Etwas mehr als ein halbes Jahr hat es gedauert, bis ich mich durch Nicolas Winding Refns amazon-Serie durchgekämpft hatte – was ja dem Erzähltempo der Serie durchaus angemessen ist.
Als langjähriger Fan von NWR, insbesondere seiner letzten „Neon-Noirs“ (DRIVE, ONLY GOD FORGIVES, THE NEON DEMON), waren meine Erwartungen an seine erste Serie entsprechend hoch. Und tatsächlich ist TOO OLD TO DIE YOUNG ein echter Nicolas Winding Refn-Film – nur eben auf 12 Stunden ausgewalzt. Die Bilder sind von ausgesuchter Schönheit, der Synthiesoundtrack tuckert im Hintergrund, auch die Genre-Stereotypen sind alle dabei, der korrupte Cop, das mexikanische Kartell, der unberechenbare Gangboss, die mysteriöse Femme Fatale etc.
Das Problem ist, dass Refns Filme nicht gerade durch ihre spannenden und komplexen Stories und vielschichtigen Charaktere begeistern, sondern vor allem durch die stilistische Überhöhung bekannter Klischees. In TOO OLD TO DIE YOUNG überzieht NWR den Style und die Langsamkeit nun bis an den Rand der Selbstparodie. Manche Einstellungen sind so lange und manche Kamera-„Pans“ so langsam, dass man wirklich der Wandfarbe beim Trocknen zusehen könnte. Und es ist natürlich immer eine ausgesucht schöne Wandfarbe. Wer sich an den Verfolgungsjagden in DRIVE nicht sattsehen konnte – hier dauern sie gerne auch mal die ganze Nacht. Untermalt von Barry Manilows „Mandy“.
Und wer nach den ersten Folgen die Hoffnung nicht aufgibt, die Serie würde doch noch durchstarten – in der zweiten Hälfte nimmt Refn das „Tempo“ fast vollständig raus. So dass man sich manchmal fragt, ob der Stream gerade noch buffern muss oder ob die Einstellung wirklich so lange dauert.