Review

Giallozug verpasst… 

Er wird wohl immer im Schatten seines legendären Vaters stehen - aber auch Lamberto Bava hat bei mir ein paar Steine im Brett. Mit „Demoni“ hat er einen meiner liebsten und spaßigsten Horrorfilme überhaupt gedreht, für seinen Anteil an „Prinzessin Fantaghiro“ dankt ihm mein frühpubertäres Ich fast noch mehr - was war ich von Alessandra Martínez fasziniert! Doch ansonsten hat Lamberto natürlich eher weniger zu seinem prestigeträchtigen Nachnamen beigetragen. Was mich nicht davon abhält seine Filmographie nach und nach zu durchstöbern und diese These vielleicht etwas zu entkräften. Zumindest für meinen persönlichen Geschmack. Mit „Body Puzzle“ folgte er Anfang der 90er den damals schon längst vergilbten Spuren des Giallo, ähnlich wie sich Fulci oder Argento zu dieser Zeit über Wasser hielten, etwa mit „Stendhal Syndrom“. Die ersten Spuren, dass Hollywood dem Serienkillerthriller mit blutrünstigeren Zähnen ausstatten sollte gab's auch schon. Und somit waren für „Body Puzzle“ genügend Weichen gestellt, in dem ein Polizist den verstreuten Leichen(teilen) folgt, die ein scheinbar traumatisierter Serienmörder in der italienischen Gegend verteilt und die immer wieder im Kühlschrank einer schönen Dame landen…

… wenig Geld verprasst… 

Man muss am besten dem Giallo, dem Slasher, dem italienischen Bahnhofskino, dem Krimi und dem Thriller zeitgleich sehr zugetan sein, um „Body Puzzle“ gut zu finden. Alle anderen finden wahrscheinlich sogar genug für einen Verriss. Wer mit diesen Subgenre(un)arten kaum etwas anfangen kann oder sich sogar ganz streng und verklemmt für einen „seriösen Filmfan oder -Kritiker“ hält, der wird in diesem blutig-banalen Menschenpuzzle sicher keinen Qualitätsstandard erfüllt sehen. Aber wer will schon so ein Langweiler sein? Warum sollte man dem Review einer solchen Person der falschen Zielgruppe zu „Body Puzzle“ vertrauen? Fragt man da nicht lieber Leidensgenossen? Genau. Man muss schon wissen, welcher Kritiker zu welchem Film passt. Und bei „Body Puzzle“ hört man nicht auf Roger Ebert, sondern eher auf Jörg Buttgereit oder italo-cinema.de. Vielleicht hört der ein oder andere ja sogar auf mich. Es würde mich freuen. Und „Body Puzzle“ fairer einordnen. Ein bösartiger Krimi voller abgetrennter Gliedmaßen, spiegelnder Kaufhausdecken und verdrehter Klischees. Deutlich eher auf den US-Markt abzielend, weder in Sachen Gore noch Nacktheit gewohnt/voll durchziehend. Aber doch mit einer traumartigen, exzessiv-avantgardistischen Aura gesegnet - irgendwo zwischen Kunstmuseum mit Pool im Wohnzimmer und der Kälte eines Leichenschauhauses - dass ich phasenweise viel gebannter zugeguckt habe als erwartet. Und der klimpernd-sinnliche Score tut sein Übriges. Viel Licht, viel Schatten. Kann man kaum mit klassischen Kriterien messen. Ist ein spezieller Fall für spezielle Vorlieben.

… von zu viel'n Leut' gehasst… 

Fazit: „Body Puzzle“ ist sicher weit entfernt von einer Sternstunde für die Familie Bava oder das italienische Genrekino. Irgendwo zwischen den (eh ähnlichen) Stühlen von Giallo, Psychothriller und Slasher. Aber für Fans solcher Italo-Schock-Schabracken auch keine Zeitvergeudung, ganz und gar nicht. Ein kunstvoller Blick in die Psyche eines Psychopathen. 

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