Ursprünglich für ein März-Release 2020 in der Volksrepublik China vorgesehen, war der vom steten (und auch privat verbundenen) Gespann Roy Chow und Christine To geschaffene Knockout nur kurze Zeit später für eine Veröffentlichung auf dem iQiyi Video Network verschoben worden; und damit einer der neben bspw. Lost in Russia, Enter the Fat Dragon oder später auch Double World vergleichsweise größeren Filme, die den Weg aus den damals gesperrten Kinos hinaus und in die Streamingvariante gingen. In HK selber, also dem (proklamierten, auch scheinbar tatsächlichen, aber überhaupt nicht danach wirkenden) Herstellungsland, wurde für Mai 2020 nach den dortigen und vorübergehenden Öffnungen der Lichtspielhäuser dennoch eine kleinere Variante der Verbreitung für das Volk gesucht und gefunden, der Film selber dabei (scheinbar) als einer der wenigen Vertreter des lokalen Actiongenres, welches sich derzeit vermehrt aus sogenannten Webmovies als Trittbrettfahrer einer längst abgeflauten Martial Arts Welle um Ip Man und Co. oder als wie hier aus der Subgattung des Boxerfilmes, mit vorherigen Sparringpartnern wie (den Webmovies) Ultimate Round, Go For It, dem Unleashed, dem We Are Legends, dem Chasing the Dream oder dem aktuellen One Second Champion speist:
Als der preisgekrönte Boxer Zhou Shi [ Han Geng ] nach einem gewalttätigen 'Zwischenfall' in einer Bar und anschließender sechsjähriger Haft wieder entlassen wird, steht er vor den Scherben seines Lebens. Während dem unfreiwilligen Aufenthalt hinter Gittern ist seine Freundin und die Mutter der gemeinsamen Tochter Blithe [ Elena Cai ] während eines Unfalls verstorben, zudem gibt ihn Ms. Fang [ Vivian Wu ], die Mutter der Verstorbenen und Blithes Oma die Schuld an dem Tod und klagt das Sorgerecht für die Zehnjährige ein. Als das Kind zusätzlich an Leukämie erkrankt, macht sich Zhou Shi erstmals wieder zum Training und einem Comeback bis hin zum Titelkampf gegen Igawa Yuji [ Ryudai Onikura ] auf.
Mit einem Triumph wird begonnen, mit einer Tragödie fortgeführt, eingebettet in einer Rückblende, die sechs Jahre umfasst und aus der Erzählung einer damals noch nicht geborenen Tochter besteht. Ein offizieller Kampf im Ring vor Menschenmassen vor Ort und der Weltöffentlichkeit vor den Medien, dann eine 'private' Barschlägerei als Rachefeldzug, die die Geschichte binnen Minuten aus einem Sportlerdrama zum Actionfilm hin wechseln lässt und anschließend fast zum Gefängnisfilm mutiert. Ein Wechsel der Szenerie und des Genres, ein Zusammenfassen der Hintergründe der Geschichte, die fast interessanter als die eigentliche Erzählung sind, das Eröffnen der Möglichkeiten zum Begehen mehrerer narrativer Türen und damit vielfältiger Wege, die dann allesamt doch wieder nur zum Sportlerdrama und seinen Konventionen zurückführen.
Zwei Stunden Zeit hier nimmt sich Regisseur (und erstmals auch Co-Autor und Produzent) Chow, 120min für seinen sechsten Film, neuerdings mit verstärkt chinesischer Beteiligung vor und hinter der Kamera und weiterhin mit gutem Geld und kräftiger Finanzierung von u. a. Media Asia Film Production Limited und China Film Media Asia Audio Video Distribution Co., Ltd. bestückt. Die Bilder sind größer als bspw. dem We Are Legends oder Unbeatable, war die Auswertung auch prominenter angedacht, die Darsteller sind bekannter, die Settings mannigfaltig und räumlich und personell gedehnt. Im Zentrum des Geschehens stehen trotzdem alsbald Vater und Tochter, beide hatten sich zuvor kaum und nicht bewusst, das Mädchen selber nur im Babyalter ihre spätere einzige Bezugsperson gesehen; nur Fotos haben die letzten sechs Jahre an Erinnerungen festgehalten, Bilder bloß von Mutter und Tochter und wo der Vater nicht dabei ist und wo der Vater fehlt. Vom Großen zum Kleinen als Wechsel der Inszenierung, vom Offensiven zu einer stillen Erzählweise, die sich bisweilen in der überschaubaren Wohnung der unvollständig gewordenen Familie und damit an einer Art Rückzugsort, aber ohne Komplettierung und so in einem brüchig gewordenen Hafen des Lebens aufhält.
Die Szenen in der Großstadt selber sind beweglich, wird schon durch den gezwungen eingeschlagenen (Behelfs)Beruf als Kurierfahrer ausführlich in der Metropole von Shanghai aufgetreten, interessant ist das Dargebotene an Architektur und gesellschaftlichen Leben in dem 15 Millionen Einwohner-Moloch für die Zuschauer des HK-Kinos natürlich nicht; helfen tut etwas die Darstellung der Repressalien hier, indem sowohl dem Ex-Sträfling seitens gleich mehrerer Beteiligter, darunter auch des alten Boxvereines die kalte Schulter gezeigt wird als auch die Resozialisierung von Arbeitgebern eher behindert als auch die als minderwertig angesehene Tätigkeit als motorisierter Lieferant von der Umgebung her missachtet und schikaniert; die Industriestadt als kalt wirkende Kapitale, die ihre Menschen abstumpft und sie in der Anonymität und Ekpathie verliert. Später kommen noch Faktoren wie keine Krankenversicherung, keine Möglichkeit auf Kinder-Krankentage und ein merkwürdiges Verständnis vom Gesundheitswesen hinzu, diverse operative Eingriffe beim Kind bei vollem Bewusstsein, die eher wirken, als kehre der Regisseur zu seinen Debüt-Thrillern um Murderer und Nightfall zurück.
Wenigstens die Wohnung wird bunter und freundlicher über die Zeit, in den Farben und den Details aufgefrischt und aufgehellt, die Situation selber nimmt durch den Zuwachs an Personen in der Geschichte auch kurz eine positive Wendung, durch den Auftritt von Philip Keung als ehemaligen Gefängnisinsassen, der damals schon geholfen hat und jetzt auch der Erste ist, der wieder die Hilfe am Anbieten ist; dann ein weiterer negativer Kniff mit Vivian Wu als Großmutter, die zwar eingangs gar nichts von der nunmehr schon schulpflichtigen Enkelin weiß und auch mit der Tochter im Bruch auseinander gegangen ist, aber nun gleich die Anwälte mit Klagen auf das Sorgerecht bemüht. Dramaturgisch und auch emotional ist der Film in derlei Momenten alles andere als feinfühlig, immer eklatant grob und drüber gezeichnet und reichlich schwarz/weiß auch geschmückt. Zwischendurch hilft das bloß noch die Stummschaltung, um das ganze fiktive Elend wenigstens etwas abzuschwächen. Dialoge rascheln nach Papier und sind zumeist auch in der Länge unnötig, außerdem folgt auf jede gute Idee eine schlechte, wird bspw. die Trainingsmontage im letzten Viertel mit einem furchtbaren Kinderlied zugeplärrt; auf die zwei Stunden Laufzeit kommt man durch Füllmaterial und Entbehrliches, in denen das Kind die meiste Zeit auch erwachsener ist als der hier geschriebene Vater und die Großmutter und die Filmemacher gleich mit.