Review

Gesamtbesprechung

Inhalt:
Charlie Manx ist ein Mann, der in seinem Rolls Royce Wraith Kinder für das Christmasland entführt. Ihre Eltern vernachlässigen sie und Charlie muss sie einfach retten, und um das zu erreichen, entführt er sie ins Christmasland. Doch die Kinder merken gar nicht, dass sie sich zu Monstern mit rasiermesserscharfen Zähnen sowie einem Blutdurst entwickeln. In die Abgeschiedenheit im arktischen Christmasland kann nur der Wraith gelangen. Die Kindern werden dort nicht altern und es herrscht die gesamte Zeit Weihnachten.

Victoria McQueen ist eine starke Kreative, die eine Gabe hat Dinge wiederzufinden. Mit Hilfe ihrer Abkürzung, einer Brücke, die sie in ihren Gedanken erschaffen kann, und ihrem "Messer", einem Cross-Motorrad, kann sie direkt zu verschwundenen Personen und Dingen gelangen, jeweils immer zum Preis von Kopfschmerzen und einem blutenden Auge. Eine weitere Kreative ist Maggie Leigh, die ihren Beutel befragt und eine Antwort über Scrabble-Steine bekommt. Jedoch bestraft sie die Gabe mit epileptischen Anfällen. Und so bezahlen beide einen hohen Preis dafür, dass sie übersinnliche Fähigkeiten besitzen. Maggie und Victoria setzen alles daran Charlie Manx aufzuhalten. Und sie erkennen, dass Manx einen Komplizen braucht, denn ohne diesen schafft er es selbst nicht, die Kinder zu entführen. Und sie sehen außerdem, dass das Leben von Manx mit dem Rolls Royce Wraith verbunden ist. Und so machen sie Jagd auf ihn, mit dem Ziel die Kinder zu retten und Manx zu vernichten.

Wertung:
Bevor ich die NOS4A2 gesehen hatte, habe ich mich immer gefragt, welche chemische Formel damit dargestellt wird (sowas wie Stickstoffmonooxid-Schwefel, wobei es kein Element mit einfachem "A" gibt), dabei ist ausgesprochen das Ganze als "Nosforeightwo" (= NOSFERATU) zu sehen und das trifft die Bezeichnung dieser Serie, die in zwei Staffeln mit jeweils zwei Staffeln mit 10 Episoden und zu etwa 45 Minuten Folgenlänge vorliegt, recht gut. Es wird die fortlaufende Geschichte von Charlie Manx erzählt. Gegenspieler zu ihm, sind Victoria McQueen und Maggie Leigh. Alle drei haben übersinnliche Kräfte: Manx kann sich regenerieren, auch wenn er fast schon tot ist und dafür ist er mit seinem Rolls Royce Wraith verbunden. Viktoria McQueen kann Dinge über ihre Abkürzung finden und Maggie Leigh kann über ihren Beutel Antworten auf ausgesprochene Fragen bekommen. Dadurch ergibt sich ein sehr gutes Mystery-Konstrukt, denn eine richtige Horror-Serie ist es nicht geworden.

Mehrere Fragen bestimmen den Fortgang der Serie: Warum werden die Kinder ins Christmasland gebracht? Wie bekommt man sie dort wieder heraus? Und wie kann man Manx bekämpfen? Das stellt die Serie in gekonntem Rahmen dar. Ob das genau der Buchvorlage "Christmasland" von Joe Hill entspricht, ist mir bisher noch nicht bekannt.

Die Charakterauswahl

Charlie Manx
Das Leben von Charlie ist mit dem Wraith und auch mit dem Christmasland verbunden. Je nach Zustand des Ortes oder des Autos geht es auch Manx mal besser und mal schlechter, doch solange eins der beiden existiert, existiert auch Manx. Seine Erscheinung wechselt dadurch von ganz alt fast einer beginnenden Verwesung gleich bis hin zu mittlerem Erwachsenenalter. Es haftet ihm immer ein Charme des Antiquierten an, denn allein durch seine Ausdrucksweise und Kleidung wirkt Manx auch alt, und das passt hier sehr gut. Durch die Bezeichnung NOS4A2 an seinem Wagen assoziiert man Manx mit dem Charakter des Teufels. Erst im Nachhinein habe ich in einer Zusammenfassung gelesen, dass Manx ein sich von Kinderseelen ernährender Vampir sei. Das ist leider in 20 Folgen nicht so herausgekommen.
Die Geschichte von Manx wird über den Verlauf der gesamten Serie erzählt, und es gibt dort mehr zu erfahren, als nur die Verbindung mit dem Wraith.

Victoria "Vic" McQueen
Victoria ist eine äußerst kreative Person, die unbedingt auf das College möchte und Kunst studieren will, doch sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen. Ihr Vater Chris ist Alkoholiker und hat ständig Streit mit seiner Frau Linda, so dass es im Verlauf zur Trennung kommt. Victoria flüchtet sich deshalb immer und immer wieder in Spritztouren mit ihrem Motorrad. Und sie zieht sich immer weiter in ihre eigene, kreative Welt zurück, und kann dadurch die über die gesamte Serie so wichtige Abkürzung erschaffen, die sie allerdings auch nur mit ihrem Motorrad benutzen kann. Sie lernt eben über diese Abkürzung Maggie kennen, und nur durch diese Kombination kommt es zu einem Gegenpart zu Manx.
Als spätere Mutter hat sie auch im Sinne ihres Kindes ein Interesse daran, dass Manx für immer von dieser Welt verschwindet.

Maggie Leigh
Die zweite Kämpferin für das "Gute" in der Serie, die mit Vic zusammen Manx gegenübersteht. Ihre "Waffe" ist ein Stoffbeutel mit Scrabble-Steinen, und jedes Mal, wenn sie eine Frage stellt, verschwindet ihr Arm bis zum Ellenbogen im Stoffbeutel und sie holt die Steine hervor und kann dadurch zu einer Antwort gelangen. Das Lichtflackern während des In-den-Beutel-Greifens verstärkt den Eindruck, dass es sich dabei um Zauberei handelt. Der Preis jedoch ist hoch, denn es kommt bei Maggie zu epileptischen Anfällen, und sie muss eine Lösung dagegen finden, bevor diese Anfälle sie umbringen.

Diese drei bilden das Grundgerüst der Serie und sind schauspielerisch exzellent besetzt worden. Es sind aber auch zahlreiche Nebendarsteller vorhanden:

Bing Partridge
Bing kann auch eventuell auch als Hauptcharakter zählen, wobei er gerade anfangs nicht ganz so stark in den Verlauf involviert war. Er war anfangs noch Hausmeister in der Highschool von Victoria. Und er liebte es, wenn sie ihm immer Comics mitgebracht hat. Er kommt eher schmierig rüber, wirkt unintelligent wennnicht gar dumm, ungepflegt und ist stark übergewichtig. Mehr durch einen Zufall wird er Helfer von Charlie Manx, ohne dass Victoria das ahnen konnte. Sie war immer gut zu Bing, doch er scheint doch etwas mehr für Victoria zu empfinden, als das ihr lieb sein kann. Als Charakter ist er sehr passend auf der Seite von Charlie Manx aufgehoben und essentiell für den Fortgang der Serie.

Chris McQueen
Der Vater von Vic ist Alkoholiker und übt einen starken Einfluss auf Victoria aus, bekräftigt sie aber ständig darin, am Motorradfahren festzuhalten. Damit steht er gegen Vics Mutter, die ganz und gar dagegen ist. Trotz stärksten Alkoholexzessen war er nie gewalttätig gegenüber seiner Tochter, so dass zwischen beiden ein Vertrauensverhältnis besteht. Leider führt dies aber auch zu gewissen Verhaltensweisen von Victoria (besonders anfangs der 2. Staffel), die so eigentlich nicht von ihren Eltern geplant gewesen waren. Chris ist der einzige aus der Familie, der von Anfang an auf Victorias Seite ist.

Lou Carmody
Lou ist der spätere Partner von Vic, mit welchem sie ihr Kind großzieht. Sie lernt ihn am Ende der ersten Staffel kennen, aber er ist nicht der Vater von Wayne. Er begleitet Vic mit Voranschreiten der Serie auf die Jagd nach Manx. Als Charakter zwar gut gedacht, jedoch hätte man ihn in der Serie wahrscheinlich auch durch einen anderen Schauspieler austauschen können, da er ein wenig zu unscheinbar ist. Allein schon, dass ich den Namen nachsehen musste, sagt einiges über die Integration des Charakters in der Handlung der Serie aus.

An weiteren Charakteren sind Milly, die wirkliche Tochter von Manx, als auch der Sohn von Victoria (Wayne McQueen) von Bedeutung. Die gesamte Serie dreht sich um die Kinder und wie diese gerettet werden können. Es ist manchmal aber nicht klar, ob die Kinder nun wirklich leiden oder ob es ihnen im Christmasland sogar gefällt. Das Christmasland bleibt in der Serie leider ein geheimnisvoller Ort, über welchen wenig Hintergründe erzählt werden. Suggeriert wird durch die lange Fahrt dorthin eine Lage im hohen Norden inmitten von Wäldern, und ja, man kann auch vermuten, dass das Zuhause des Weihnachtsmanns ähnlich aussehen könnte.

Die Hintergründe von Manx vorherigem Leben sind recht gut dargestellt, so dass eine kleine Erklärung geliefert wird. Dass er jedoch ein Vampir sein soll, kann man leider nicht wirklich erkennen (und das weiß ich auch nur sekundär). Vieles bleibt jedoch auch unbeantwortet. Warum ist zum Beispiel ausgerechnet das Auto mit Manx verbunden? Etwas mehr Tiefe wäre schön gewesen, ist aber nicht zwangsläufig erforderlich. Eine dritte Staffel wird es nach jetzigem Stand leider nicht geben. Für eine solche wäre aber noch genug Freiraum und Darstellungsmöglichkeit übrig. Gerade die Schlussszene wirft leider noch unbeantwortete Fragen auf, die auch wohl nicht weiter geklärt werden können.

Für eine Serie mit 20 Folgen ist der Unterhaltungswert recht hoch, da mich immer interessiert hat, wie die nächste Folge gestaltet wird und wie es weiter geht. Deshalb konnte ich die komplette Serie innerhalb von wenigen Tagen hintereinanderweg sehen.

Die Effekte sind, vor allem was die Verwandlung von Manx angeht, ziemlich gut. Auch die virtuelle Brücke ist sehr gut an ihren jeweiligen Ort konstruiert worden. Die Effekte in der Leichenhalle sind vom Ekelheitsfaktor noch hervorzuheben. Richtig große Horror- oder Splattereffekte gibt es nicht, aber das braucht diese Serie auch nicht, da sie ansonsten wahrscheinlich nur schwieriger zugänglich gewesen wäre.

An schauspielerischer Leistung ist Ashleigh Cummings (als Vic McQueen) hervorzuheben, wenngleich auch das keine absolute Glanzleistung war. Es gibt ansonsten aber keine großen Ausreißer nach oben oder unten. Zachary Quinto als Manx hat ebenfalls gut gespielt, aber durch die vielen unterschiedlichen Zustände des Charakters kommt der schauspielerische Wert etwas weniger zur Geltung. Auch die Wichtigkeit der weiteren Charaktere hält sich ansonsten etwa auf einem Level. Dabei sind auch nicht zu viele involviert, so dass der Überblick und die Story an sich gewahrt bleiben. Letztere rückt damit auch mehr in den Fokus, als es jeder einzelne Charakter für sich sonst in Anspruch nehmen würde.

Insgesamt, ohne die Buchvorlage zu kennen, kann ich für NOS4A2 07/10 Punkten guten Gewissens vergeben. Die Serie hält den Zuschauer gut bei Laune ohne extremen Tiefgang zu bieten. Für Mystery- oder Joe Hill-/Stephen-King-Fans aber wohl empfehlenswert oder sogar ein Muss.

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