Hai Phuongs Vergangenheit vertrieb sie aus der Großstadt, auf dem Land zieht sie ihre Tochter Mai groß. Das Leben als Eintreiberin ist kein einfaches, Konflikte lauern überall. Als dann Mai am helllichten Tag entführt wird, macht sich Hai Phuong auf den Weg zu ihr. Aufhalten lässt sie sich dabei nicht.
Nicht nur die Vergangenheit ist nicht rosig, generell ist das Umfeld, in dem sich die Hauptfigur bewegt, eher unfreundlich. Die Lebenssituation, in der sich die Mutter befindet, wird in dem von Lê Văn Kiệt inszenierten Film umrissen, die Charaktere vorgestellt und es dauert dann auch nicht allzu lange, bis das auslösende Ereignis über die Leinwand flimmert.
Kindesentführung und Organhandel, kein leichter Stoff. Und bleibt der Film auch meist humorlos, hier dient dieses durchaus ernstzunehmende Problem letztlich nur als Aufhänger für die Jagd von Hai Phuong durch die ländliche Gegend bis hin nach Saigon, wo sie auch mit Auswirkungen ihrer kriminellen Vergangenheit konfrontiert wird. Tiefgreifendes Drama ist das nie, driftet auch mal ins Pathos ab, trotzdem nutzt man diese Anknüpfungspunkte der Figur. In kurzen Rückblenden bekommt sie noch etwas Profil, letztlich ordnet sich aber alles dem Vorankommen auf der Suche nach der Tochter unter. Das ist ok, "Furie" hat seine Stärken nicht im zwischenmenschlichen Teil.
Diese sucht man eher in den Actionsequenzen. Zwar holt man einiges aus dem Budget raus und bietet manch gut inszenierte Prügelei, nicht frei von Härten. Diese wiederum leiden aber unter optischen Spielereien, die einen künstlichen Look erzeugen und auf die Dauer ankeksen können.
Trotzdem, die Fights sind im Gros gelungen und Veronica Ngo macht als one woman army einen guten Job. Vor allem bleibt sie glaubhaft in der Rolle, ist keine Überheldin und muss auch ordentlich einstecken. Die Unbeirrbarkeit, mit der sie ihr Ziel verfolgt, wirkt dabei immer nachvollziehbar. Überhaupt regeln hier die Damen überwiegend den Kram, die Herren der Schöpfung sind mit wenigen Ausnahmen Schurken, Handlanger oder Deppen.
Der Cast geht in Ordnung, es geht ziemlich geradeaus voran, mit großen Umwegen oder aufgesetzten Subplots hält man sich nicht auf. Einfach ein knackiger, mit flottem Nahkampf ausgestatter kleiner Reißer, der in seinem Heimatland Vietnam ein ziemlicher Hit war. Die Geschichte ist Mittel zum Zweck, hat man schon mal gesehen, der Soundtrack trägt stellenweise dick auf, die Optik in den Actionszenen kann nerven. Und trotzdem macht es genug Laune, die Furie Hai Phuong auf ihrer Mission zu begleiten.