie auch „Der Leuchtturm“ von „The Witch“-Regisseur Robert Eggers.

An der Atlantikküste ist ein Leuchtturm zu warten und in Betrieb zu halten. Alle 4 Wochen wird dazu ein Team aus 2 Leuchtturmwärtern dorthin gebracht. Die beiden sich selbst unbekannten sind der alte Seebär Thomas Wake und der junge Neuling Ephraim Winslow. Während Wake sich alleine um den Turm selbst kümmert, darf Winslow nur niedere Hilfsarbeiten ausführen. Das und die Tatsache, dass sich ein starker Sturm aufbraut, der die Ablösung in weite Ferne führt, führt zu unausweichlichen Spannungen zwischen den Beiden.

Der Film wirkt von seiner Optik wie aus der Zeit gefallen. Es ist fast so, als würde uns Robert Eggers knapp ein ganzes Jahrhundert in die Vergangenheit reisen lassen, in dem es noch Stummfilme in Schwarz/Weiß-Optik und ein fast quadratisches Bildverhältnis von 1.19:1 gegeben hat. Und genau das hat mir persönlich richtig gut gefallen, denn diese Optik könnte ich mir in den Kinos viel lieber häufiger ansehen als zum Beispiel den zurecht gefloppten „Gemini Man“, dessen Optik mit der sehr hohen Qualität mehr Trash als Qualität geliefert hat. Mit seiner klaren Begrenzung auf das Eiland des Leuchtturms erschafft Eggers ein sehr atmosphärisches Kammerspiel, das durch das sehr detaillierte und stimmige Szenenbild und den Sound noch unterstützt wird. Vor allem das Brechen der Wellen an der Brandung, das Kreischen der Möwen und die Hornsignale der Schiffe geht durch Mark und Bein. So ungleich die Charaktere von Dafoe und Pattinson sind, so ungleich ist auch ihre Art des Schauspiels. Während Dafoe mehr methodisch an sein Schauspiel herangeht soll der gute Pattinson eher einer sein, der mehr improvisiert und spontan angeht. Beide liefern hier extrem starke Leistungen ab, die Chemie der beiden ist in Bezug auf die Dynamik zwischen ihren beiden Charakteren perfekt und beide spielen sich hier gegenseitig um den Verstand und machen somit den Abgrund und den Wahnsinn aus der Einsamkeit und dem Überlebenskampf greifbar. Auf den Verlauf der Handlung möchte ich bei diesem Psychogramm weniger eingehen, nur greift Eggers hier auch deutlich auf Foreshadowing zurück und auch auf mythologischen Motive und klassischen Seemansgarn, der für mich hier weniger greifbar war und mit einer später folgenden genaueren Analyse des Films sicherlich noch entschlüsselt werden könnte. Würden jetzt im kommenden Dezember nicht noch 2 große Eventblockbuster und wenige kleinere Filme auf mich zukommen, wäre „Der Leuchtturm“ bereits jetzt ein grandioser Schlussstrich für das Jahr 2019.

„Der Leuchtturm“ - My First Look – 10/10 Punkte

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