Review

Staffel 1


German Wunderkind

Deutsche Serien zeigen in den letzten Jahren, dass wir viel mehr draufhaben als Tatorte und Til Schweiger, als verkappte Heimatfilme und oberflächliche RomComs. Allein „Babylon Berlin“, „Dark“ oder „4 Blocks“ dürften Beweise genug sein, dass wir international absolut konkurrenzfähig sein können. „How To Sell Drugs Online (Fast)“ ist ein weiterer deutscher Hit auf Netflix, den man 2019 einfach sehen musste. Egal, wo auf diesem Planeten man sich aufhält, egal, welche Nationalität man hat, egal, was man bisher von deutschen Produktionen hält. Denn das hier ist schon Gourmetware, ohne Frage. 

Erzählt wird in sechs knackigen, nichtmal halbstündigen Episoden von zwei Teenagern und Gymnasiasten, ganz klar Nerds und Außenseiter, die in einem Kaff irgendwo in NRW zu kleinen (Online-)Drogenbaronen werden. „Breaking Bad“ trifft „The Social Network“ sozusagen, im Stil eines Danny Boyle. Jip, die Serie hat sich solche Vergleiche verdient! 

schon TOP
+ hyperaktiver, faszinierender Stil/Schnitt
+ kaum „deutsche“ filmische Angewohnheiten
+ der „Tatortreiniger“
+ nimmt sich große Vorbilder
+ wirkt sehr modern, sehr aktuell, sehr jung
+ echte, authentische Sprache
+ solide bis gute Darsteller, vor allem die jungen
+ macht definitiv neugierig und süchtig
+ komplett ohne Längen
+ schnell durchgeguckt, leicht am Stück zu schauen
+ braucht sich vor keiner internationalen Konkurrenz zu verstecken
+ frech und frisch
+ tolle Einbindung moderner Medien
+ extrem witzig und pfiffig
+ geniale Sidegags wie die „X-Faktor-Idee“ oder der zwischendrin eingebaute Skip-Button
+ braucht null Anlaufzeit
+ dramatische Untertöne
+ wenig berechenbar, irgendwo in der Nähe von „American Vandal“ oder auch „Who Am I“ 
+ kurze, flotte Folgen
+ beeindruckende Produktionsqualität
+ Ideen und Stilwechsel im Dauerfeuer
+ „typisch Deutsches“ wird aufs Korn genommen
+ meta und selbstbewusst, zynisch und augenzwinkernd
+ sogar ein paar Jabs auf Netflix selbst
+ Charaktergesichter; sowohl Darsteller wie die dargestellte Welt nicht zu glatt, zu hübsch, zu fein, eher dreckig und real
+ Ende macht Bock auf mehr, bietet viele Möglichkeiten

noch etwas FLOP
— viel zu kurz, zu schnell vorbei!!!
— fühlt sich nur an wie ein Intro, wie ein Testlauf
— noch nicht von exorbitanter Tiefe
— an der Spannungsschraube könnte noch gedreht werden
— Bjarne Mädel schon Geschichte
— manche Darsteller & Dialoge wirken etwas hölzern und dann doch recht deutsch
— manchmal etwas überdreht und hektisch, überschlägt sich fast
— manchmal muss man sich doch sehr konzentrieren, um das nerdige Genuschel zu verstehen
— Teenieprobleme ziemlich basic und schon oft gesehen; da muss man aufpassen, dass man nicht in soapige Gefilde abrutscht
— seltsamer Wechsel zwischen deutsch und englisch zwischendrin (vor allem bei Geschriebenem)
— Interviewsequenzen führen noch nirgendwo hin
— Hauptdarsteller sieht aus wie 30?!?? ;)

Fazit: ein echter Coup! Zackig, lässig, witzig, deutsch und dennoch international. Absolutes Bingewatching-Vorzeigematerial! Vielleicht etwas kurz. Ansonsten einwandfrei. Macht definitiv süchtig und Lust auf mehr. Bitte schnell. Seeeeehr nice! (8,5/10)

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