Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (6)
MONSTER ISLAND
(MONSTER ISLAND)
Mark Atkins, USA 2019
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Und wieder etwas aus dem Schaffen meiner Lieblings-Schundschmiede „The Asylum“: Ganz im Sinne ihrer Firmenphilosophie ist Monster Island ein klassischer Mockbuster, und zwar zu Michael Doughertys 170-Millionen-US-Godzilla-Ableger Godzilla II - King of the Monsters, der mich seinerzeit bitter enttäuscht hatte. Es bestand also durchaus wieder einmal die Möglichkeit, dass mir eine (wenn auch aus niederen Beweggründen gedrehte) Billig-Kopie besser gefällt als ihr groß angelegtes und sündhaft teures Vorbild.
Held des Geschehens ist, wenn man so will, der milliardenschwere, aber nicht ganz unumstrittene Unternehmer Billy Ford, der sein Geld mit Unterwasserbergbau verdient. Als seiner Mitarbeiterin Cherise und seinem Mitarbeiter Riley bei eigenmächtigen Meeresbodenuntersuchungen auf rätselhafte Weise ein teures Tauchgerät zerstört wird, schreitet er zur Tat und will die Angelegenheit vor Ort untersuchen. Gemeinsam mit Cherise, Riley und der ungebeten hinzugestoßenen Meeresbodenbehördenvertreterin und Geomythologin (!) Sarah geht es per Tauchboot in die Tiefe – mit dem Ergebnis, dass sie ein riesiges Lebewesen aufscheuchen. Es handelt sich um eine Art sechsarmigen Hundert-Meter-Seestern, der aus unerfindlichen Gründen zahlreiche Lampen an den Armen hat, von unseren Protagonisten ganz selbstverständlich als „Kaijū“ bezeichnet wird und relativ gereizt wirkt.
Billy und seine Begleiter überleben diese Begegnung nur mit viel Glück, fühlen sich aber als geborene Helden dazu berufen, das Problem zu beheben – und dies auch auf eigene Faust, da ihnen das Militär in Person des Generals Horne jede Hilfe verwehrt. Allerdings müssen sie sich beeilen: Der Riesenseestern hat schon Kurs auf die Küste genommen und steuert irgendeinen Supervulkan an, um sich dort an frischem Magma zu laben. Der dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit hervorgerufene Ausbruch des Vulkans aber würde die gesamte Erde meterdick mit Asche überziehen und eine Eiszeit verheerenden Ausmaßes zur Folge haben – es steht also das Ende allen Lebens auf unserem Planeten ins Haus.
Umso besser ist es da, dass Billy und seine Leute nicht auf den Kopf gefallen sind – es gelingt ihnen, per Tauchdrohne eine Bombe in den Magen des maritimen Monsters zu steuern und zur Explosion zu bringen. Doch sie und der Rest der Menschheit kommen nur vom Regen in die Traufe: Der Seestern denkt nicht daran, an den Folgen der Gewalttat dahinzuscheiden und schießt stattdessen vor Schreck ein paar Hundert Eier durch die Gegend, denen kleine, aber fiese und emsig Feuer speiende Drachen entfleuchen (welche überraschenderweise sogar unsere Heldentruppe um eine Person dezimieren). Damit ist guter Rat fast unbezahlbar geworden, aber es gibt ihn. Geomythologin Sarah sucht ihre ehemalige Geomythologie-Professorin auf, die nach einer herben beruflichen Enttäuschung einsam in den Bergen lebt. Die weiß nun Folgendes: Der Seestern-Kaijū wird die ganze Menschheit vernichten, wenn man ihm nicht Einhalt gebietet, und der Einzige, der ihn stoppen und besiegen kann, ist der „Lebende Berg“ oder auch „Kaijū-Killer“ – sprich ein weiteres Riesenmonster. Keine Frage, dass sich Billy, seine verbliebenen Mitstreiterinnen (jetzt ist verraten, wen die Drachen erwischt haben) und die hilfsbereite Ex-Geomythologie-Professorin sofort auf den Weg zur titelgebenden Monsterinsel machen, um der Menschheit letzte Hoffnung zu wecken ...
Dass die Sache mit einem zünftigen Monsterfight endet, versteht sich von selbst – wobei, ähm ... zünftig ist er ehrlich gesagt nicht. Und auch nicht sehr lang. Aber wir haben hier schließlich einen Asylum-Film, weshalb man keine Wunderdinge oder genauer gesagt nichts, was unnötig Geld kostet und Mühe macht, erwarten darf. Damit sind wir auch schon beim zentralen, sehr eindeutig die Rezeption von Monster Island bestimmenden Thema. Der Streifen hat vielerorts heftige Kritik dafür einstecken müssen, dass er sich fast ausschließlich auf Dialoge stützt und die erhoffte Monsteraction grob vernachlässigt. Diese Ansicht kann ich nur bedingt teilen. Natürlich fällt ins Auge, dass man die Helden immer und immer wieder im U-Boot-Cockpit sitzen, an diversen Steuerknüppeln herumwürgen und auf irgendwelche scheinbar äußerst interessanten, uns Zuschauern aber vorenthaltenen Ereignisse hinter Billys Rücken starren, aber so etwas ist in Produktionen wie Monster Island nicht ungewöhnlich und kann sogar noch wesentlich ausgeprägtere Formen annehmen (mir fällt sofort der Nazidrachenheuler P-51 Dragon Fighter aus dem Hause Archstorm ein, in dem man gefühlt wochenlang nur Großaufnahmen der verkrampften Gesichter von Kampfjetpiloten in ihren Cockpits sieht – dieser Streifen stammt übrigens, was eventuell doch nachdenklich stimmen sollte, ebenfalls von Mark Atkins ...).
In der vorliegenden Arbeit bleibt den Monstern indes durchaus ein wenig Screentime, und es gibt sogar zwei, drei kurze, aber recht aufwendige und eindrückliche Drachen-„Massenszenen“. Zudem sind mir schon wesentlich minderwertigere Dialoge begegnet als hier – obgleich das ständige Gerede von „Kaijūs“ doch leicht verstörend ist. Dennoch: Monster Island hält sich zumindest in meinen Augen deutlich besser als zu erwarten war. (Die Bedeutung subjektiver Faktoren soll damit natürlich nicht in Abrede gestellt werden – ich für meinen Teil kann beziehungsweise konnte mich eben schon herrlich über mehr oder weniger bekloppt in die Gegend starrende C-Klassen-Mimen amüsieren).
Auch visuell verliert Monster Island nicht jede Würde – der Streifen kommt im gewohnten TV-Format daher und weist zumindest bei den Außenaufnahmen eine tadellose Bildqualität auf, während die vielen U-Boot-Cockpit-Szenen in ein fast monochromes Blaugrau getaucht sind. Die Trickeffekte gehören derweil ganz eindeutig zu den besseren aus dem Hause Asylum. Damit sind sie natürlich noch nicht einmal annähernd gut, aber mit genügend Wohlwollen kann man sowohl die meisten U-Boot-Aufnahmen als auch die Monster (abgesehen vom bizarren Design des „Kaijū-Killers“) durchwinken, und die gelegentlich auftauchende Lava ist um ein Vielfaches glaubwürdiger geraten als in den meisten anderen Asylum-Streifen, in denen sie schon zu Gast war. Über Flammen und Explosionen soll derweil der Mantel der Barmherzigkeit gelegt werden.
Zu den Gründen, aus denen heraus ich überraschend viel Freude an Monster Island hatte, zählen auch die Darsteller – ungeachtet (zum Teil aber auch infolge) der Tatsache, dass Schauspielkunst hier vollkommen abwesend bleibt, wie beispielsweise beim bärtigen und bulligen Adrian Bouchet als Billy Ford, beim blassen Chris Fisher (der mir bereits aus 6-Headed Shark Attack bekannt ist) als Riley oder bei Natalie Robbie, die als Geomythologin Sarah bisweilen bemitleidenswert hilflos wirkt. Auch Donna Cormack-Thomson lässt keinerlei Anzeichen von Talent erkennen, hat mir aber als Cherise (wenn auch unfreiwillig) eine Menge Vergnügen bereitet, weil sie besonders expressiv am Betrachter vorbei in die Ferne starrt – was vor allem die öden Cockpit-Szenen etwas unterhaltsamer gestaltet. Der Knüller schlechthin ist jedoch ausgerechnet der mit Abstand renommierteste Mitwirkende, sprich Eric Roberts, dem die Produzenten in bewährter Manier ein paar Dialogszenen zugeschustert haben, um seinen Namen ganz vorn aufs Plakat setzen zu können. Als General Horne sieht er aus wie ein knapp hundertjähriger Obdachloser, dem man eine Uniformjacke angezogen und eine entsprechende Mütze auf die fettigen Haare gedrückt hat – ein Bild für die Götter. Allein dieser Auftritt ist das Anschauen des Films locker wert. In einer kleinen, aber recht sympathischen Rolle taucht ferner mit Jonathan Pienaar als Kutterkapitän ein treuer Asylum-Darsteller auf, während der prominent neben Eric Roberts auf dem Plakat beworbene Toshi Toda ganze zwei Mal kurz im Bild ist.
Am Score haben zu guter Letzt mit Chris Ridenhour, Eliza Swenson und Chris Cano gleich drei Leute herumgewerkelt, was ein wenig verwundert, denn er klingt, als wäre mit ihm schon eine Person unterfordert gewesen. Das bedeutet in diesem Fall aber nichts Schlechtes: Die vorherrschenden ruhigen und unauffälligen Klänge sind eindeutig besser als jenes Dauergedudel, das Werke wie dieses so gern begleitet.
„Besser“ ist und bleibt auch das Stichwort für diesen Film als Ganzes: Selbstverständlich bekommt man mit Monster Island auf den ersten Blick kaum mehr als die übliche, billig zusammengeschusterte und für jeden Normalverbraucher ungenießbare Asylum-Monstergrütze der Woche geboten, aber ihr wohnen immerhin ein paar Details inne, die dem Trash-Liebhaber das Leben verschönern können. Zudem kann derjenige, der sehr gut achtgibt, darin sogar Spuren von inszenatorischer und technischer Kompetenz wahrnehmen. Ich persönlich hatte eine hinreichend unterhaltsame Zeit mit diesem Film, und wenn ich den eingangs heraufbeschworenen Vergleich zwischen Monster Island und Michael Doughertys 170-Millionen-Dollar-Hollywood-Schmonz Godzilla II - King of the Monsters ziehe, dann gebe ich tatsächlich Mark Atkins‘ Arbeit den Vorzug – allein schon deshalb, weil in ihr nicht mit wachsender Penetranz die grässliche Millie Bobby Brown auftaucht, um mir die Nerven und dem Titelhelden die Zeit zu rauben. Fest steht: Über Godzilla II - King of the Monsters ärgere ich mich noch heute gewaltig und werde es auch in der Zukunft tun – über Monster Island aber ganz gewiss nicht.
(08/21)
Objektiv 4 von 10 Punkten.