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Wenn ein Horrorthriller mit dem Klassiker der gejagten Frau im Wald einsteigt, folgt oftmals das lieblose Abspulen von Genreklischees. Das verhält sich beim Regiedebüt des Australiers Tony D'Aquino kaum anders, wobei ihm einige derbe Gewalteinlagen durchaus zugute kommen.

Am Ende des Streits mit ihrer besten Freundin sieht Kayla (Airlie Dodds) noch, wie diese von einem Fremden überwältigt wird. Wenig später erwacht sie in einer Kiste im Wald und sieht sich mit einigen anderen jungen Damen maskierten Schlächtern gegenüber, die keine halben Sachen bevorzugen…

Wobei, manchmal schon, denn die Splatteraxt wird einige Male recht ordentlich geschwungen.
Leider wird das Mitfiebern durch die schwachen, bis gar nicht vorhandenen Figurenzeichnungen geschmälert. Kayla leidet unter regelmäßigen, epileptischen Schüben und ist während dieser Dauer wie gelähmt, was sie an anderer Stelle jedoch nicht davon abhält, einige auffallend irrationale Entscheidungen zu treffen. Andere Fluchtdamen erhalten noch weniger Profil und landen dadurch auf der profillosen Stufe der Killer, die hinter den unterschiedlichen Masken lediglich grummeln und grunzen. Allerdings wundert man sich irgendwann, warum zwei Maskierte sich gegenseitig attackieren, was kurz darauf auf halbwegs plausible Weise erklärt wird.

Die Kulisse des austauschbaren Waldes zählt nicht unbedingt zu den Highlights des prinzipiell temporeichen Treibens. Zwar wurde im Gebiet einer ehemaligen Goldmine gedreht, doch allzu markant ist das Gelände nicht. Folgerichtig ist nach geraumer Zeit eine gewisse Redundanz auszumachen, da sich Abläufe wie Flucht, Verschanzen, Weglaufen oder vage Gegenwehr wiederholen, während die Klärung der Hintergründe etwas spät erfolgt und kleinere Fragen offen lässt.

Derweil wird in regelmäßigen Abständen gesplattert, was bis auf eine Ausnahme per Handarbeit sauber in Szene gesetzt wurde. Mit einer sehr scharfen Axt lässt sich offenbar problemlos eine Gesichtsfront abziehen, eine andere landet im Rücken. Ein Löffel eignet sich durchaus zur Entfernung eines Augapfels, während Unterarme durch reine Muskelkraft des Angreifers abgerissen werden. Die immer noch scharfe Axt vermag sogar einen Kopf zu spalten und für einen Kehlenschnitt bleibt auch noch Zeit.

Der unterm Strich nicht sonderlich kreative Überlebenskampf wird von allenfalls passablen Darstellerleistungen begleitet, - knapp die Hälfte performt ohnehin maskiert. Der Score unterstreicht indes treffend den düsteren Grundton und kommt immerhin mit zwei halbwegs markanten Themen daher, während das Debüt insgesamt handwerklich unauffällig bleibt und sich keine gröberen Schnitzer erlaubt.

Die Mischung aus Menschenjagd und Slasher (meistens sind die Grenzen ohnehin fließend) bringt zwar nur eine Handvoll spannender Einlagen hervor, dafür stimmen Tempo und Goregehalt. Gegen Ende hätte man in Sachen Twist noch etwas nachlegen können, da der Auflösung einige Lücken anhaften, wodurch anderweitig eine Fortsetzung möglich wäre.
So bleibt es ein austauschbarer Happen für Zwischendurch, der letztlich nur durch seine Härten gewinnt.
Knapp
6 von 10

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