Auch auf einer Yacht kann mal etwas aus dem Ruder laufen, was Genrefans spätestens seit „Open Water“ wissen. Autor und Regisseur Rob Grant konzentriert sich dabei jedoch auf seine Figuren, aufgrund derer es erst gar keine Bedrohung von außen benötigt.
Richard (Christopher Gray) schlägt seinen Kumpel Jonah (Munro Chambers) fast krankenhausreif, weil er eine Affäre mit seiner Freundin Sasha (Emily Tyra) vermutete. Dabei ging es doch nur um sein Geburtstagsgeschenk in Form einer Harpune. Zur Versöhnung begeben sich die drei für einen Tagestrip auf eine Yacht, doch unter der Oberfläche brodelt es nach wie vor…
Als Richard gleich zum Einstieg hemmungslos auf Jonah einprügelt, entsteht ein erster Eindruck von der Kompromisslosigkeit der Erzählung. Diese schafft es zudem, drei Figuren nicht sympathisch, jedoch ambivalent erscheinen zu lassen, wodurch entsprechende Antipathien schwerpunktmäßig oftmals wechseln. Hierfür tun sich im Verlauf diverse Abgründe auf, während ein Off-Erzähler süffisante Sprüche und Weißheiten ablässt, die das vermeintlich ernste Treiben mit rabenschwarzem Humor abrunden. Auch einige kleine Einschübe, welche nach einem Freeze Frame erfolgen und eine Anekdote in grobkörnigen Schwarzweiß bebildern, lockern die angespannte Grundsituation zuweilen auf.
Die Eskalation auf hoher See ist vorprogrammiert und die gerät mitunter etwas blutig, wozu die handgemachten Einlagen ebenso gut passen wie das exzellente Make-up. Der einen oder anderen Wendung folgt gegen Finale ein Twist, der zwar ein wenig übers Ziel hinausschießt, sich jedoch gut in die absurde Gesamtsituation fügt. Einige Szenen im finalen Akt untermauern sehr deutlich, dass sich der Stoff gar nicht so ernst nimmt und den Betrachter gegebenenfalls mit einer gewissen Schadenfreude zurücklässt.
Das fast schon kammerspielartige Treiben überzeugt nicht zuletzt mit fähigen und wandelbaren Mimen, die ein ordentliches Kontingent glaubhaft zu vermitteln wissen. Kamera und Schnitt arbeiten durchweg solide, während der zurückhaltend eingesetzte Score dafür sorgt, dass die natürlichen Umgebungsgeräusche stärker in den Vordergrund rücken.
Unterm Strich liefert „Harpoon“ einen schnörkellosen, makaberen und flott erzählten Thriller ab, der innerhalb der 82 Minuten keine Längen aufkommen lässt. Ein Survival-Trip, bei dem das Lachen im Halse stecken bleibt.
7 von 10