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Auch wenn man sich vielleicht von der Ausgangsidee her an den Vorgaben eines Red Heat hält, geht man bei der Ausführung in aller Selbstständigkeit eigene Wege, in der anregenden Kreuzung produktspezifischer Eigenschaften mit einem allgemeinpolitischen und somit auch umfassend gesellschaftlichen Kontext.

Her Fatal Ways, der Startschuss einer drei Fortsetzungen und dem Widerspiel His Fatal Ways umfassenden Reihe, als individueller Entwicklungs- und Selbstfindungsprozeß in optimistischer Stimme, der im Gewand einer Actionkomödie mit fish out of water und buddy picture Konsens seine eigentliche delikate Thematik ganz ungeniert an den Mann bringt. Nie neuralgisch oder gar subversiv, sondern in diesem Fall mit versöhnlichen Aussagen abseits falscher Sentimentalität oder Romantik wird die Zusammenarbeit zwischen Polizisten von Hongkong und China als Beginn eines eventuell funktionierenden Mikrokosmos gezeichnet und als Wunsch und Hoffnung für den späteren Makrokosmos übertragen. Die bereits unabdingbar in Aussicht gestellte Übergabe der noch britischen Kronkolonie an Mutter China und die somit feststehende Abwandlung zu einer Sonderverwaltungszone schwingt im Denken und Handeln der Personen ebenso immer mit wie auch die von Natur aus gegebenen Unterschiede von Mann und Frau und Berufs- und Privatleben die gleichfalls entscheidende Rolle spielen:

Security Officer Cheng Shih-nan [ Carol Cheng ] aus Sichuan soll zusammen mit ihren Verwandten und Kollegen Hsiao-sheng [ Alfed Cheung ] den in Yunan festgenommenen Drogenkurier Niu [ Michael Chow ] nach HK bringen. Nicht gerade begeistert von durch seinen Vorgesetzten Superintendent Mo [ Lam Chung ] mit der Übergabe des Gefangenen beauftragten Aufgabe nimmt Inspector Wu Wei-kuo [ Tony Leung Ka-Fai ] gemeinsam mit seinen Partnern Mao [ Emotion Cheung ] und Chen Fu-sheng [ Goo Ming-Wa ] die Begegnung mit der ausländischen Abgesandtschaft auf. Erste Verständigungsschwierigkeiten in Bezug auf weiteres Vorgehen und den Methoden der Durchführung der theoretisch nur kurzen Zusammenarbeit werden noch gesteigert, als Niu dem Gewahrsam entfliehen kann und auf Cheng ein Attentat verübt wird. Während Inspector Wu die beiden Zugereisten notgedrungen in sein Heim und damit auch zu seinem den Idealen des Revolutionären Komitees der Kuomintang zugehörig fühlenden Vater Wu Tien-tzu [ Lam Kau ] beherbigt, zentralisieren sich die spinösen Ermittlungen neben der Fahndung auf den die Fäden des Drogenhandels ziehenden Geschäftsmann Su Kuo-jung [ Sunny Fang Kang ].

Die Akteinteilung gegliedert in der oberflächlichen Jagd zweier Gesetzeshüter nach einem gemeinsamen Feind als Spielbewegung. Mit dem Zwischenbericht einer noch heilen Welt, die das Verlangen auf die Fortführung dieser bei aller Konzentration doch einvernehmlichen Gesamtheit im Bündnis hat. Mit nicht zu scharf geschnitten, aber einprägsamen Karikaturen voll stolz-unkritischer Liebe oder gar vor stumpfen Gehorsam blinder Lobhudelei als Markierung.

Was als nur unmerklich vor der Offenheit kaschierter Schlagabtausch beginnt wird in den Konturen von Handlungs- und Spannungsbogen über ein baldigen Wettbewerb beider Elemente und Systeme zu einem Miteinander trotz kultureller Gegensätze geführt. Die Erlebnisstruktur, die erst in einer Parallelmontage mit jeweiligen Absenz einer Partei beginnt, wandert mit fortschreitender Dauer zu einer simultanen und absehbar auch solidarischen Präsenz der proklamierten Konkurrenten über. Im Kern des Geschehens steht dabei die Festlandchinesin mit ihrem radikal empfundenen Weltgefühl, eine bodenständige Frau mit Pflicht und Treu, die ihren Beruf wie eine Berufung für das Land sieht und gleichsam ernst, aber die eigene Persönlichkeit einschränkend agiert. Mit jeweilig eingesetztem Bedacht, Bestimmtheit und dem Rückgriff auf gelernte Abläufe wird gerade diese Figur der Ein- und Durchreisenden dem Publikum näher an das Herz gebracht, wobei sie in der praktischen Illusion einer Alltagswirklichkeit auch die meiste Entwicklung vollziehen darf. Während ihr Gegenpart Wu reichlich unpolitisch und eher unproblematisch handfertig als geschliffen auch im Kontakt mit ihm fremden Menschen eingestellt ist, muss sie als subjektiver Ordnungshüter im Sinne des kommunistischen Manifestes und auch als Frau erst auftauen, um auch von ihrer Warte aus die bislang frostigen Beziehungen zu durchwärmen. Prekäre Momente, die in einer umgekehrten Emanzipationsgeschichte während dem einmaligen Aufzeigen von Schwäche aufgrund eines Klaustrophobieanfalls und einer angedeuteten, aber nur in Aussicht gestellten und dort geschickterweise auch belassenen Romanze gelöst werden. Während Cheng sich ansonsten burschikos über die Umstände wundern, lauthals lästern, schmettern und im Führungsanspruch nach dem Einmarsch der Roten Armee rufen darf, ist Wu deswegen auch nur der nüchtern unvoreingenommene Stichwortgeber für die zuweilen erstaunlich sicheren Wortspiele in aller Schlagfertigkeit, der addrett geschniegelte Türöffner für spontane Ironie und getreu seiner Funktion der souveräne Reiseführer für die sachbezogene Projektionsfläche des Polizeikrimis.

Denn obwohl das rein fiktionale Geschehen um das Wiederaufgreifen des Handlangers und Dingfestmachens des wortführenden Straftäters keinerlei neuen Wege in der Dramaturgie vollzieht und das Finale mit einem Gefecht im Lagerhaus sogar als schon stilisiertes Ritual gehalten ist, gelingt dem Werk auch innerhalb traditionsgemäßer Szenen die konventionelle Form zumindest selbstbewusst zu meistern. Die wenigen Actionszenen durch Chin Kar-lok nutzen ihr wohl vom Politbüro kontingentiertes Potential überaus solide aus, und formulieren trotz ihrer quantitativen Plansoll-Verlegenheit gar manche willkommene Akzente; herausstechend als Höhepunkt eine knappe Schießerei inmitten der rush hour auf vollbesetzter Hauptstraße und anschließend gleich der angespannte Kontrast eines standoffs im umso engerem Hausflur.

Dass die soziokulturellen Hintergründe im Zusammenwirken von Staatskunst in der Unterhaltung und Staatskunst als Unterhaltung nicht zu aufdringlich in Szene gesetzt, sondern ebenso wie in der Realität verdichtete Ängste und Komplexe mit einer angenehm zurückhaltenden Betrachtung in Augenschein genommen werden, liegt eindeutig an der taktvoll eingerichteten Regie Alfred Cheungs. Abseits dieser nunmehr ja zurückliegenden politischen Komponente und dafür hinsichtlich der menschlichen und auch im Inszenatorischen relativ zeitlos gehalten, da ohne die Restaurierungsspuren noch der Achtziger Jahre versehen gelingt es Cheung kollegial im Team, seine Botschaften mitsamt bescheidenen Lösungsansätzen komplexitätsreduzierend mit untrüglichem Instinkt, Umsicht und Routine statt mit einem wegfegenden Aufschrei unter die Zuschauer zu bringen. Dabei verteilt der Film seine Sympathie demokratisch auf die Charaktere, kennt mehr als nur eine These und gestattet Jedem der Parteien sowohl seinen Anteil an Identität, Rhetorik, einer Theatralisierung dessen als auch eine Portion friedfertiger Sinnlosigkeit zu, ohne sich in Situationen, in denen das Vorurteil verführerisch, aber nicht unbedingt richtig ist, automatisch lächerlich über zu wunderliche bis absurde Eigenarten aller Beteiligten zu machen.

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