Review
von Leimbacher-Mario
Wünschelroute
Ein mysteriöser Raum in deinem neuen Haus, der dir alle materiellen Wünsche erfüllt, die dir einfallen bzw. die du aussprichst. Von Millionen Dollarscheinen über die teuersten Gemälde aller Zeiten bis hin zu... einem Baby?! Das ist die Ausgangsposition in „The Room“, die recht zügig abgehandelt und eingeführt wird, innerhalb des Horrorthrillers auch nicht ganz so seltsam und unglaubwürdig erscheint, wie auf dem Papier. Aber natürlich hat die Sache auch einige Haken und spätestens als der Raum dem Protagonistenpärchen das lang erwünschte Baby beschert, offenbart dieser auch seine Schwachstellen und Schattenseiten...
„The Room“ (nicht zu verwechseln mit dem Tommy Wiseau-Kultfilm mit gleichem Titel) hat eine tolle Grundidee, die einige Gedanken Richtung Materialismus und Glück deutlich anstößt und streift. Das hätte in konzentrierter Form auch locker ein „Twilight Zone“-Konzept sein können. Inklusive einem endlich Fahrt aufnehmenden finalen Drittel und bösen letzten Momenten. Nur leider versagt der Film bei seiner Verbindung zu den beiden Protagonisten, den unfassbar oberflächlichen und einfallslosen Eltern, nahezu völlig. Das mag Teil des Konzepts und seiner Aussagen sein - doch es hilft einfach nicht in Sachen Spannungsaufbau, Identifikation, Nachvollziehbarkeit und Neugier. Deshalb fällt auch der durchaus emotionale Aspekt bei mir ziemlich flach und ich war mehr am Konzept und dem Ausgang der Misere interessiert anstatt den Figuren und dem Weg dorthin. Aber in dieser Beziehung mag es jedem anders gehen. Insgesamt reicht das für kurzweilige Unterhaltung und interessante Denkansätze locker - doch im Grunde ist das alles nicht nur schon etliche Male in abgewandelter Form da gewesen, es hat auch lange Zeit viel zu wenig Biss und Boshaftigkeit, Kreativität und Kurven, um wirklich sagen zu wollen: „Holla die Waldfee!“.
Fazit: fantastisches Konzept, durchwachsene Umsetzung, erstaunlich unsympathische Figuren - „The Room“ unterhält oberflächlich gut, obwohl sein ambivalentes, gesellschaftskritisches Thema noch unendlich viel mehr hergegeben hätte. Dennoch: mysteriös-gruselige Kost aus der ziemlich zwielichtigen Zone.