Review
von Leimbacher-Mario
Staffel 2
Rinselns Walter White?
Die langersehnte zweiten Staffel des deutschen Netflixhits „How To Sell Drugs Online (Fast)“ umfasst wieder 6 kurze, knackige Episoden und das Garagen- bzw. Internetdrogengeschäft von Moritz, Lenny und Daniel blüht - führt jedoch auch zu weiteren Verstrickungen mit den Zulieferern aus Rotterdam, mit den „Albanern“ von nebenan und natürlich auch dem Privatleben der drei unterschiedlichen Teenagern kurz vor dem Abitur... Die erste Staffel war spritzig, witzig, extrem kurzweilig und teilweise sogar genial. Das kann man nicht anders sagen, da merkte man massiv, dass sich die Jungs/Macher aus der Domstadt da jahrelang drauf vorbereitet bzw. für gearbeitet hatten. Da waren Erfolg und Netflix Connection fast vorprogrammiert, wenn es wie eine jugendlichere Version von „Breaking Bad“ oder „Ozark“ wirkt. Etwas kurz, aber ohne Zweifel pure Unterhaltung und ideales Bingewatchingmaterial. Die Frage war halt nur: kann man daran anschließen? Oder war das ein deutsches One-Hit-Wunderkind?
Und zum Glück kann man da nun einigermaßen Entwarnung geben. Auch der zweite Sechserpack an Episoden hat mich glorreich unterhalten und kann in einem Rutsch weggeguckt werden. Die ganz großen Wow-Effekte sind zwar nicht mehr da, ein wenig hat man das Gefühl, dass storytechnisch etwas auf der Stelle getreten wird und die Teenager können durchaus mal nerven und mit ihrem Verhalten und unnötigen Konflikten frustrieren. Doch im Grunde geht dieses gedopete Gute-Laune-Start-Up nach vorne wie ein Einserschüler, rein wie ein Zäpfchen, runter wie Öl. Die Darsteller sind noch deutlich mehr in ihren Rollen angekommen (vor allem Maximilian/Moritz), die Spritzigkeit und enorme Energie der Serie ist kaum abhanden gekommen, Charakterentwicklung wird in diesem zweiten Jahr groß geschrieben, der (auch mal düsterere) Humor passt meist und sowohl den Cuttern als auch den Schreibern kann man nur mächtig Respekt zollen. Selbst wenn man um ganz nach oben zu wollen definitiv in vielen Belangen (vor allem in Sachen Geschichte, Tiefe, Episodenanzahl und Spannung) noch eine Schippe drauflegen sollte. Aber wenige Serien weltweit sind einfach derart einfach und zackig zu gucken. Und das ist ja auch schon ein riesiges Kompliment.
Fazit: auch Staffel 2 von „How To Sell Drugs Online (Fast)“ vertritt Deutschland auf Netflix mehr als würdig, wirkt enorm pfiffig und witzig, positiv überdreht und meist sehr sympathisch, nerdig, niedlich fast. Trotz aller Trotteligkeiten und Teenagereien. Selbst wenn der ganz große Überraschungseffekt nun weg ist und wieder nur 6 kurze Folgen die Hitserie eher wie einen schnell verdaulichen und wenig anhaltenden Zwischensnack wirken lassen. Dennoch macht das einfach Fun! (7,5/10)