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In drei nacheinander ablaufenden Episoden werden Kriminalfälle im Mittelalter zur Zeit der Tokugawa-Dynastie mit ihrer berüchtigten Strafverfolgung geschildert. Angeblich handelt es sich um überlieferte Fälle, die nun die unmenschliche Grausamkeit der damaligen Justiz aufzeigen soll, die dem Leitsatz der Rache für Verbrechen folgte. In der ersten Geschichte versucht ein reicher Tuchhändler ein Unglück zu seinen Gunsten zu nutzen und dem schwer verletzten Arbeiter Shinzu die teuren Arztkosten zukommen zu lassen, um dessen hübsche Schwester Mien als Gegenwert für die Schulden zu erkaufen. Das sich zuspitzende Drama des finanziellen Drucks, den der altersgeile Bock auf die bis dato unbescholtenen Geschwister ausübt, ist eigentlich angesichts eines bemerkenswert sozial eingestellten Arztes überflüssig, doch Teruo Ishii wäre nicht eine solche Exploitationgröße geworden, würde er nicht jede Möglichkeit nutzen, um seine Protagonisten in ein schmerzvolles Elend zu treiben. Und als reiche das noch nicht aus, integriert er gleich noch eine inzestuöse Steigerung, um die "Blutschande" mit gehörig Gewalt und Folter zu beenden. In der zweiten Kurzgeschichte sorgt eine neue Äbtissin in einem Tempel für einigen Aufruhr sexueller Natur, denn hier schwenkt das Drehbuch zu einem lupenreinen und ausgesprochen expliziten Nunploitation-Beitrag über. Das ist selbst für den weniger genrekundigen Betrachter kaum zu übersehen, so adrett, wie die Nonnen geschminkt sind, weniger gelungen, sogar höchst peinlich, sehen aus heutiger Sicht deren Gummiglatzen mit dem Charme von Badekappen aus. Dennoch versucht sich Teruo Ishii ganz unbeirrt an seiner zweiten Vorliebe neben Gewaltorgien, dem Sexplotationfilm, der hier die Verderbtheit hinter Klostermauern mit raueren Mitteln visualisiert. Das Resultat für die verbotenen Liebesspielchen ist vorhersehbar Folter, allerdings nicht nur an, sondern auch von Frauen ausgeübt. Das Ende ist bizarr und wurde in einer Szene bis heute mehrfach adaptiert, unter anderem in Takashii Mikes "Izo". In der letzten Episode steht ein von seiner Arbeit besessener Tätowierer im Mittelpunkt, einmal durch eine harsche Kritik an seinem Werk in seiner Ehre gekränkt, sinnt er auf das perfekte Rückenbild, das Qual und Todesangst in ungesehener Realistik wiedergeben soll. Hier zeigt sich am deutlichsten, wie eine fantastische Geschichte um die Folterszenen drumherum konstruiert wurde, als Vorwand, um einen Großteil gleich als Handlung gewissermaßen im Folterkeller des Gerichts spielen zu lassen, wo (u.a. westliche) Gefangene regelrecht vorgeführt und zu Tode gequält werden. Für Exploitationfans trotz vorgeschobener Selbstzweifel einer hart durchgreifenden Exekutive ein Szenario in Reinkultur, für Moralapostel sind solche Extremwerke mit ihrer obszönen, provokanten und offensiven Vorgehensweise natürlich rein gar nichts. Unterm Strich bleibt noch zu erwähnen, dass fast sämtliche Grausamkeiten, die hier angesammelt wurden, in dem berüchtigten "Oxen Split Torturing" noch einmal auftauchen, nur zum Großteil noch etwas expliziter und mit noch derberen Spezialeffekten dargestellt.

Fazit: "Tokugawa" ist neben "Oxen Split Torturing" wohl einer der großen Exploitationfilme aus der politisch unkorrekten Folterkammer Asiens. 7/10 Punkten

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