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Wie es der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich bei diesem Thriller um das Aufgreifens der allseits bekannten Vorlage von Leroux's „Phantom der Oper", ein Werk, welches bereits unzählige Male verfilmt oder auf der Bühne präsentiert wurde und den meisten auch geläufig sein dürfte.

Der Film spielt auf einem alten stillgelegten Filmgelände, auf dem unzählige Kulissen aus alten Hollywoodtagen gelagert werden und teilweise der Verwitterung ausgesetzt sind. Das ungenutzte Objekt soll geräumt und an einen Investor verkauft werden. Nur wenige Angestellte trauen sich allein auf dieses Areal, geht doch die Mär von einem geheimnisvollen Maskenmann um, der sich dort versteckt hält. Doch diese Spukgeschichte klingt nicht glaubhaft, bis es die ersten Toten gibt. Seit einem Filmunfall ist der Shakespeare-Darsteller Karl Vonner allerdings spurlos verschwunden, sein Gesicht wurde durch eine Sprengladung verunstaltet und er floh aus dem Krankenhaus. Nur sein Bruder Otto weiß, dass er sich auf dem Gelände aufhält.

Das dieser Film fürs Fernsehen produziert wurde, kann man schon irgendwie spüren. Die Schauspieler sind allesamt recht unbekannt und agieren auch sehr schlicht in ihren Rollen, dazu passen dann auch die etwas steifen Dialoge. Auch sonst traut man sich eigentlich kaum, den Film als Thriller zu bezeichnen, denn das dafür benötigte Pulver wird bereits am Anfang verschossen, denn der Zuschauer weiß bereits nach fünf Minuten, dass es den mordenden Maskenmann gibt, vielleicht hätte man diesen Spannungsbogen etwas weiter nach hinten verlagern können.

Die Person des Karl Vonner bleibt bis zum Ende hin recht oberflächlich. Wenn man ihn in seinem Outfit - Ledermaske, langer Mantel und Morgenstern (!) - so sieht, fragt man sich schon, welch psychopathische Veranlagungen hier eigentlich schlummern. Die Erklärung, dass er als ehemaliger Schauspieler den Verkauf des Geländes nicht ertragen kann, ist etwas dürftig, ebenso seine daraus resultierende Mordwütigkeit, trifft's am Anfang doch nur ein paar harmlose Jugendliche, die auf dem Gelände aus Abenteuerlust herumstreiften. Das Filmgelände selbst ist als Kulisse allerdings hervorragend in Szene gesetzt worden, hätte gern gewusst, ob es dieses in Wirklichkeit auch so gibt, wäre bestimmt eine brauchbare Touristenattraktion. Schön anzusehen sind die Überblendungen von den verfallenen Bauten hin auf Filmszenen aus alten Hollywoodklassikern, ein wirklich tolles Stilmittel, was den Film ein wenig aus seiner Mittelmäßigkeit zu reißen vermag und ihn aufwertet.

Als die Bagger schließlich anrollen und der Abriss beginnt, ist eine Umkehr für Vonner längst zu spät, in seinem Versteck sieht er seinem Schicksal entgegen, völlig entfremdet zitiert er lauthals Shakespeare und stirbt als einsamer Mann. Auch wenn sich Mitleid und Verständnis beim Betrachter in Grenzen halten, ist das Ende vielleicht dennoch ein Mahnendes: Den Abriss könnte man auch als Sinnbild des Untergangs einer glanzvollen Hollywoodära deuten, große Kulissen werden heute sowieso eher am Computer entworfen, also auf den Müll damit. Ob der Film in seiner Schlichtheit diese Botschaft übermitteln wollte, weiß ich allerdings nicht.

Fazit: Als Thriller ziemlich unbeholfen gefilmt und auch als Horrorfilm extrem unblutig trotz beeindruckendem Mordinstrument. Die vielen Hintergrundkulissen sind aber durchaus einen Blick wert und regen vielleicht auch zum Filmeraten an, schaut ruhig mal rein (läuft allerdings selten im TV).

6,5 Punkte

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