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„Der Leuchtturm“ ist definitiv kein Film für den schnellen Snack zwischendurch. Schon rein optisch macht er klar: Hier läuft was anderes. Das Bild ist in Schwarz-Weiß gehalten, im altmodischen 4:3-Format – und das wirkt nicht wie ein Gimmick, sondern zieht dich sofort in eine eigene, dichte Atmosphäre rein. Alles fühlt sich eng, gedrückt und unangenehm an – genau wie das Leben der beiden Männer auf dieser verdammten Insel.

Willem Dafoe spielt den alten, seebärenhaften Leuchtturmwärter, der wie eine Mischung aus Kapitän Ahab und einem saufenden Shakespeare-Darsteller wirkt. An seiner Seite: Robert Pattinson, deutlich jünger, deutlich stiller – aber mit zunehmender Spielzeit merkt man, dass da unter der Oberfläche gewaltig was brodelt. Die Dynamik zwischen den beiden ist das Herzstück des Films – und es knallt gewaltig.

Was als klares Machtgefälle beginnt, wird mit der Zeit immer surrealer, verworrener, ja sogar bedrohlich mythologisch. Der Film drückt sich bewusst um klare Antworten: Träumen die? Halluzinieren sie? Ist das alles real oder geht hier eine tiefere, unheimliche Kraft um? Lovecraft-Fans dürfen sich freuen – das hier ist Lovecraft pur, aber ohne Tentakel-Overkill. Es geht um Wahnsinn, Einsamkeit, Schuld, Männlichkeitswahn und das unbarmherzige Meer.

Schauspielerisch ist das hier ein Brett. Willem Dafoe liefert wie immer ab, aber Robert Pattinson überrascht extrem. Der Typ geht komplett auf in seiner Rolle, dreckig, verzweifelt, gebrochen – das ist kein Twilight-Schönling mehr, sondern ein Mann auf der Kippe zur völligen Zerstörung.

Der Leuchtturm ist nichts für Mainstream-Kino-Fans. Der ist fordernd, manchmal schwer zu greifen, aber genau deshalb so stark. Ein Film, der lange nachwirkt – vorausgesetzt, man lässt sich drauf ein.


Für Fans von Psychodrama, Wahnsinn, Isolation und düsterer Symbolik ein absoluter Geheimtipp.

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