kurz angerissen*
Ned oamoi a Brandleiche konn am Eberhofa den Äppetit auf Leberkäs nehma. Ein abgebranntes Haus und eine verkohlte Tote darin treten beim nunmehr sechsten Eberhofer-Abenteuer über weite Strecken in den Hintergrund, denn wohl nie zuvor in der Reihe wurde dermaßen viel Deftiges zum Schlemmen auf die blau-weiß gerautete Decke getischt. Sebastian Bezzel muss wohl beim Dreh die ganze Zeit jemanden aus der Makeup-Abteilung an seiner Seite gehabt haben, seine tiefen Augenringe und sein bleicher Teint schreien nämlich die explodierenden Cholesterinwerte regelrecht in den Himmel hinaus. Am hemmungslosen Fressen hindert ihn weder das noch sein Sohn, der ihm von der misstrauischen Susi zur Obhut anvertraut wird...
Seine komödiantischen Highlights feiert „Leberkäsjunkie“ demzufolge immer dann, wenn alle Ratschläge der Ärzte in den Wind geschlagen werden und postwendend von der mahnenden Diagnose zur nächsten Völlerei geschnitten wird. Dass Eberhofer nicht etwa alleine am Trog steht, sondern sich die kulinarischen Genüsse in teils absurden Szenen von geselligem Zusammensein erkämpfen muss, verleiht dem Prozedere des besinnungslosen Vertilgens etwas fast schon Archaisches, und wenn der Dorfpolizist dem Hot-Dog-Verkäufer im Einkaufszentrum bereits zum dritten Mal sagt „no oamoi zwoa“, dann werden bereits Simpsons-Dimensionen erreicht. Passend zum gelben Hemd.
Aus diesen Exzessen leitet sich ab, dass die Eberhofer-Reihe sich inzwischen wieder selbst genügt. Wem die Ausflüge nach München („Sauerkrautkoma“) oder gar nach Italien („Schweinskopf al Dente“) zu anstrengend waren, der darf sich auf eine Überdosis Niederkaltenkirchen freuen, das bei genauer Betrachtung viel bunter ist als zunächst angenommen: Hinter dem reichhaltigen Bankett winken Rassisten aus der sozial schwachen Häuserreihe des Dorfs, Sexsüchtigen-Selbsthilfezirkel, orale Biertaufe auf dem Karussell, Susis fahrender Lippenstift von einem Auto und ein gut besuchtes Fußball-Derby mit absaufendem Comeback-Pathos, einem charmanten Klaus-Augenthaler-Cameo... und jede Menge Brodwuascht.
Bei all den Ablenkungen droht der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund zu geraten. Genau genommen spielt er sich fast ausschließlich dort ab, als interessierte es die Niederkaltenkirchener einen feuchten Kehricht, ob ihre Verbrechen aufgedeckt werden oder nicht. Die Tatortbegutachtung, die Befragung einer Verwandten, ein paar falsche Fährten im Dorf und ein Schwulenpaar in einer Landshuter Dachgeschosswohnung (mit Robert Stadlober in einer Gastrolle) kommen nicht an gegen Pflaumenkuchen, Pralinen und die wohl dickste Scheibe Leberkäs, die je zwischen zwei Brötchenhälften geschoben wurde. Obwohl Ed Herzog in dieser Reihe immer schon Probleme hatte, den Main Plot mit den Nebenhandlungen zu verknüpfen, so dürfte es sich diesmal wohl um den dünnsten Vorwand handeln, den Eberhofer aus seinem Bett oder der Kneipe in den Dienstwagen zu zerren.
Das Publikum störte es nicht; erneut ist der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung letzte Film der Reihe auch der erfolgreichste. Und warum auch eigentlich nicht.