Review

Kennen Sie das auch, wenn Sie eine bestimmte Person, sei es einen Autor, einen Darsteller oder einen Regisseur, mit Erwartungen verknüpfen, welche Ihnen suggerieren, eine Anschaffung wäre erstrebenswert? So erging es mir wenn ich ehrlich bin auch mit Liam Hemsworth, welchen ich aus Sylvester Stallones Action-Kracher Expendables 2 (2012) recht positiv in Erinnerung hatte. Sein Name und der actionversprechende Titel Killerman erzeugte bei mir für den 2019 erschienen Actionkrimi einen nicht zu unterdrückenden Kaufimpuls, während der günstige Preis von 4,99 Euro den Eindruck untermauerte, da kannst du eigentlich nichts mehr falsch machen. Weit gefehlt, auch unter diesen vielversprechenden Voraussetzungen ist bei der Ryan R. Johnson Produktion eine derbe Enttäuschung möglich, Action ist so gut wie keine vorhanden und auch als unterhaltsamer Gangsterfilm fällt Killerman für mich durch. Grottige 26% Userzufriedenheit auf dem Bewertungsportal Roten Tomatoes (Durchschnittspunktzahl 3,5 von 10) und ein unterirdisches weltweites Kinoeinspiel mit knapp 619 Tausend Dollar deuten darauf hin, dass ich mit meinem finalen Urteil nicht ganz alleine da stehe.

Regisseur Malik Bader, welcher mit dem besprochenen Killerman nach eher unbekannten Werken wie Street Thief (2006), Crush (2013) und Cash only (2015) seine bereits vierte Regiearbeit ablieferte, ließ es sich nicht nehmen, dass Drehbuch beizusteuern und die kleine Rolle des korrupten Polizeiassistenten Martinez selbst auszufüllen. Böse Zungen könnten behaupten, er hätte sich doch lieber mal auf eine Kernaufgabe konzentriert, anstatt sich anscheinend überfordert im Multitasking zu versuchen, was meiner Meinung nach auch den etwas unausgegorenen Eindruck der genannten Teilbereiche erklären könnte. Die konventionelle Gangster Geschichte bietet zwar interessante Ansätze, welche aber unglücklicher Weise nur halbherzig weitergeführt wurden und somit am Ende des Tages nicht über den Status gut gemeint, aber schlecht gemacht reichen. Der Kleinganove Moe (Liam Hemsworth) entwendet mit seinem Partner Skunk (Emory Cohen) von dessen Onkel, dem Mafiaboss Perico (Zlatko Burik), Drogengeld für ihren ersten gemeinsamen großen Coup mit afrikanischen Dealern. Wie es nicht anders zu erwarten war, geht das Geschäft schief, weil die korrupten Gesetzeshüter Leon Duffo (Nikola Shreli) und Martinez (Malik Bader), welche selbst in illegale Machenschaften verwickelt sind, die Übergabe stürmen und Moe bei der anschließenden Flucht durch einen Autounfall sein Gedächtnis verliert. Als Skunk entführt wird und Moes schwangere Freundin Lola (Daine Guerrero) im Eifer des Gefechts eine tödliche Kugel abbekommt, will Moe nur noch eins: Blutige Rache....

Wussten Sie, dass das menschliche Gehirn nur 7 Sekunden bei einer neuen Begegnung benötigt, um über Interesse oder Ablehnung zu entscheiden? Der erste Eindruck von Killerman fiel für mich dementsprechend ernüchternd aus, denn die trostlose, triste, beabsichtigt verwaschene, grobkörnige Optik des auf 16mm-Schmalfilm analog gedrehten Streifens lässt das Werk wie eine 30 Jahre alte TV Produktion aussehen, was eventuell von manchem Nostalgiker als innovativ gefeiert wird, mein Geschmack hat das Stilmittel jedenfalls nicht getroffen. In dieses Bild reihen sich dann mühelos auch die größtenteils austauschbaren, blassen und abstoßenden Darsteller ein, welche einen Wettbewerb um die unsympathischste Filmfigur ever veranstalten. Hemsworth wirkt gelangweilt, akzentlos und überfordert, während sein Kollege Emory Cohen mit seinem jämmerlichen Gesichtsausdruck und seinen mimosenhaften Gebaren die Nerven des Publikums gehörig strapaziert. Der linke Polizist Leon Duffo (Nikola Shreli) und der schleimige Mafiaboss Perico (Zlatko Burik) werden von unliebsam wirkenden Schauspielern verkörpert, wenn ich ihre auf mich erzeugte Ausstrahlung als abstoßend beschreibe, habe ich sicherlich nicht übertrieben.

Aber eigentlich kommt es doch auf die inneren Werte an, oder etwa nicht? Bei Killerman passen auch diese nur bedingt, da den Charakteren schlicht und ergreifend die Tiefe fehlt, was natürlich auch auf Kosten der Zuschaueridentifikation geht. Aus dem anfänglich interessanten Mafiosi-Plot mit dem Potenzial versprechenden Schicksalsschlag des Gedächtnisverlustes konstruiert Malik Bader eine voraussehbare, gähnend langweilige, überlange 118 minütige Schlaftablette mit einem abstrusen Finale, welches jeder Beschreibung spottet. Moes Amnesie hätte reichlich Raum für verzwickte Handlungswendungen und Spannungsaufbau eingeräumt, stattdessen wird eine Alibi-Motivation für dessen halbgaren Rachefeldzug hingerotzt, während  grenzwertige, sadistische Foltermethoden von der gebotenen Belanglosigkeit ablenken sollen. Deshalb gebe ich Ihnen einen gut gemeinten Rat: Sollten Sie Schlafprobleme haben, nutzen Sie Killerman als gute Nacht Lektüre, denn eine Sichtung ohne Nickerchen gestaltet sich leider als trauriges Ding der Unmöglichkeit.

Wenn dann wenigstens bei all den inhaltlichen Unzulänglichkeiten die Action überzeugen könnte, müsste ich nicht von einem knallharten Totalausfall sprechen, aber auch hier enttäuscht Killerman auf ganzer Linie und das nicht zu knapp. Die spärlichen Schusswechsel sind unübersichtlich und dilettantisch mit einer grauenvollen Wackelkamera realisiert und die lahme Verfolgungsjagd, bei welcher Moe sein Gedächtnis verliert, bietet alles, nur kein Spektakel. Trotz ein paar vereinzelt auftretender Gewaltspitzen, welche durch ihre unvorteilhafte Inszenierung deutlich an Wirkung verlieren, ist die 18er Freigabe der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft für die ungeschnittene Version eine mittelschwere Farce,  da sich trotz sporadischem Bluteinsatz und dem ein oder anderen makaberen Einfall die Brutalität spürbar in Grenzen hält. 

So ist Killerman abschließend nichts weiter als nutzlose Zeitverschwendung und mit dem berühmt berüchtigten Griff ins Klo gleich zusetzen. Die wenigen brauchbaren Gedankengänge werden durch die mangelhafte Figurenzeichnung, die biedere Optik, die bedauernswerte Tristesse, die grauenhaften Akteure und die akute Actionarmut in jeglichem Keim komplett erstickt. Wenn ich bei der goldenen Himbeerverleihung ein Wörtchen mitzureden hätte, würde Killerman alle relevanten Anti-Titel abräumen, vom schlechtesten Schauspieler bis zum miesesten Film, da er die mit Abstand dürftigste Unterhaltung bietet, welche ich seit langem ertragen musste. Selbstverständlich dürfen Sie sich selbst ihre Meinung bilden, aber dann bitteschön auf eigene Gefahr, möge ihnen Killerman besser gefallen, als wie mir. MovieStar Wertung: Nicht diskutable und völlig verdiente 2 von 10 Punkte


Details
Ähnliche Filme