Wenn mal wieder ein Blockbuster in der Luft liegt, fährt The Asylum gerne dazwischen, speziell in den Bereichen Katastrophenfilm und Monsterhorror. Zwar ist eine Fortsetzung von „San Andreas“ in vager Planung, doch bis dahin variiert Regisseur H.M. Coakley einige Motive des Originals und müht sich mit Erfolg um Vermeidung von Schauwerten.
Wissenschaftler Dr. Jan Werner entdeckt, dass ein erwartetes Erdbeben die komplette Westküste der USA im Meer versinken ließe. Er wendet sich an seine Ex Deborah, die als einzige die seisnische Kanone bedienen kann, um damit das Epizentrum zu verschieben. Doch der Wettlauf gegen die Zeit birgt diverse Tücken, während die gemeinsame Tochter Ingrid in Kalifornien nach Verschütteten des Vorbebens sucht…
Die Produktionsschmiede ist für die auffallend mickrigen Effekte bekannt, doch zuweilen lässt sich das ohnehin schon niedrige Niveau deutlich unterbieten. So stammt etwa während einer Hatz mit dem Auto neben einer Erdspalte die komplette Kulisse aus dem Rechner. Gebäude und andere Fahrzeuge generieren dadurch den Eindruck eines rückständigen Computerspiels. Zwar sind ein paar brennende Gebäude und kleine Erschütterungen an späterer Stelle einigermaßen brauchbar in Szene gesetzt, doch anderweitig wird es dann peinlich, als jemand per Leiter einen Abgrund überwinden will, welcher zu keiner Zeit zu sehen ist. Stattdessen wird mit deutlich sichtbarem Greenscreen gearbeitet, was ein wenig an die Technik der Dreißiger erinnert.
Wie bei The Asylum üblich wird immerhin früh auf die Tube gedrückt und um den Wettlauf gegen die Uhr zu untermauern, blendet man regelmäßig die Zeit bis zum bevorstehenden Mega Quake ein. Ebenfalls üblich ist ein zweiter, parallel ablaufender Handlungsstrang, wobei die Rettungsaktion der Soldatentochter frei von Spannung abläuft, indes die Truppe um die Wissenschaftler und zwei Militärs auch nicht wirklich mitreißt, zumal dem Ganzen ein schier unerträglicher, heroischer Patriotismus mitschwingt. Nach einem „Wir müssen noch ein Mega-Beben stoppen“ fehlt nur noch der direkte Blick in die Kamera: „Und du wirst hautnah dabei sein!“
Immerhin erhalten Trash-Fans ein paar ordentliche Schmankerl, denn nach einem Heli-Absturz ist zwar eine riesige Rauchwolke an der Absturzstelle zu sehen, doch der Suchende ruft trotzdem vorsichtshalber per Telefon beim vermeintlichen Opfer an. Gebäudetrümmer bestehen natürlich aus Styropor und eine 900-Kilo-Bombe kann auch schon mal ohne Nebenwirkungen ein paar Meter tief in eine Grube fallen. Auf der anderen Seite amüsieren die naiven Dialoge nur selten, was die größtenteils hölzerne Synchro und die nicht minder hölzern agierenden Mimen noch verstärken.
Leider gibt es keinen wirklichen Showdown, denn aufgrund einiger gravierender Kontinuitätslücken hat sich das Hauptproblem binnen weniger Momente von selbst gelöst.
Folgerichtig kommt erst gar kein Mitfiebern auf, das rigorose Ausklammern essentieller Begebenheiten offenbart bei alledem jedoch das auffälligste Manko.
Wer den billigen Quark von The Asylum aufgrund flotten Tempos und hanebüchenen Eigenheiten zu schätzen gelernt hat, muss an dieser Stelle deutliche Abstriche machen, denn die überaus sparsame Inszenierung vermag über die rund 87 Minuten nur bedingt zu unterhalten.
Knapp
4 von 10