Technisch eine Offenbarung, inhaltlich ein treu-doofer Aufguss
Kein Kind, das wie ich in den 90ern wurde groß,
vergisst jemals, diesen weinenden Kloß,
als sich der kleine Simba legte in seines toten Vaters Schoß.
Wie lässt man ein solch generationprägendes Ereignis nur neu auferstehen bloß?
Doch im Wahn des monetären Erfolgs war selbst das dem Haus der Maus nicht zu heilig,
legte man diese mächtige Aufgabe in Jon Favreaus Hände, nach dessen top Dschungelbuch sogar recht eilig.
Dazu gesellt man eine Technik, die in dieser Perfektion noch nie war da,
und verpflichtet mit Beyoncé, Seth Rogen oder Donald Glover den ein oder anderen mächtigen Star.
Fertig ist ein Remake, das erstaunlich polarisiert,
zumindest wenn man nach der Meinung von einigen Internettrollen giert.
Im Endeffekt ist das Ding nicht viel anders als „Die Schöne und das Biest“ vor ein paar Jahren,
damals konnten aber komischerweise alle noch einigermaßen die Ruhe bewahren.
Doch mittlerweile hat sich scheinbar im Netz einiges an Hass und Wut gegen die Monopolmaus aufgestaut,
sodass man schon lange nicht mehr auf Fairness und Objektivität baut.
Doch zurück zu Simba, seinem Aufstieg zum König, ganz nah an der Erinnerung aus uns'rer Zeit als Kind,
guckt man so zurück, vergeht diese doch erschreckend g'schwind.
Der neue „Lion King“ ist inhaltlich sicher nichts Neues,
doch zum Kinogang würde ich dennoch bei weitem nicht sagen ich bereu' es.
Allein wegen der Nostalgie und unfassbar weit gekommenen Bildern aus dem PC,
selbst wenn man muss diese feine Hülle natürlich nicht loben über den Klee.
Ein Meisterwerk, wie das Original, fühlt sich doch anders an,
selbst wenn der umwerfende Look zieht wahrhaft meisterlich in seinen photorealistischen Bann.
Doch das beinhaltet gleichzeitig auch das größte Problem,
wodurch ich kann Ansatz und Grundgedanke nur teilweise versteh'n.
Denn dieser extrem realistische Look der Tiere,
nimmt ihnen einfach Charakter, Ausdruck und die Magie nach der ich als Filmfan und Mensch giere.
Man sieht immer die Synchronsprecher in ihrer Kabine,
statt echten Figuren gibt es echte Tiere mit stocksteifer Miene.
Und die fangen dann auf einmal inbrünstig an zu singen,
dabei sieht ihre Mimik aus als ob sie wirklich gerade in der Steppe umher gingen.
Im besten Fall ist das gewöhnungsbedürftig, im schlechtesten Fall schlicht falsch und sehr komisch,
nur Timon und Pumba brechen das auf mit ihrer coolen Art sehr ironisch.
Die Songs werden okay performt, hauen aber nie um,
den neuen „Spirit“-Song nehme ich Queen B sogar ein wenig krumm.
Dennoch packt die grundsätzliche, klassische, shakespearische Story in ihrem simplen Kern noch immer,
zusammen mit der spektakulären Optik entwickelt sich das sehr safe Ding vielleicht sogar doch noch zum Winner.
Im Endeffekt bleibt aber nur technisch eine echte Berechtigung aufs Sein,
doch durch die bekannte Geschichte in diesem Style nochmal zu geh'n, war sicher keine Pein.
Klar, der Klassiker bleibt unerreicht und auch das Musical berührt mehr,
hier trübt die letzte Begeisterung dann doch ein wenig das sterile, nicht sehr homogene Flair.
Allein um den Wow-Effekten würde ich den Kinogang, sogar wenn möglich in 3D, dennoch empfehlen,
selbst wenn danach wohl doch die meisten das Original werden wählen.
Ein Kinomoment einer ganzen Generation ist das nicht,
sich seine eigene Meinung zu bilden ist hier dennoch Pflicht.
Denn der 2019er „König der Löwen“ ist weder Himmel noch Hölle,
und man sollte nie vergessen, im Web zahlt man leider für reaktionäre Dummheit und anonymen Hass keine Zölle.
Fazit: auch wenn ich jedes Mal das Original vorziehen würde, hat diese neue Version ebenfalls ihre Kraft. Und sei es nur wegen ihrer bahnbrechenden Optik, die mehr als nur beeindruckt und den Atem raubt. Das ist Next-Level-Sh*t! Emotional, inhaltlich, gesangstechnisch zwar deutlich eine Liga tiefer als seine Vorlage und dieser sklavisch, etwas öde treu. Die Verrisse und Hasstiraden (fast ausschließlich im Netz!) sind allerdings völlig überzogen. Eine brauchbare Alternative zum Animationsklassiker. Nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger.