Innovatives Kleinod…12.07.2020
Reihenhaussiedlungen haben per se etwas Gruseliges. Ein Haus gleicht dem anderen, die Bauordnung schreibt die Details vor, die Bewohner ähneln sich, man kennt sich, man lächelt sich freundlich an, doch kaum ist die Tür zu geht die Lästerei los, über das Kleid der Nachbarin, das neue Auto…was aber, wenn auf einmal in der Siedlung keiner mehr da wäre? Wenn die Häuser sich nicht nur gleichen würden, sondern komplett baugleich wären, mitsamt der Inneneinrichtung? Und was, wenn aus der Siedlung kein Weg mehr hinausführte? Wäre das dann schlimmer als die lieben Nachbarn? Ich denke schon, denn das wäre die pure Verzweiflung.
So geschieht es Tom und Gemma, die nur ihr kleines Stück vom Glück wollen, mit einem Makler in die Siedlung Yonder fahren, dort ein Haus besuchen…und auf einmal ist der Makler weg, keine Straße führt mehr zurück. Der Ausweg. Die beiden sollen einen Bub großziehen, der sich als schnellwachsendes Retortenkind entpuppt. Zuerst begehrt man auf, dann resigniert man, dann gräbt man ein Loch…und entdeckt, daß man wie in einem kleinen Guckkasten gefangen ist, dessen Existenz nicht klar ist, der aber ein paar verstörende Unterbauten hat, so etwa wie in Dark City, nur ohne Erklärung und Ausweg.
Kollege Eisenberg ist mit seinem stoischen Gesichtsausdruck perfekt für die Rolle des Tom, auch Imogen Poots macht einen feinen Job, und viel mehr Personal gibt es auch fast nicht. Das macht den Film so unheimlich, und gerade das Fehlen von Erklärungen läßt viel Raum für eigene Interpretation. Von der Unterwelt hätte ich gerne mehr gesehen, aber da war das Budget wohl zu klein…in Summe ein feiner Horrorstreifen, hie und da ein wenig zu lang, aber die Ausweglosigkeit des Lebens unter Zwang wurde prima eingefangen und umgesetzt. Sicher kein Film für den normalen Kinobesucher, mir hat er, da recht creepy, sehr gut gefallen – 8/10