„Vivarium“ wurde mir von der Genrepresse doch recht nachdrücklich als stranges Ding empfohlen und ich bin gewillt, dieses Urteil stehen zu lassen, auch wenn ich jetzt nicht mit Begeisterungsstürmen um mich werfen werde.
Die Kombination aus Scifi und Horror ist ja inzwischen alte Schule, erfährt hier aber nochmals einen frischen Anstrich aus der Twilight Zone, der nicht unbedingt erklärt werden will.
Ein Pfund zum Wuchern sind sicherlich Jesse Eisenberg und Imogen Poots als namhafte Darsteller, die hier praktisch eine Art 4-Personen-Stück aufführen dürfen und deswegen wohl auch hauptsächlich interessierter waren als an der Gelegenheit, mal einen Gruselstreifen zu drehen.
Die beiden spielen Tom und Gemma, ein junges Paar ohne wirkliche Familien- oder Kinderambitionen traditioneller Natur, die sich nach einem neuen Zuhause umsehen. Der Makler, der ihnen ein superduper Domizil in einer ultraneuen Vorortsiedlung namens Yonder (Übersetzung: drüben) anbietet und vorführen will, ist schon bizarr genug, um so etwas abzulehnen, aber man will ja nicht unhöflich sein. Doch einmal in Yonder angekommen, wo wirklich alle Häuser gleich aussehen, die Vorgärten auch und sogar die Straßen identisch scheinen, stellen sie fest, dass sie in eine Falle gelaufen sind. Der Verkäufer verschwindet und alle Wege führen auf Umwegen immer wieder zu ihrem Haus Nr.9 zurück, egal welchen Weg mit welchem Mittel sie auch einschlagen.
Lebensmittel werden per Kiste geliefert, doch eines Morgens, als die beiden schon wirklich auf den Nägeln kauen, finden sie ein kleines Baby in ihrer Kiste mit dem Hinweis, das Kleine aufzuziehen und dann entlassen zu werden.
Wer jetzt ganz am Anfang gut aufgepasst hat – der Film startet mit Bildern der Entwicklung eines Kuckucks in einem fremden Vogelnest – der ahnt schon, dass die Aufzucht dieses Kindes kein Zuckerschlecken wird. Und so geschieht es dann auch: das ziemlich schnell wachsende Kind gerät zu einer Mini-Version des Maklers, verhält sich seltsam, schreit durchdringend und stellt seltsame Fragen. Ganz allmählich laugt das natürlich auch die besten Eltern aus.
So unheimlich und vestörend das alles ist, irgendwann geht der Situationsentwicklung leider die Puste auf. Da man das Zeitgefühl in dieser Umgebung nicht hat und das Kind sich zu „fremd“ entwickelt, um mit ihm fühlen zu können, fällt es den Leads zu, das Gewicht eines Plots zu tragen, der spätestens um die Halbzeitmarke langsam das Problem hat, zwar die Mechanismen der Situation offengelegt zu haben, aber diese nicht erklärend auflösen zu können. Die Versuche, aus der Situation zu entkommen führen gegen Ende zwar zu einigen visuell und imaginativ beeindruckenden Bildern, lassen aber wieder keine Erklärungen zu, mit was man es hier zu tun hat.
So verwandelt sich Faszination nach und nach zu Frust, denn die ellipsoide Geschichte wird zwar zuende geführt, dreht sich aber nach einem Drittel zunehmend im Kreis und läuft neben hier und da gesetzten Entwicklungen immer wieder leer. Dass sich die Figuren in dem titelgebenden Vivarium befinden (also der Komposition aus Aqua- und Terrarien etc.) ist dann auch bald klar, allein taugt der mal gestreckte und mal sehr gestauchte Plot nicht für die opulente Lauflänge, der mit einer 45-Minuten-Folge in einer Anthologie mehr gedient gewesen wäre.
Persönlich übertrug sich das Geduldsspiel der Figuren dann leider auf mich als Zuschauer, was das Vergnüngen letztendlich schmälerte. Dass „Vivarium“ dennoch einfallsreich, ungewöhnlich und im schon sehr ausgeleierten Bereich der Sci-Fi innovativ ist, sollte aber nicht vergessen werden. (6,5/10)