Nachdem ein Jahr zuvor der US-Regisseur Eugene Lourie in Zusammenarbeit mit Tricktechniker Ray Harryhausen mit „Panik in New York“ einen vielbeachteten Überraschungserfolg landete, griff man in Japan die Thematik um eine durch Radioaktivität wieder zum Leben erweckte, urzeitliche Riesenechse auf und schuf mit „Godzilla“ DIE japanische Monster-Ikone schlechthin. Angenehmerweise hat der erste „Godzilla“-Film noch nicht viel mit den folgenden, naiven Billig-Trash-Filmchen gemein, sondern setzt auf eine ungewöhnlich ernste, düstere und wirkungsvolle Atmosphäre. „Godzilla“ ist voll von Parabeln auf das japanische Trauma durch die Atombombenabwürfe und mahnt, ohne aufgesetzt zu wirken, den verantwortungsvollen Umgang mit der Atom-Technologie an. Das Monster fungiert quasi als Synonym für die zerstörerische Wirkung der Atombombenexplosionen und wenn die verheerenden Folgen gezeigt werden, die Kinder weinen etc. macht sich eine beklemmende, verzweifelte Endzeit-Stimmung breit, wie es in dieser Form kaum ein anderer Subgenrebeitrag bislang vermochte. Vor diesem Hintergrund ist auch der moralische Konflikt des Entwicklers einer wirkungsvollen Waffe gegen das Ungetüm zu verstehen, der Sorge hat, dass seine Erfindung in die falschen Hände gerät und sie gegen die Menschheit eingesetzt werden könnte. Auch die integrierte unglückliche Liebesbeziehung trägt nicht sonderlich, wie sonst durchaus üblich, zur Auflockerung des Gezeigten bei, sondern wurde tragisch und dramatisch ausgelegt. Was die Effekte betrifft, hatte das US-„Original“ mit Harryhausens wunderbaren Stop-Motion-Animationen sicherlich die Nase vorn, denn für „Godzilla“ verzichtete man auf diese aufwändige und zeitraubende Technik. Stattdessen steckte man einen Mann in ein Kostüm, was der apokalyptischen Stimmung von Godzillas Auftritten aber nur bedingt einen Abbruch tut. Natürlich ist Harryhausens Dinosaurier schöner anzusehen und durch die mit ihm verbundene Arbeit sympathischer, aber die japanische Lösung ist ebenso simpel wie effektiv. Somit wirken die Zerstörungsorgien aus heutiger Sicht vielleicht tricktechnisch überholt, sind vom Trashgehalt anderer Produktionen aber meines Erachtens weit entfernt. „Godzilla“ gilt vollkommen zurecht als großer Klassiker und Referenz und ist vielleicht der intelligenteste Film seiner Art.
Diese Kurzkritik bezieht sich auf die ungekürzte japanische Fassung.