Da ist er also, der kontroverseste Film des Jahres, welcher nicht von diesem Jahr ist. Diese Definition aus den falschen Gründen, vermutlich aber durch die „richtigen“ Leute. Es wird eine Review der Anführungszeichen. Die lange Verzögerung wurde als Promotion-Werkzeug benutzt, um dem Werk eine Ächtung des medialen Mainstreams aufgrund seiner Sprengstoff-Wirkung zu bescheinigen. Marketing? Kann sein, aber die Release-Tortour ist bei vorliegender passabler technischer Qualität schon sehr seltsam, denn hier liegt weder ein C-Movie noch potenzielles Kassengift vor. Sei es wie es sei, Release erfolgt und einige Ärsche getreten. Wenn auch vielleicht nicht die, die im Film anvisiert werden, aber wenigstens die einer bevormundenden Filmindustrie, nicht objektiver Möchtegern-Kritiker und generell der scheinheiligen Medienwelt.
Am besten fokussiert man bei einer neutralen Betrachtung gleich auf die Angriffspunkte.
"Caviezel spielt schlecht." Caviezel weicht auch diesmal nicht von gehabtem Acting ab. Kann man mögen oder nicht, aber er war schon in einigen ansprechenden Filmen zu sehen und hat stets performt. Die gewisse Herzblut-Note, welche er in Interviews betont, ist meines Erachtens zweifelsfrei erkennbar.
"SOF ist ein Qanon-Film, ist ein rechter Film, ist ein ultra-konservativer Film, ein Produkt christlicher Hardliner". Man differenziere bitte, wer einen Film mit welcher Intention und mittels welcher Personen fertigt, und welche Kreise das fertige Produkt in Folge in ihrem Sinne instrumentalisieren. Bei welchem anderen Film wird so sehr im Hintergrund gebohrt, versucht möglichst viele faule Eier zu finden. Das ist einer der ganz schlimmen Gerüche, der unsere Zeit prägt, einer der immer gleich über als unpopulär erklärtem Inhalt weht, einer der schön öfters in mal im Laufe der Geschichte die Luft verpestet hat. Wer auch immer den Film sieht und berührt ist, hat noch ein Herz, wer auch immer an ihm gewirkt hat, ist in dieser Angelegenheit auf der richtigen Seite.
„Gottes Kinder stehen nicht zum Verkauf.“ Wirklich ein Zitat, über das man sich dermaßen auskotzen muss? Ich denk nicht, nicht mal im Ansatz.
"Tim Ballard ist ein Blender, eine Stufe vorm Betrüger." Ein gewisses Standing und achtbare Leistungen im Sinn der Sache sind nachweislich und zwingend anzuerkennen, zumindest wenn man auf der richtigen Seite steht. Der Rest, es ist ein Film, basierend auf einer Story, basierend. Das einer oder andere schmückt gegebenenfalls aus, dichtet um, spekuliert, passt an, wie auch immer. Das ändert nichts an der Sache, genau das Gezeigte ist irgendwo da draußen Realität. Unzählige verschwundene Kinder, ständig auftauchende widerliche Produkte dieser Personenkreise, viel zu selten Zerstörung solcher Strukturen, und wenn jene doch passiert, immer in Verbindung mit dem Aufdröseln erschreckender Netzwerke innerhalb aller denkbaren sozialen Schichten. Wer hier irgendetwas als Lüge oder ähnlich bezeichnet, ist nicht bei Verstand oder hat gerade ein mulmiges Gefühl. Der Tim Ballard innerhalb der zwei Stunden ist jedenfalls die Definition eines Helden.
Zum Film, und damit der Essenz, dem einzigen was eine Rolle spielen sollte: Ein wirklich bedrückender Anfang, bekannte Dinge, aber dennoch ein visualisierter Schlag in die Magengrube. Der Hauptteil ist weniger emotional, dokumentiert verdeckte Polizeiarbeit. Von einem Thriller würde ich gar nicht unbedingt sprechen, dafür fehlt es insgesamt an Spannung. Auch wenn im Finale nochmal welche aufkommt, würde ich in der Summe eher von einem Drama als Genre-Einordnung sprechen, was für derartigen Stoff auch angemessen ist.
Die Schauspieler liefern durchweg ab, alle hinter der Kamera machen ebenfalls einen guten Job. Das Wort "solide" als Gradmesser. Definitiv kein cineastisches Meisterwerk, dafür viel zu "normal" und wenn eher aufgrund der aufwühlenden Hintergründe in Erinnerung bleibend. Aber trotzdem ein wichtiger Film.