Review

Watch the Skies!


„The Vast of Night“ ist ein ganz feiner, ruhiger Amazon Exclusive und echter Schmankerl. Ein Ufo-Gänsehaut-Slowburn im totalen 50s-Stil, der Regisseurneuling Andrew Patterson absolut für Größeres empfiehlt! Fast mehr Hörspiel und Gruselstory für das Lagerfeuer als Alien-Invasion-Mystery-Streifen, ist dieser Throwback in eine atmosphärischere Zeit meiner Meinung nach ein echtes Genrehighlight in diesem seltsamen Filmjahr. Erzählt wird von zwei jugendlichen Radio-DJs an einem seltsamen Abend in einer abgelegenen US-Kleinstadt Ende der 50er - und wie sie auf mysteriöse Geräusche und Frequenzen treffen...

„Die Weite der Nacht“ ist etwas für Gourmets und alles andere als Mainstream. Wer hier einen lauten Schocker der aktuellen Generation erwartet, könnte kaum falscher gewickelt sein und wird mit massiver Ablehnung und Enttäuschung reagieren. Wer sich jedoch in das tiefe Schwarz stürzt, die Atmosphäre und creepy Stimmung in sich aufsaugt, den Erzählungen und Geräuschen lauscht, die Schatten erforscht, die nuancierte Figurenzeichnung schätzt, der dürfte hier eine klassische Volldröhnung Gänsehaut abbekommen, vor der man nur den Hut ziehen kann. Aus kleinen Mitteln wird eine Menge herausgeholt, die Darsteller und der Look sind hervorragend und authentisch, die lange Shots und Kamerafahrten sogar phänomenal, das Ende ist absehbar, sitzt jedoch dennoch. Vor allem unsere zwei Leads sind süß geschrieben und schnell bei einem, sodass sich die zuziehende Schlinge noch unangenehmer, packender und persönlicher anfühlt. Warten zahlt sich aus, Geduld wird belohnt, Konzentration lohnt sich - „The Vast of Night“ kriegt von mir mindestens anderthalb Daumen hoch und kommt wärmstens empfohlen für alle Leute, die es auch mal intimer, realistischer und wirklich oldschool mögen. „Stranger Things“ wirkt dagegen wie eine aufdringliche Achterbahn, das hier ist eher ein wunderschönes, restauriertes Karussell. Ein wenig wie ein „House of the Devil“ für Science-Fiction... 

Fazit: genau meine Wellenlänge! „Vast of Night“ ist ein funkelnder Diamant zwischen viel Genredreck. „Pontypool“ trifft „Twilight Zone“. Retro richtung Zukunft. Radio Gaga. Bringt die 50er zurück - und zwar mit Stil, Gefühl und Gänsehaut! Kultfilm incoming?! 

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