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Wenn man mit dem Oeuvre des aus New Hampshire stammenden Independent-Filmers Brett Piper halbwegs vertraut ist, dann weiß man im Grunde, was einem bei dessen Filmen erwartet. Nämlich liebevoll gestaltete (Stop-Motion-)Effekte mit einer Story drum herum. Diese Story ist manchmal recht ambitioniert und gut gelungen (Drainiac!, Shock-O-Rama, The Dark Sleep), oft aber auch nur notwendiges Mittel zum Zweck (Arachnia, Bacterium, Triclops). Sein aktuelles Werk Outpost Earth, gedreht bereits 2016 und veröffentlicht 2019, fällt in letztere Kategorie. Aliens aus einer anderen Dimension greifen die Erde an. Die Menschheit wird von der aus heiterem Himmel kommenden Attacke völlig überrumpelt und ist chancenlos gegen die erbarmungslosen Invasoren, die mit ihren mit Strahlenkanonen bestückten Raumschiffen alles in Schutt und Asche legen. In dieser zerstörten Welt leben eine Handvoll Überlebende versteckt in einem abseits gelegenen Landhaus, darunter Professor Zayden Eisenberg (Mason Carver), der nach Schwachstellen im Gefüge der Außerirdischen forscht, sowie die Schwestern Kay (Erin Waterhouse, Triclops) und Penny (Kristen Gylling), welche für die Nahrung und die Sicherheit zuständig sind.

Bei einem Streifzug rettet Kay den Einzelgänger Blake (Titus Himmelberger, Sharkenstein) vor dem sicheren Tod und nimmt ihn mit in ihre Unterkunft, wo sich das Zusammenleben mit ihm aufgrund seiner frechen und lakonischen Art als schwierig erweist. Doch wie es das Drehbuch so will besitzt Blake ein Talent, das im Kampf gegen die Aliens eine entscheidende Rolle spielen könnte. Die nicht gerade originelle Geschichte wird von Autor und Regisseur Piper in kleinem Rahmen und mit einem lockeren Camp-Vibe erzählt und beschränkt sich auf ein paar Schauplätze, die vermutlich kostenlos benutzt werden durften. Piper hat ja im Laufe seiner sich über mehrere Dekaden spannenden Karriere (sein kauziger Amateurschinken Mysterious Planet erschien 1982) nie mit großen Budgets gearbeitet, und Outpost Earth bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Der sieht stellenweise aus, als hätte er nur ein paar tausend Dollar gekostet, und vermutlich ist das auch der Fall gewesen. Über diesen spottbilligen Look muß man ebenso hinwegsehen können wie über die teils steife, ungelenke Inszenierung der Dialogszenen und die bemühten wenngleich wenig überzeugenden Leistungen der Schauspieler.

Aber all das nimmt man gerne in Kauf für die Art und Weise, wie Brett Piper seine Tricks in Szene setzt. Piper zählt zu den wenigen, die auch nach all den Jahren und nach all der Entwicklung in Hinblick auf die Technologie die traditionelle FX-Fahne stolz hochhält und sie so unermüdlich wie enthusiastisch schwenkt. Ergo erfreuen seine knuffigen Effekte die Fans mit ihrem unwiderstehlichen Retro-Charme und ihrer herzerwärmenden Greifbarkeit. Während anderswo die verschiedenen Kreaturen und Raumschiffe im Computer programmiert werden, setzt sich Piper an den Tisch, wo er seine in mühevoller Kleinarbeit gebastelten Miniaturen Millimeter für Millimeter bewegt und sie dabei sorgfältig und konzentriert abfilmt. Er wandelt damit auf den Spuren der unvergessenen Stop-Motion-Pioniere Willis H. O'Brien (1886 – 1962) und Ray Harryhausen (1920 – 2013), die mit ihren herausragenden Arbeiten in Filmen wie The Lost World (Die verlorene Welt, 1925), King Kong (King Kong und die weiße Frau, 1933), The 7th Voyage of Sinbad (Sindbads 7. Reise, 1958) und Mysterious Island (Die geheimnisvolle Insel, 1961) die Augen von Millionen Menschen zum Leuchten brachten.

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, und für mich haben diese sich leicht ruckelnd fortbewegenden Tier-Kreaturen, Kampf-Roboter und grobschlächtigen Golem-Wesen so etwas wie ein Herz und eine Seele. Ein Herz und eine Seele, wie man sie bei Computer Generated Imagery im B-Movie-Bereich nie und selbst bei großbudgetierten Werken eher selten findet. Mir wärmen solche Sequenzen einfach das Herz, vielleicht auch, weil ich mit Stop-Motion-Filmen aufgewachsen bin und meine Liebe zu diesen nie erkaltet ist. Und in einigen Momenten gelingt Piper das schier Unmögliche. Er läßt den "Sense of Wonder" wiederaufleben, das ehrfürchtige Staunen angesichts der monströsen Kreaturen auf dem Bildschirm, und er schafft es, den Zuschauer mit dem Schicksal bzw. den Handlungen eines dieser Wesen sogar zu berühren. Man denke etwa an die schöne Schlußszene, welche die Tür für ein Sequel offen läßt, das wahrscheinlich nie kommen wird. Mit Outpost Earth hat Brett Piper einmal mehr ein unerhört sympathisches Old-School-Pulp-Abenteuer geschaffen, das bei älteren Semestern für ein prickelndes Nostalgie-Flair sorgen sollte. Niemand bedient diese Nische so charmant wie er.

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