"Das Begräbnis" ist einer der Filme, die man entweder liebt oder hasst. Was zwischendrin gibts wohl kaum. Die letzteren werden sich denken, dass sie dachten, Ferrara sei ein Genie und macht gute Filme, keine so stinklangweiligen wie das einer ist. Die anderen werden es natürlich akzeptieren, weil sie Ferrara-Filme gewohnt sind. Zu denen gehöre ich. "Das Begäbnis" ist zwar nicht der Überfilm, aber dennoch ist er locker besser als 70 % der Filme, die von anderen Regisseuren stammen. Ferrara hat seinen eigenen Erzählstil, langsam, wenig Dialoge, aber dennoch unterhaltsam und kurzweilig. In den 97 Minuten, die der Film dauert, geht es eigentlich nur darum, dass der jüngste Bruder des Tempio-Clans, Johnny (Vincent Gallo) ermordet wurde. Seine beiden Brüder (Christopher Walken, Christopher Penn) wollen den vermeintlichen Mörder Gaspare (Benicio del Toro) zur Rechenschaft ziehen. Zwischendrin sieht man Rückblenden, wie die 3 Brüder gemeinsam weg waren, und gegen Ende, wer der wahre Mörder Johnnys ist. Zum Schluss endet es in einem Blutbad...
Der Film hat weder großartige Dialoge noch rasanten Schnitt noch schnelle Kamerafahrten. Eigentlich nichts von dem, was in den letzten Jahren einen erfolgreichen Film ausmacht. Aber das will Abel Ferrara auch gar nicht erreichen. Sicher schafft es "Das Begräbnis" nicht, an "Bad Lieutenant" heranzureichen, aber trotzdem ist er ein überdurchschnittlicher Film! Ein Ferrara halt. Ihm ist bewusst, dass er kein Erfolg im Kino haben wird, falls er es überhaupt war und dass auch fast nur Ferrara-Fans den Film achten werden, aber das reicht ihm. Ein kleines Filmchen ohne großen Aufwand, aber trotzdem besser als zig Mainstream-Streifen. Und das mit Leichtigkeit! Sicher nicht jedermanns Sache, sicher keine leichte und zugängliche Kost, aber auch nicht Ferrara-Fans oder Ferrara-Neulinge können ja mal einen Blick riskieren. Vielleicht ändern manche ihre Meinung bzw. ist es für manche der Einstieg zum Ferrara-Fan!8 von 10 Punkte!