Review

Alpakas auf Abwegen


H.P. Lovecraft ist einer der wichtigsten Horrorautoren ever. Filmische Adaptionen seiner tentakeligen Stoffe hatten es immer schwer, ihm gerecht zu werden. Da musste man eher in Richtung freieren Interpretationen suchen, wie etwa „The Thing“ oder „Cabal“, um wirkliche Perlen zu finden. „Color Out of Space“ schickt sich nun an, aber immerhin die beste Version dieser berühmten Kurzstory zu werden - was bei den meist mediokren Vorgängern im Geiste jetzt aber auch nicht die aller riesigste Errungenschaft gewesen wäre (obwohl „Das Grauen auf Schloss Witley“ definitiv schon fein, einmal sehenswert ist). Und immerhin würde ich Stanleys neuesten Streich, nach einem viel zu ausgiebigen Langfilm-Hiatus, zumindest in seinen besten Momenten, mit ins obere Regal seiner strangen, verstrahlten Familie stellen...

Erzählt wird von einem Meteoriteneinschlag vor dem abgelegenen Haus einer fünfköpfigen Familie, die u.a. Alpakas in ihrer Scheune beherbergt und die schnell durch die neonrosane Strahlung und das leuchtende Gestein böse beeinflusst und zutiefst verändert wird... Ein wenig erinnert Stanleys „große“ Rückkehr an Teile von „Annihilation“, es handelt sich um kosmischen Terror, um einen astreinen Alpaka-Alptraum, um Strahlung und Gier, Umweltverschmutzung und familiären Zusammenhalt + Bruch, um Fleisch und Eindringen in dieses, um Verschmelzung und Invasion. Die Farben und Formen knallen schön rein, Cage ist voll in seinem Element (selbst wenn er manchmal wie ein übertreibender Fremdkörper wirkt, was aber natürlich fast auch schon wieder zum Thema passt!) und es gibt durchaus ein paar ziemlich eklige Ausschläge. Im Finale geht’s sogar spektakulär und rauschartig in trippige Sphären und alles wirkt schön apokalyptisch, endgültig, greifbar. In einer Zeit von neuen Viren und universeller Unsicherheit mehr denn je. Leider kommt „Color Out of Space“ recht schwerfällig aus den Puschen, Hintergründe bleiben vage, Figuren bleiben Schablonen und ich hätte lieber mehr handgemachten Horror als welchen aus dem Rechner gesehen. Denn das CGI wirkt hier nicht immer optimal und manchmal wird man das Gefühl nicht los, dass die Vision, die Vorlage, die Gefahr und die Welt, um einiges größer sind, als es die Möglichkeiten (finanziell wie kreativ) hergaben. Für nun neugierige Fans der genannten Parteien und Einflüsse ist diese bunte Missgeburt von Collage dennoch einen Blick wert. 

Fazit: die unheimliche Begegnung der pinken Art - schön dass Richard Stanley wieder da ist, schön dass Nic Cage nicht angekettet wird und schön dass Lovecraft wieder stark angesagt scheint. Und dennoch ist „Color Out of Space“ alles andere als durchgehend unterhaltsam oder wirklich gut, manchmal eher zäh und oberflächlich. Nie so stylisch wie „Mandy“, nie so fies wie „The Thing“, nie so episch, ikonisch, wegblasend wie die Vorlage. Letzteres ist aber immerhin auch kaum möglich... 

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