Eine bizarre Mordserie hält den Polizisten Michael (Tomas Arana) in Atem. Dem ersten Opfer wird, nachdem es von einem Unbekannten (François Montagut) brutal erstochen wurde, ein Ohr entfernt. Besagtes Ohr taucht kurz darauf im Kühlschrank von Tracy (Joanna Pacula), einer allein lebenden Witwe, wieder auf. Es scheint, als habe sie einen durchgeknallten Fan, der mit ihrem verunglückten Mann Abe (dessen Leiche kurz zuvor ausgebuddelt wurde) in Verbindung steht. Wenig später wird einer Frau im WC eines Kaufhauses die Hand abgehackt und das Herz herausgeschnitten, wobei die abgetrennte Hand später an Tracys Tür baumelnd wieder auftaucht. Schließlich entdeckt die Polizei die Verbindung zwischen den Opfern und setzt alles daran, den mysteriösen Killer zu stellen, bevor weitere Tote zu beklagen sind.
Anfang der 1990er Jahre pfiff die einst so blühende italienische Filmindustrie bereits aus dem vorletzten Loch. Während bis in die frühen 1980er Jahre so viele Horrorstreifen und Thriller produziert wurden, daß man mit dem Anschauen kaum nachkam, so mußte man nur wenige Jahre später froh sein, wenn wenigstens ab und zu ein Genrefilm das Licht der Welt erblickte. Und wenn sich der Film auch noch als halbwegs gelungen herausstellte, dann war man schon einigermaßen zufrieden. Lamberto Bavas Body Puzzle fällt in diese Kategorie. Der Giallo vom Sohn des großen Mario Bava ist an und für sich kein großer Wurf, aber die ausgehungerten Fans italienischer Genrefilme, mich eingeschlossen, hießen den Streifen dennoch herzlich Willkommen. Nüchtern betrachtet gibt es einiges zu kritisieren: Joanna Pacula ist eine sehr schöne Frau, eine begnadete Schauspielerin ist sie nicht. Die Kameraarbeit von Luigi Kuveiller und der Score von Carlo Maria Cordio erfüllen gerade noch ihren Zweck, bleiben aber weit hinter dem Genrestandard zurück. Überhaupt mangelt es dem Film vor allem an Stil und Dynamik, er wirkt beizeiten wie eine durchschnittliche TV-Produktion. Bavas Regie ist professionell, doch Erinnerungen an frühere und bessere Arbeiten des Regisseurs (A Blade in the Dark, Delirium) kommen nur selten auf. Die Mordsequenzen sind ansprechend aber relativ unblutig und wenig aufregend in Szene gesetzt; am besten ist die Szene gelungen, in der eine Lehrerin vor ihren blinden Schülern getötet wird. Etwas ungewöhnlich aber nichtsdestotrotz wirkungsvoll ist der Einsatz des klassischen Musikstücks Night on Bare Mountain von Modest Mussorgsky, wenn der Killer am Werk ist (dasselbe Stück fand übrigens auch bei Tromas The Toxic Avenger Verwendung!). Cameo-Auftritte von Giovanni Lombardo Radice, Erika Blanc und Gianni Garko sowie eine twistreiche Auflösung runden diesen wenig bemerkenswerten aber doch irgendwie sympathischen Giallo ab.