Buena Vista Pedo Club
Schweres Thema. Schwere Filmbewertung… Und irgendwie war mir das klar. Und vielleicht habe ich deswegen diesen (vor allem in Übersee) Überraschungskinohit von vor zwei Jahren bisher aufgeschoben. Weil ich damals gerade Vater geworden war. Und weil dieses Teil auf den ersten Blick allein wegen seinem Thema schwer schlimm zu finden ist - und dennoch unheimlich viel schief läuft hier. Aber eins nach dem anderen… „Sound of Freedom“ erzählt die (halbwegs wahre) Geschichte von Tim Ballard, der nach Jahren in einer Homeland Spezialeinheit gegen Kinderhandel und -Missbrauch nach Südamerika aufbricht, um dort mehr oder weniger auf eigene Faust tatkräftiger etwas gegen Pedos und Kinderhändlerringe zu tun…
Catch Them If You Can
„Sound of Freedom“ ist einer der zweischneidigsten Thriller, die ich seit langem unter der Lupe hatte. Einerseits handwerklich solide gemacht, andererseits stilistisch und erzählerisch maximal monoton - und das über zwei auslaugende Stunden! Einerseits ein enorm düsteres und wichtiges Thema, andererseits hätte genau dieses mehr Fingerspitzengefühl und einen besseren Film verdient (vielleicht von Villeneuve in „Sicario“-, „Incendies“- oder „Prisoners“-Nähe?). Einerseits sind ein paar Musikstücke und Szenen packend und emotional, anderseits ist das alles so prätentiös, grau und eintönig, dass es einem fast jegliche Kraft und Hoffnung raubt - was bei dem Thema aber ja auch Sinn und Zweck sein kann. Einerseits sprechen Caviezels Augen traurige Bände, andererseits verschmelzen alle Performances zu einer eindimensionalen Pampe. Mal meint der Film, er sei mächtig wie „Schindlers Liste“, mal wirkt er aber eher wie ein Lifetime-Filmchen aus'm Grabbeltisch bei Walmart. Einerseits ist es super, dass der Film vieles unserer Fantasie überlässt, andererseits fehlt es aber auch arg an Highlights und wirklich aufrüttelnden Schockmomenten. Einerseits ist die Atmosphäre beabsichtigt bedrückend, andererseits wirkt diese Schwere schnell gekünstelt, aufgeblasen, ermüdend und gestellt. Einerseits spricht der Film die Wahrheit, andererseits lügt er sich einen ins Fäustchen und schockiert mit Pedo-Abziehbilchen-Charakteren. Einerseits spürt man die christlichen „Angel Studios“ nicht an jeder Ecke, andererseits wenn man genauer hinhört irgendwie doch. Und bei all dem habe ich „kleinere“ Skandälchen, G'schmäckle und Hubbel im Komplettkosmos „Sound of Freedom“ noch gar nicht benannt - rechte Schwurbler und QAnon im Hintergrund, die „PayForward“-Kampagne und etliche Beschönigungen bis Lügen samt zwielichtiger, scheinheiliger Personen (ja, auch Ballard selbst!) im Gesamtbild. Fertig ist ein eigentlich harmloser Mainstreamkrimi, der mich aus etlichen (auch falschen!) Gründen viel zerrissener hinterlässt als er es eigentlich sollte, dessen Hintergründe viel interessanter und verrückter sind als er selbst…
Jesus und der Retter der verschleppten Kinder
Fazit: die Zustände, Kerne und Wahrheiten hier sind mächtig, bitter und können einen kaum kalt lassen. Die filmische Umsetzung ist (noch nett gesagt!) hochgradiger Magerquark. Zwei Seiten einer ungnädigen Medaille. Trägt dicker auf als die Schminke der Kinder, darf das im Grunde aber auch und behandelt ein Thema, das unbedingt mehr in die Öffentlichkeit und von der gesamten Welt angegangen werden muss, das es eigentlich nicht geben dürfte. Und trotzdem hat man irgendwie das Gefühl, dass das - egal wie oft es vorgeschoben wird, sogar nochmal in einer unheimlich peinlichen Message im Abspann! - nicht wirklich das Hauptanliegen des ernüchternden Films ist… Eher das Geldmachen und die Lobpreisung von Leuten, die es in echt scheinbar nicht wirklich verdient haben…