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Auf einer sturmumtosten Landspitze in Nova Scotia wird dem knorrigen alten Leuchtturmwächter Thomas Wake (Willem Dafoe) ein neuer Gehilfe zugeteilt: Ephraim Winslow (Robert Pattinson), ein ehemaliger Holzfäller, dem sein Job zu langweilig wurde, soll Wake dort für 4 Wochen zur Hand gehen. Obwohl die Vorschriften eigentlich wechselnde Schichten vorsehen, macht Wake von Anfang an klar, daß er die Nächte oben auf dem Turm beim Leuchtfeuer verbringen wird und der Jüngere unten die "Drecksarbeiten" erledigen darf. Winslow, der auf den Lohn angewiesen ist, fügt sich vorerst in sein Schicksal und schuftet wie ihm aufgetragen ist. Erst nach 2 Wochen gelingt es ihm, mit seinem Namen angesprochen zu werden, zuvor wurde er in den wenigen Unterhaltungen stets mit einem abschätzigen "Bursche" ("Lad") betitelt. Aber da die 4 Wochen bald vorüber sein würden, unterdrückt Winslow seinen heimlichen Groll auf den Alten, auf die einsame Dienststelle und die ihm auf die Nerven gehenden Möwen dort - doch in der letzten Nacht herrscht ein fürchterlicher Orkan, und am nächsten Morgen eröffnet ihm Wake, daß sie das Schiff - und somit die Ablösung - verpasst hätten und möglicherweise noch viele Wochen gemeinsam Dienst auf dem einsamen Leuchtturm schieben müssen, was besonders Winslow in den Wahnsinn treibt...

Das ungewohnte, fast quadratische Format von 1,19:1 sowie der durchgehend schwarz-weiß abgefilmte Streifen vermögen in der ersten Viertelstunde eine eigenartige Retro-Atmosphäre aufzubauen, in der der schnauzbärtige Winslow wie ein Lehrbub behandelt wird und sich nach Kräften müht, die Schubkarren mit der Kohle durch den Schlamm zu schieben oder ein ganzes Ölfass über die Wendeltreppe nach oben zu tragen, nur um dort - schweißtriefend angekommen - ein kleines Kännchen in die Hand gedrückt zu bekommen mit der Anweisung, das Fass wieder runterzutragen. So geht es tagein, tagaus, und in seinen wenigen ruhigen Momenten träumt Winslow mit einer kleinen Meerjungfrau-Figur in der Hand, die sein Vorgänger(?) in die Matratze gesteckt hatte, während der ältere Wake ungeniert seine Darmwinde verteilt und ihn wegen irgendwelcher Kleinigkeiten rügt. Nachdem in der Nacht der Ablöse der Sturm die Wellen durchs Fenster des Wohnhauses schwappen ließ und die beiden Männer zuvor ausnahmsweise einen halbwegs harmonischen Abend miteinander verbrachten (was allerdings nur einer Flasche Schnaps zu verdanken war) fängt Winslow dann zunehmend zu halluzinieren an...

Leider ergeben sich aus den spärlichen Konversationen (Dafoe spricht im Original einen nur schwer zu verstehenden Dialekt) kaum Anhaltspunkte über das Vorleben der beiden, angedeutet werden eine längere Tätigkeit auf See vom älteren Wake, der ein krankes Bein hat, während Winslow offenbar gar nicht so heißt und einen verhassten Kollegen bei einem Arbeitsunfall ertrinken lassen hat, da er ihm ohnehin nicht helfen konnte. Einzelne Wahnvorstellungen lassen dann die beiden ihre Rollen tauschen, aber was davon sich tatsächlich ereignet und was Winslows Phantasie darstellen soll, bleibt genauso unbeantwortet wie das vorgebliche Geheimnis des von Wake unter allen Umständen verteidigten Leuchtfeuers, zu dem er Winslow jeglichen Zugang verwehrt.

Der Leuchtturm ist ein klarer Fall von style over substance - denn der wirren Story kann (und will) man auf Dauer einfach nicht mehr folgen (Sympathiewerte kann ohnehin keiner der beiden Darsteller verbuchen) und so ist es am Ende allein das ungewöhnliche Film-Format, welches von dieser spannungslosen Seemanns-Story im Gedächtnis bleibt. Zwar tadellos gespielte konträre Rollen, dennoch nur geringer Unterhaltungswert und ein sich im Nichts auflösendes Ende. 3 Punkte.

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