Seitdem die Titelfigur von „Graf Zaroff“ dereinst zum „Most Dangerous Game“ aufrief, finden sich immer mal wieder Menschenjagdfilme im Action-, aber auch im Thriller- und Horrorkino. Letztere Sparte etwa wird von „The Furies“ vertreten.
Die Eingangssequenz bietet einen Vorgeschmack, wenn eine Frau vor maskierten Männern flieht, die jedoch nicht nur Jagd auf sie machen, sondern sich offensichtlich auch gegenseitig ans Leder wollen. Der Vorspann legt nahe, dass das sadistische Spielchen für zahlenden Kunden im Internet übertragen wird, wobei die nicht gerade auf dem neuesten Stand der Technik animierten Credits einer der wenigen Versuche sind das Außen der Menschenjagd darzustellen, da ansonsten da kaum Budget oder gestalterischer Wille dafür da war.
Anschließend lernt man ultrakurz Hauptfigur Kayla (Airlie Dodds) kennen. Gerade noch hat diese sich mit ihrer besten Freundin Maddie (Ebony Vagulans) gestritten, da diese sie für zu unselbstständig und mutlos hält, schon werden die beiden Mädels von Unbekannten betäubt. Nach nebulösen Erinnerungen an einen OP-Saal wacht Kayla allein in einer Kiste im Wald auf. Ironischerweise treffen in der Folgezeit so gut wie alle Charakterisierungen aus ihrer Vorstellung nicht auf das patente potentielle Final Girl zu. Nur ihre Epilepsie, die bleibt plotrelevant, kommt und geht aber so, wie es dem Drehbuch gerade beliebt.
Jedenfalls trifft Maddie im Wald bald weitere junge Frauen, die in der gleichen Lage sind wie sie und sie davor warnen allzu viel Lärm zu machen. Denn die maskierten Jäger sind mit Äxten und anderen Waffen im Busch unterwegs und suchen ihre Opfer…
Als Menschenjagdfilm mit Slashereinschlag hat „The Furies“ eine richtig gute Idee, die Richtung Halbzeitmarke kommt und die Regeln des Spiels genauer erklärt. Damit erhält der Film einen interessanten Turn, der auch das Misstrauen unter den Gejagten steigert. Dummerweise ist Regisseur und Drehbuchautor Tony D’Aquino sonst wenig eingefallen. Über die Jäger erfährt man nichts, auch wenn man stark vermuten kann, dass diese ebenfalls nicht freiwillig an dem Spiel teilnehmen und von den Hintermännern durch Operationen verunstaltet wurden. Besagte Strippenzieher sind bis auf die drangepappte Schlusssequenz, die auf ein eventuelles Sequel hindeuten soll, auch bloß eine Chiffre, die Zuschauer erst gar nicht präsent. Ist aber vielleicht auch besser so, denn immer wenn „The Furies“ durch Bildschirmpräsentationen oder Computergraphiken Einblicke in das Drumherum bieten will, zeigen sich die Budgetlimitierungen des Treibens nur sehr deutlich.
Also spielt man vornehmlich Hasch-Mich im Wald und zwei Holzhütten, das spart weiterhin Kohle, die man dann für ein paar saftige Schmaddereffekte übrig hat. Angesichts von einer Axt im Schädel, einer Machete im Hals und einem Bohrer im Bauch kann die Gore-Fraktion zwischenzeitlich jubeln, doch dummerweise ist das Figureninventar extrem egal. Kayla steht von Anfang an als Final Girl fest, Maddie als Kayla-Motivation darf eh erst gegen Ende wieder auftauchen, zwei Gejagte sind schnell hinüber, eine weitere entpuppt sich schnell als blöde Planschkuh und die letzte im Bunde ist eine emotional (und vielleicht auch geistig) entwicklungsverzögerte Kindfrau, mit der kaum Sympathie aufkommen will. So bleiben Airlie Dodds und Linda Ngo auch die einzigen nennenswerten Darstellerinnen, die ihre Rollen okay, aber alles andere als weltbewegend ausfüllen.
Mit der Logik ist bei dem Ganzen auch nicht so weit her. Früh stellt Kayla fest, dass die Hintermänner-Sadisten den Jägern und Gejagten Kameras an den Sehnerv gepflanzt haben, wobei sie dank ihrer Epilepsie teilweise die Übertragung sehen kann. Noch dazu immer die von der Person, die gerade dramaturgisch passt, es ist ein biotechnisches Wunder. Die Hintermänner sind erfreulicherweise auch so doof, dass sie jede Person für tot halten, deren Kamera ausfällt, auch wenn es eigentlich gerade keinen plausiblen Grund für deren Ableben gibt. Aber wie gesagt: Das Drumherum ist sowieso nur nebulös und schwammig ausformuliert, lässt auf eine größere, interessantere Geschichte hoffen, die man aber (zumindest in diesem Film) nicht bekommt.
Sonst bleibt also die Hatz im Wald, die angesichts der uninteressanten Figuren aber minder spannend wirkt. Die Jäger mit ihren Masken sind stark designt und gelegentlich kommt zumindest oberflächlicher Nervenkitzel auf, etwa wenn ein Jäger ein Frauentrio in einer Hütte belagert. Zu den memorableren Szenen gehören auch jene Momente, in denen „The Furies“ ein paar alles andere als neue, aber doch starke Thesen zum Überlebenswillen in Extremsituationen aufstellt. Dummerweise muss man dafür sehr viele nichtssagende Dialoge, in denen sich die Gejagten angiften oder gegenseitig das Offensichtliche vorkauen ertragen, sodass „The Furies“ so einige Hänger hat.
So bleibt ein Film, der einiges Potential offenbart, nur um es direkt wieder zu verschenken, gerade wenn „The Furies“ der Menschenjagdformel einen neuen Spin gibt, diesen aber nie weiter ausbaut und sowohl Jäger als auch Hintermänner null charakterisiert. Ein paar coole Masken, ein paar Gore-Effekte und etwas Oberflächenspannung machen dann auch keiner Sommer mehr, angesichts egaler Figuren, vieler Durchhänger und kaum vorhandenem Spannungsbogen.