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Eine Einheit junger finnischer Infanteristen wird im November 1939 kurz vor Beginn des Winterkriegs gegen die Sowjetunion einberufen. Sie sollen gegen die militärische Übermacht der Roten Armee einen Flussabschnitt halten. Doch ihr heldenhaftes Abenteuer ernüchtert sie bald, als Kälte, Erschöpfung und der permanente Beschuss der gegnerischen Artillerie und Bomber ihren Alltag bestimmen.


The Winter War ist ein handwerklich beeindruckender Kriegsfilm, der vor allem durch seine physische Wucht überzeugt. Explosionen, Einschläge und Gefechte wirken greifbar und glaubwürdig. Hier ist alles noch sichtbar handgemacht, was dem Film eine enorme Authentizität verleiht. Man merkt deutlich, dass es sich lange Zeit um eine der aufwändigsten Produktionen aus Finnland handelte. Die Gefechte sind groß inszeniert und vermitteln eindrucksvoll die Härte und Ausweglosigkeit dieses oft übersehenen Kriegsschauplatzes des Zweiten Weltkriegs.

Gerade diese Härte ist eine der größten Stärken des Films. Kälte, Dreck und permanente Bedrohung sind allgegenwärtig, zumal der Film nicht an schonungslosen Momenten spart. Gleichzeitig bleibt die Darstellung der Gegenseite sehr eindimensional. Die Soldaten der Sowjetunion erscheinen meist als gesichtslose Masse, was zwar die Perspektive der finnischen Soldaten unterstreicht, dem Konflikt aber etwas an Tiefe nimmt.

Auch auf Figurenebene bleibt der Film hinter seinem Potenzial zurück. Zwar sind die schauspielerischen Leistungen durchweg solide, doch eine echte emotionale Bindung zu den Figuren entsteht kaum. Ihre Schicksale berühren, aber sie treffen kaum. Man beobachtet sie mehr, als dass man mit ihnen mitfühlt. Das macht sich besonders in der langen Laufzeit bemerkbar, denn selbst in der für die internationale Auswertung stark gestrafften Kinofassung zieht sich der Film und ermüdet etwas. Der Directors Cut läuft etwa eine Stunde länger, die mit Nachdrehs versehene TV-Miniserie sogar zwei Stunden. 

Regisseur Pekka Parikka legt den Fokus klar auf die Gefechte und weniger auf individuelle Schicksale. Das Ergebnis ist ein technisch und inszenatorisch starker, aber emotional distanzierter Kriegsfilm. Die Authentizität steht im Vordergrund, während dramaturgische Zuspitzung und Figurenzeichnung deutlich zu kurz kommen. Trotz aller Wucht schleichen sich mit der Zeit Längen ein, die ständige Abfolge von Gefechten verliert irgendwann an Wirkung und wird zur Routine.


Ein aufwändig produzierter, handwerklich überzeugender Kriegsfilm mit eindrucksvollen Schlachtenszenen und spürbarer Härte, der jedoch durch blasse Figuren und eine gewisse erzählerische Monotonie an Wirkung verliert. Für historisch Interessierte und Fans realistischer Kriegsdarstellungen sehenswert, emotional aber arg distanziert und wenig packend. Groß in der Darstellung, zurückhaltend in der Wirkung.

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