Review

Unterstützt durch das Aufkommen und mittlerweile auch preiswerter und für die Massen finanzierbare Heimmedium des Videorecorders, die entsprechende Beliebtheit der Videotheken und ihre stete Nachfrage nach Mehr sowie auch das Mitte der Achtziger allgemein populäre Genre der Actionhelden und ihrer (oftmals anspruchslosen, aber umso unterhaltsamen) Werke hat sich Fred Williamson in dem Zeitraum einen weiteren Zuspruch in der Karriere erhalten. Der bereits vorhandene Bekanntheitsgrad, die Arbeit nicht bloß in Amerika, sondern auch in exotischeren Gefilden (wie Italien oder gar den Philippinen), die allgemein wichtig scheinende Präsenz taten ihr übriges, um Verkäufe zu gewährleisten und Aufmerksamkeit zumindest beim entsprechenden Klientel zu erreichen. Nicht zu vergessen auch das mittlerweile vorherrschende Alleinstellungsmerkmal des Regisseur und Darstellers; das afroamerikanische Kino oder deren Ableger für Zuhause war nunmehr (bis auf den Komödianten und andere Gruppen ansprechenden Eddie Murphy) komplett ausgedünnt. Die alte Garde längst weg, und neue noch nicht in Sicht. Eine Gunst der Stunde, die genutzt werden wollte und entsprechend agiert:

Eigentlich wollte der Vietnam-Veteran Jake Sebastian Turner [ Fred Williamson ] nach einer dreijährigen Haftstrafe wegen Einbruchdiebstahls die Zeit nunmehr mit seiner Frau Sabrina [ Sandy Cummings ] genießen, muss allerdings kurz darauf ansehen, wie diese von Mafiakillern getötet wird und ist entsprechend am Boden zerstört. Da kommt das Angebot des Millionärs Gielgud [ Riccardo Parisio ] auf bezahlte Rache gerade recht, macht sich Turner mit der monetären Unterstützung und den Informationen von Italien auf nach Amerika, um sich dort direkt an die Paten Rico [ Joe Spinell ] und Emerson [ Michael Dante ] zu wenden. Währenddessen ist der lokale Police Capt. Carter [ Cameron Mitchell ] wenig begeistert von den illegalen Aufräumarbeiten in seiner Stadt, FBI Agent Parker [ Christopher Connelly ] aber umso mehr.

Aufgrund der italienischen Co-Produktion und dadurch, dass Williamson sowieso beruflich als auch privat viel auf Reisen war, in Italien das zweite Standbein hatte und durch Drehorte außerhalb der Vereinigten Staaten auch den Anschein von Luxus und Internationalität, wird die Rahmen-Handlung hier in das Reich der 'Ndrangheta verlegt, quasi der zweite Teil von Die Mafia kennt keine Gnade, zumal auch Drogen hier das schwerpunktmäßige Problem darstellen und Williamson energisch dagegen ist und radikal dagegen vorgeht. Schon in der Eröffnungsszene wird ein (vermutlicher) Drogendieb, ein Hehler und User mit mehreren fehlenden Kilogramm in der Ware von zwei Schergen des wenig begeisterten Syndikates aufgelauert und mit einem Schuss in den Hinterkopf ausgeschaltet und umgelegt; ein mörderisches Terrain mit einer tödlichen Sucht, die ihre Kreise auch direkt bis zur großen Liebe des Helden, des Shadow within Shadows und entsprechende Reaktionen und Antworten vom Mann im engen schwarzen Leder nach sich zieht.

Eine einsame Katze, die nachts durch die Gegend schleicht. Ein rauschender Ball, dessen Gesellschaft sehr suspekt ist und wo man das Verbrechen und die kriminellen Gedanken bei vielen der Anwesenden schon durch die Poren scheinen sieht. Ein Gast fehl am Platze und bald am Aufräumen in der Gegend, in dem Arm nun noch die Frau seines Herzens und Minuten später nur noch die Waffen der Gegner im Gesicht. Ein wildes Attentat beendet die Stehparty, wird das Pärchen beim Verlassen rasch von gleich vier Männern angegriffen; eine wild geschnittene, reichlich unrunde, aber dadurch und/oder dennoch auch effektive Schießerei mitsamt einem explodierenden Auto ist das Ergebnis, wobei der spätere Racheengel hier vom Ausbruch der Gewalt noch überrascht wird und dennoch den letzten Gauner mit der Pistole als Schlagknüppel und mehreren Treffern mit dem metallenen Gerät auf den blanken Schädel in das Jenseits katapultiert.

Auch das weitere Geschehen in Italien (und später auch in Amerika, mit in jeder Stadt mangels richtiger Dreherlaubnis und zum Kostensparen ein anderer Kameramann am Werk) ist oftmals wie blindlings mit der Axt geschnitten und scheinbar per Inspiration improvisiert, darunter eine kurze Episode, in der ein junges und ebenfalls drogensüchtiges Mädchen einmal vor einer Vergewaltigung geholfen wird, die zweite Misshandlung allerdings nur wenige Minuten später nicht verhindert werden kann und dafür dem Täter (einem älteren Gärtner) erst mit dem Ninjastern als Flugobjekt gedroht und schließlich mit dem nächstbesten Gegenstand (eine Schaufel) das Gesicht blutig lädiert. Der Mann will sich später noch einem Schrotgewehr vor einer Eisdiele revanchieren; Sitten wie in Chicago, wo als Nächstes die Reise vom Messenger of Death hingeht und weiteres Blutvergießen und allerlei nichtige und/oder lustige Absurditäten sowie auch ein erhöhtes sexuelles Aufkommen inklusive Full Frontal Shots ansteht.

Denn so albern und unlogisch die redundante Geschichte vom Bronson für paar Lire auch dargereicht wird, so faszinierend delirierend ist sie zuweilen auch gehandhabt und erzählt, darunter teilweise absurdes Füllmaterial (die Ehestory um den heimlichen Drogenmogul Emerson und seiner Angetrauten, die auch nichts von der Identität weiß, sich danach aber holterdiepolter verhält, inklusive dem halbnackten Bezirzen zweier seiner Bodyguards in der Waschküche und dem selbigen Einsteigen ins Drogengeschäft), aus dem Nichts kommende und nach kurzen Intermezzo dahin auch wieder gehende weitere Actioneinlagen, darunter noch mehrere explodierende Autos und beidhändiges Abfeuern der Maschinenpistolen, eine Attacke auf vier Rädern und eine Hinterlist in der Wüste, die mit Bleihagel empfangen wird und sich in hohen Blutzoll ergeht. (Teilweise 'hört' man die Actionszenen auch nur auf der Tonspur.) Plus viele kreative Flüche (Christopher Connellys patentierter "suckfish", "shitstick" und "butt-wipe", die sich vor allem an den höchst amüsanten Joe Spinell richten), sowie ein höchst repetierender Midi-Score, welcher sich ab und an und dies auch eher plötzlich zu ungeahnten funkigen Höhen aufschwingt.

Details
Ähnliche Filme