Review

„Vivarium“ liefert eine treffende Überspitzung hinsichtlich einiger monotoner Baulandschaften, wie unübersichtliche Plattenbaugebiete oder die typisch amerikanischen Mittelschichthäuser mit Vorgarten, die sich allenfalls durch den darin befindlichen Rasenmäher voneinander unterscheiden. Die Ausgangssituation der Sci-Fi-Groteske ist topp, doch nach einer halben Stunde ist die Luft weitgehend raus.

Das junge Paar Gemma (Imogen Poots) und Tom (Jesse Eisenberg) wendet sich zwecks Eigenheim an einen Makler, der sie in ein Gebiet mit komplett identisch aussehenden Reihenhäusern führt. Als dieser verschwindet und das Paar den Rückweg antreten will, landen sie immer wieder am Haus Nr. 9. Nach einiger Zeit erhalten sie einen Karton mit einem Säugling und der Aufforderung „Zieht den Jungen groß, dann seid ihr frei“…

Offenbar von Lovecraft und Kafka inspiriert, liefert die Prämisse vor allem in der ersten Phase angenehmes Unwohlsein. Jedes mintgrüne Haus sieht komplett identisch aus, die Umgebung wirkt künstlich wie mit dem Lineal gezogen, es gibt keine Unterhaltungsmedien, doch immerhin regelmäßige Essenslieferungen per Karton. Einzige Rückzugsmöglichkeit ist ihr Auto, welches sie aufgrund des Geruchs an das wahre Leben außerhalb ihrer Gefangenschaft erinnert.

Das namenlose Kind ist durchaus spooky. Schon allein, durch diverse Imitationen seiner unfreiwilligen Zieheltern, die stetigen Beobachtungen und nicht zuletzt sein Schreien wie kochendes Teewasser, weil etwas nicht schnell genug erledigt wird. Mordgedanken liegen da genauso auf der Hand wie eine resignierte, halbherzige Erziehung. Oder man gräbt ein metertiefes Loch im Garten, weil man sich ja irgendwie beschäftigen muss und vielleicht sogar jemand auf der anderen Seite sein könnte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt entwickeln sich die Figuren leider kaum mehr weiter und nachdem eventuelle Hintergründe rasch aufgedeckt scheinen, bleiben weitere Überraschungen komplett aus.

Dennoch zündet die Atmosphäre aufgrund des simplen Ambientes, welches ab und an per Luftaufnahme die Ausmaße eines Endloslabyrinths offenbart. Selbst die Wolken sehen wie schlichte CGI aus, während der stimmungsvolle und zurückhaltend eingesetzte Score sich erstklassig ins Gefüge integriert. Darstellerisch wird ebenfalls überzeugend geliefert, wobei Imogen Poots ihr männliches Pendant locker an die Wand spielt und Senan Jennings als unheimlicher Junge ebenfalls überzeugt.

Die dritte Regiearbeit von Lorcan Finnegan geht locker als Gesellschaftsparabel durch mit vielen Metaphern in Richtung Individualität und ausbleibendem Kinderwunsch bis hin zum Zyklus des Lebens. Leider flacht die Chose bereits nach einer halben Stunde ab und liefert wenig Spannendes, zumal sie sich häufig im Kreis dreht, oft ereignislos vor sich hin mäandert und letztlich eher als Kurzfilm getaugt hätte. Dennoch Stoff, der zumindest eine Weile hängen bleibt.
Knapp
6 von 10

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