Strahlt bis heute
"Plutonium" ist ein erstaunlicher Fernsehfilm und eine frühe, gesellschaftspolitische Mockumentary aus Deutschland, die die letzten Tage einer (fiktiven) politischen Journalistin nachzeichnet - anhand von Doku-, TV- und Überwachungsbildern - auf der Spur von abhanden gekommenem radioaktiven Material, das eventuell in die Hände von gefährlichen Diktaturen gefallen sein könnte...
Die Angst der Welt und besonders der Bundesrepublik vor Terror, Nuklearangriffen und politischen Attentaten muss Ende der 70er auf dem Höhepunkt gewesen sein, was "Plutonium" clever und nachdrücklich auf Zelluloid bannt. Eine der frühesten mir bekannten "Mockumentaries" überhaupt, aber im Kern noch viel mehr als "nur" das. Sicher auch mit Längen und Wiederholungen, irgendwo zwischen Brisanz, Brillanz und Ballast. Vor allem aber mit (nicht nur) unterschwellig politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schattenwürfen. Mockumentaries müssen nicht immer witzig sein - "Plutonium" beweist das. Politisches, analytisches und eiskaltes Kino für die Mattscheibe. Interessant, intellektuell, schwer zu durchschauen. Damals genauso wie heute. Für politisch und historisch gebildetere Leute als mich sicher noch ergiebiger. Etwas trocken, geschwätzig und staubig für meinen Geschmack. Aber trotzdem ein attraktives, kreatives, explosives Zeitdokument.
Fazit: Frühe und viel zu unbekannte, höchst engagierte, mutige und authentische Mockumentary über Plutonium und Pusteblumen der politischen Paranoia!