Review

Die schlimmsten Hinrichtugnen gibt es auch in diesem Tokugawafilm bereits während die Titelsequenz des Vorspanns abläuft, quasi wohl als Aushängeschild, allerdings ohne erkennbaren Zusammenhang zur folgenden Geschichte. In der geht es um eine melodramatisch konstruierte Liebelei, die sich gemeinerweise nicht entfalten kann und aufgrund von Bösewichten zum Leidwesen der beiden Betroffenen brach liegt, während in einem zweiten Handlungsstrang zwei der besten Tätowierer im traditionellen Japan um die Gunst des Shoguns arbeiten, ein Wettstreit, der deutlich über das normale Maß von künstlerischem Eifer hinausgeht und ebenso in das Titelgebende Rotlichtmilieu eingebunden ist, wo der dritte Handlungsstrang um erniedrigte, gefolterte Frauen spielt, die sich ihres Schicksals als verurteilte Verbrecherinnen mit Kennzeichnung in Form von Tätowierungen zu erwehren versuchen. Um ihre Schulden abzudienen gerät eine Jungfrau in jenes Bordell, dorthin verschleppt vom finsteren Gefängnisverwalter, der mit Mädchen handelt. Dort unter "Den Tätowierten" erleidet sie vielerlei Qualen, wie sie Ishii bis dato wohl noch nicht so surreal mit einer teils freien Handkamera einfangen liess. Auch bei den Tätowierungen, besonders denen des Höllenkünstlers, verabschiedet man sich deutlich vom klassischen Irezumi und wagt sich, die Entstehungszeit ganz offen preisgebend, in psychedelische Gefilde vor, verstärkt von fluoreszierenden Werken in der Haut, die unter Schwarzlicht erst ihre ganze Pracht zeigen. Dies sorgt mitnichten für eine pseudodukumentarische Atmosphäre, wie es "Tokugawa" noch vorgab, sondern bindet hippieske Ansichten in die traditionell japanischen Dekors mit ein. Zum Großteil handelt es sich dennoch um einen klassischen Folterfilm, der in seinen reichhaltigen Ausbeutungsszenen Freunden des Bondage gefallen dürfte. Neben viel nackter Haut ist die Darstellung von roher, blutiger Gewalt etwas zurückhaltender, allerdings und bei weitem nicht so zurückhaltend wie im Nachfolger "Der Wüstling", der mehr Sexfilm als alles Andere war. Erotisierende Fesselszenen und frauenverachtende Gewalt sind ein gefundenes Fressen für die altertümliche deutsche Synchro, die man tunlichst umgehen sollte, um die sündhafte Atmosphäre des Molochs zwischen derben Männerfiguren, Drogenlastern und schändlichen Intrigen in seiner ganzen Dramatik geniessen zu können. "Tokugawa 2" ist ein rundum interessanter Vetreter seines Genres, wer sich dem Thema der traditionellen Tätowierungen in Verbindung mit Erotik adäquater, doch nicht weniger dramatisch nähern möchte, dem sei der fantastische "Irezumi" empfohlen. Interessanterweise zieht Regisseur Teruo Ishii seine Fortsetzung um die Brutalität während der Tokugawa-Dynastie grundsätzlich einmal anders auf und erzählt nicht , wie in den meisten anderen Teilen dieser Reihe, nacheinander kurze, in sich abgeschlossene Episoden, sondern lässt diese parallel verlaufen und verknüpft sogar einige Figuren miteinander, dass es für diese Art von Exploitationfilm regelrecht wunderbar ausgeklügelt ist. Dennoch bleibt er sich und seinem Publikum mit den Inhalten treu und macht sich die sagenumwobene Härte der damaligen Sitten und Gesetze zunutze, um sie anhand von Erniedrigung, Folter und Mord, insbesondere an Frauen, zu demonstrieren. Politisch korrekte Unterhaltung waren Ishiis Filme wohl noch nie, auch nicht bei den letzten Streifen wie "Japanese Hell", sondern sehr offene, meist offensive Sexploitation mit Hang zu Sadismen, mit Elementen von W.I.P-Filmen sowie blutigen Eastern- bzw. fiesen Folterfilmen bis hin zu Splattereinlagen. Dieses Werk ist dafür ein Paradebeispiel, aber auch ein filmisches Stück Exploitation, das sich in seiner Wiederholung der expliziten Szenen, wie der finalen Zweiteilung, an seine Vorgänger wie "Tokugawa" anschließt.

Fazit: Ein bemerkenswerter Vorläufer der Körperkunst- und Bondagefilme im Exploitationbereich. Fans von Teruo Ishii sollten einen Blick riskieren. 6/10 Punkten

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