Super, da kommt man nachts um zwei nach Hause und verspürt noch Lust auf einen Film. Der sollte dann auch einigermaßen anspruchslos ( hier ausnahmsweise im positiven Sinn gemeint ) und zu dieser späten Stunde auch leicht zugänglich sein, um einen nicht vollends zu überfordern. Kein Problem, man hat ja ein Dutzend ungesehene Filme zu Hause rumstehen. Von denen erfüllte eigentlich, meiner verwirrten Meinung nach, nur einer die Vorgaben : Wonderful Days.
Das ging dann wohl kräftig nach hinten los. Leichte Unterhaltung ? Nein ! Schwere Kost ? Schon eher ! Gute Kost ? Auf jeden Fall ! Zumindest Letzteres war für mich eine mittelgroße Überraschung, da ich spontan nur sehr wenige koreanische Filme aufzählen kann, die mir gefallen haben ( Taegukgi, My Sassy Girl ). Diese kurze Liste wird jetzt um Wonderful Days erweitert. Wenn man den Film gesehen hat, steht man allerdings vor einer " weitreichenden " Entscheidung : Entweder man empfindet das Gesehene als oberflächlich und simpel, was ich auch gut verstehen kann, da ich selbst eigentlich ein verdammt extremer Drehbuchfanatiker bin und in den meisten Fällen am liebsten alles ausdiskutiert sehen möchte, oder man sieht es als bewußtes Stilmittel. In diesem speziellen Fall stehe ich schwer hinter Letzterem. Es paßt einfach alles.
Eine nicht näher erklärte Zukunft, ein totalitärer Staat. Dieser kontrolliert das Wetter; es regnet unablässig. Der Staat ist paradiesisch, das Umland wird ausgepresst. Menschen 1. Klasse im Staat, Menschen 2. Klasse außerhalb. Ein Ausgestoßener will endlich die Sonne hinter dem Regen sehen; er trifft auf eine Freundin aus alten Zeiten. Er ist von außerhalb, sie von innerhalb des Staates. Die Optik ist kühl, die Dialoge sind knapp und düster. Lange Einstellungen, untermalt von eindringlichen 2 - Akkord - Syntiepop - Klängen.
Ich hoffe schwer, daß diese Beschreibung ungefähr die distanzierte und " sperrige " Atmosphäre des Films wiedergibt, die mich so begeistert. Sollte man damit nichts anfangen können, dann bleiben immer noch die klasse Optik und die, zwar etwas seltsam choreografierte und soundtechnisch sehr....ähm....eigenwillige Action, die den Film auf jeden Fall sehenswert machen. Daß das Ganze nicht nur für Manga - Fans geeignet ist, zu denen ich auch nur halb gehöre, liegt dann komischerer ( oder logischerer ) Weise wieder genau an der relativ simpel gehaltenen Story, die wie bereits erwähnt weder zu ausführlich noch zu abgedreht ist. Was mich ( in meiner debilen und bonbonbunten Welt ;-) ) auch immer wieder irgendwie mit dem Film verbindet ist der klangvolle, unvergessliche Name. " Wonderful Days " hat irgendwie etwas von " Wind in den Weiden ". Soll heißen, daß man, wenn man vor der DVD steht man immer mal wieder leise "Wonderful Days " vor sich hin skandiert und sich an das ein oder andere im Film intensiver zurückerinnert. Nennen wir das mal Flair........Ich glaube jetzt versteht mich endgültig niemand mehr.
Trotzdem, auf jeden Fall anschauen um sich etwas deprimieren zu lassen. Da einem sowohl die Starmedia, als auch die Laser - Paradise - DVD zu Schleuderpreisen nachgeschmissen werden ( nur deshalb hab ich mir das Teil gekauft....O.k. ein bißchen Interesse am Manga war auch dabei ) ist hier definitiv nichts verloren.