Das ist er also. Der Vater von den amüsanten Monster-Klopperein der 70er und 80er, der Großvater von dem teilweise futuristischen Mist aus jüngster Vergangenheit. "Godzilla" prägte wohl wie kein Film davor oder danach das weltliche Bild des japanischen Monsterkinos. Während die westliche Konkurrenz größenteils mit Stop-Motion-Effekten arbeitete und damit auch einen der größten Klassiker - King Kong - ins Kino brachte, beschränken sich die Japaner auf einen Kerl im Dinokostüm, der eine Modellstadt in Schutt und Asche legt.
Anders als seine stellenweise lauen Nachfolger, wartet "Godzilla" sogar mit einigen ernsten Untertönen auf, größenteils Verarbeitungen der Atomkatastrophe in Hiroshima. Es ist zwar vordergründig der riesige Godzilla, der durch die Atombombe aus seinem Schlaf erwachte, doch einige Szenen funktionieren auch ganz ohne dieses monströse Bild. Wenn Kinder schreiend und weinend unter Schock gezeigt werden, wenn die Alarmsirene anspringt und alle durch die Stadt rennen - das könnte auch der Fall der Atombombe mitsamt seiner Folgen sein.
So ist Godzilla in diesem ersten Film auch noch mehr oder weniger die Randgestalt. Ab und zu kommt er aus dem Meer spaziert und legt das halbe Tokyo lahm. Leider passiert dies aber arg selten, und obwohl der Film gleich zu Beginn den Fuß aufs Gaspedal setzt, entsteht oft langatmiges Füllmaterial. Die Nebengeschichte um ein junges Fräulein, dass sich in einen Kerl verliebt, aber eigentlich mit einem Freund aus Kindertagen verlobt ist, bremst den Film doch recht merklich. Eben genannter Freund entpuppt sich auch noch als Wissenschaftler mit nur einem Auge, der eine wundersame Erfindung geschaffen hat: Den Oxygenzerstörer.
Mit dieser Wunderwaffe, die Sauerstoff in der Umgebung zersetzt und damit praktisch alles Leben auslöschen könnte, soll Godzilla getötet werden. Der Wissenschaftler, der offenbar um die andersorientierten Gefühle seiner Verlobten weiß, opfert sein Leben, um die riesige Echse zu töten. Danach hält jemand noch eine Rede über Atombomben, und dass irgendwann, sofern wir die atomare Kraft weiter benutzen, ein schlimmeres Unheil als Godzilla kommen wird. Allein mit diesem Monolog etabliert sich "Godzilla" ins Nachkriegskino der Filmgeschichte.
Doch wie gesagt, der Film ist teilweise zu träge, zu müde, um wirklich noch aus den Schuhen zu hauen. Gefühlte Stunden wird über Godzilla diskutiert, und ehe das Vieh kurz mal aus dem Meer guckt, steht schon wieder die nächste dialoglastige Pause an. Manche Ungereimheiten mindern auch noch den Gesamteindruck. Godzilla soll ein Dinosaurier sein, der über Millionen Jahre in einer Meereshöhle geschlafen haben soll, bis die Atombombe kam. Ich stelle die Frage ungern, da einige wieder meinen, man soll solche Filme nicht ernst nehmen, aber welcher Dinosaurier soll denn so enorm lange leben?
Mein größter Kritikpunkt aber der zumindest in der deutschen Fassung auftretende Fehler der Erklärung des Professors bezüglich Godzilla. Er erklärt, dass Godzilla wahrscheinlich ein Dinosaurier des Jura ist. Schön und gut. Zufällig weiß ich, dass das Jura-Zeitalter ungefähr vor 160 Millionen Jahren in seiner vollen Blüte war. Hier wird einem nun mitgeteilt, dass das vor zwei Millionen Jahren war. Ein Reporter, der Godzilla die Stadt zerstören sieht, sagt auch noch schön "So muss es vor zwei Millionen Jahren gewesen sein". Ich hoffe, das war ein Fehler der deutschen Synchronstudios. Wäre ja eigentlich typisch.
Abschließend ist "Godzilla" sicherlich ein Kultfilm und auch ein Klassiker, aber ganz taufrisch kommt er nicht mehr rüber, was größenteils an den zwar netten, doch völlig überholten Effekten liegen mag. Darstellerisch agieren hier alle unangenehm ernst, und die langatmige Nebenhandlung zieht die schon grade mal knapp achtzig Minuten nochmal hin wie Kaugummi. Trotzdem großes Kino, und der Film hat sicherlich seinen Platz in der Filmhistorie verdient.
Fazit
Guter, noch ungewohnt ernster "Godzilla"-Streifen, der mit eben jenem ernsten Touch aber auch ein paar Längen einbringt. Hier gilt der Klassiker-Bonus.
6/10